| Belgard - Pflegestätte preußischen Reitergeistes Die Belgarder hatten zu aller Zeit ein herzliches Verhältnis zu ihren Soldaten Von |
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| Seit dem 30jährigen Krieg war Belgard
Standquartier verschiedener Truppenteile. Garnisonsort war es seit 1721.
Für das 1795 abrückende Kürassierregiment des Prinzen Ludwig
von Württemberg kam die In der Wilhelmstraße war nach 1721 eine verdeckte Reitbahn gebaut worden. Um 1880 kam eine zweite in der Zimmerstraße hinzu. Im Jahre 1721 beschloß die Stadt, ein Kommandantenhaus zu bauen; es wurde erst 1754 fertiggestellt und war das Haus Ecke Heerstraße / Dienerstraße, das im Sommer 1928 dem Geschäftsneubau des Sächsischen Engros-Lagers Platz machen mußte. Das Garnisonslazarett (unser späteres altes städtisches Krankenhaus) und der Garnisonspferdestall für 65 Pferde wurden 1867 errichtet. Im Jahre 1867 pachtete der Magistrat vom Rittergutsbesitzer Louis von Kleist auf Siedkow den Siedkower Bullenberg von 250 Morgen auf Belgard schätzte sich zu aller Zeit glücklich, eine Garnison in ihren Mauern beherbergen zu dürfen, und die Bürger hatten ein herzliches Verhältnis zu ihren Soldaten. Die Garnison nahm an allen bedeutenden Ereignissen und Feierlichkeiten der Stadt aktiv teil. Die Begegnungen zwischen ihr und der Bürgerschaft gehören zu den glücklichen, die Menschen bewegenden Stunden unserer Persantestadt. Immer wenn die Soldaten mit klingendem Spiel durch die Straßen marschierten, öffneten sich die Fenster, die Jugend lief begeistert nebenher, und so manches junge Mädchen blickte voller Bewunderung auf die schneidigen Soldaten! In den Lebenserinnerungen des Rittmeisters Fritz Litzmann (geb. 1792, gest. 1883), die der General Karl Litzmann unter dem Titel "Freiwilliger Jäger bei den Totenkopfhusaren" (Berlin 1909) herausgegeben hat, findet sich ein Kapitel, das "Familienleben in kleiner Garnison" überschrieben ist. Die nette Schilderung Belgards, die hier gegeben wird, kann zumal bei den Bewohnern dieser Stadt einige Teilnahme erregen.... Der Verfasser war geborener Kolberger und starb in hohem Alter in seiner Vaterstadt. Von 1817 bis 1831 stand er in Belgard als "aggregierter Sekondleutnant": "Am 8. August 1817 rückte die 2. Eskadron des Blücher-Husaren-Regiments in ihre Garnison Belgard ein. Eine halbe Meile vor der Stadt empfing uns der Landrat, der Oberamtmann und der Forstmeister. Die Persantebrücke wurde erst freigegeben, nachdem der Herr Bürgermeister uns in feierlicher Rede den Dank seiner Stadt für die dem Vaterland geleisteten Dienste ausgesprochen hatte. Die Glocken ertönten vom Turm, und wir zogen durch einen Ehrenpforte in das Städtchen. Weißgekleidete Mädchen schritten vor uns her und streuten Blumen. Überall in den Straßen sah man Laub- und Blumengewinde. Als wir auf dem Marktplatze abgesessen waren, näherte sich jedem Offizier eine Dame und schmückte ihn mit einem Blumenkranz. Damit stolzierte ich in mein Quartier. Draußen krachten die Böller. Um 7 Uhr begann ein festlicher Ball. Ich mochte nicht tanzen und schützte einen beschädigten Fuß vor. Trotz allen Schmuckes im Saal und auf der Tafel und trotz der schönen Damen war ich mit meinen Gedanken am frischen Grabe meines teuren Vaters. Ich hatte den Tagesdienst und verließ mehrere Male den Ballsaal, um bei den Husaren nachzusehen, ob sie mit ihren Mädchen nicht etwa zu lustig wurden, denn die Stadt hatte auch ihnen einen Ball gegeben. Es war ein schöner Tag, und wir empfanden, wie herrlich es für eine tapfere Truppe ist, nach ruhmvoll beendetem Feldzuge in die liebe Heimat zurückzukehren. Ein ehemaliger freiwilliger Jäger von der Garde zu Fuß, der Kaufmann Schmidt in Belgard, spielte vortreffliche Cello. Wir wurden näher bekannt und vereinigten uns mit meinem Sprachlehrer und dem Stadtmusikus zu Streichquartetten. Regelmäßig an einem Abend jeder Woche kamen wir zu vierstündigem Musizieren zusammen. Bald machten wir Schmidt den Vorschlag, zu ihm ins Haus zu ziehen, wir waren Freunde geworden. Seine jüngste Schwester Ulrike war verheiratet mit dem Prediger Korb in Küstrin. Sie war eine schöne Braut, ein schlankes, blühendes Mädchen von 19 Jahren mit seelenvollen, großen blauen Augen. Nach drei Monaten kam ein Brief, daß Korb am Nervenfieber erkrankt sei, ein zweiter meldete die Verschlimmerung, ein dritter seinen Tod. Da war großer Jammer in meines Freundes Hause, die alte Mutter zerfloß in Tränen. Ein Jahr darauf kehrte die junge Witwe mit ihrem Töchterchen nach Belgard zurück. Im schlichten dunklen Gewande, das Kindchen auf den Armen, wäre sie ein herrliches Modell zu einer Madonna gewesen. Sie wurde meine Braut. Meine Verbindung zu ihr war nicht leicht zu erreichen. Ich hatte ein Kapital von Am 6. Juli 1852 brannten in Belgard auf der alten Vorstadt 55 Wohnhäuser, 45 Scheunen und 63 Ställe ab. 158 Familien mit 568 Personen wurden obdachlos. Der König schenkte für die Abgebrannten 500 Taler. Ein Unterstützungskomitee unter Landrat Freiherrn von der Reck bildete sich; im Komitee wirkte auch die Garnison durch Rittmeister von Blücher mit und half die Not zu lindern. An einer Landwehrübung daselbst seit 18. August 1852 nahmen 4 Eskadrons Landwehrhusaren teil. Am 26. August kamen In inniger Beziehung zu Belgard stand Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III. Er war Statthalter von Pommern und Kommandierender General. Das erste Mal war er in Belgard vom 1. bis Am 15. Mai 1866 rückte die Husareneskadron in den Krieg von Böhmen. Viel gesprochen wurde damals über das Heldenstück des Unteroffiziers Fischer und einiger Husaren aus Belgard, die auf einem Streifzuge 150 Österreicher gefangen nahmen. Selbst im Krieg, wenn die Garnison im Felde lag, ließ die Bürgerschaft die Verbindung zu ihr nicht abreißen. So wird berichtet, daß die Dragoner am 24. Juli 1870 nach Frankreich ausrückten. Die von den Belgardern für ihre Dragoner gesammelten Liebesgaben brachte Hotelbesitzer Enghard an die Front und erschien am 13. September 1870 in Rezonville und am Tage darauf in Etain. Aus den Händen des Regimentskommandeurs erhielt Enghard ein herzliches Dankschreiben an die Bürgerschaft Belgards. Kaisers Geburtstag wurde groß gefeiert. So wird in der Belgarder Zeitung vom 28.1.1914 berichtet: "Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde wie alljährlich in feierlicher Weise begangen. Der Gesellenverein und die Freiwillige Feuerwehr haben schon an den vergangenen Sonntagen ihre Feiern abgehalten. Auch der Verein ehemaliger Artilleristen und der Marineverein Belgard begingen in ihren Vereinslokalen würdige Feiern. Am Sonntag hatte sich zur Feier in der Präparandenanstalt zahlreiches Publikum eingefunden, und verlief diese in harmonischer Weise. Am Vorabend fand der Zapfenstreich der hiesigen Garnison statt. Der Zug begab sich von der Kaserne durch mehrere Straßen der Stadt zum Marktplatz, woselbst die Retraite und das Gebet geblasen wurden - und dann zurück in die Kaserne, von einer großen Menschenmenge begleitet." Es bedurfte nur einer Anregung, und das Trompeterkorps stellte sich in den Dienst der Öffentlichkeit. So berichtet die Belgarder Zeitung am 25. Januar 1914: "Die städtische Eisbahn auf den Pferdewiesen am Poetensteige erfreut sich ständig eines regen Besuches. Auf vielfach geäußerten Wunsch, ein Eiskonzert zu übertragen, wird am nächsten Donnerstag, dem 29. d. M. nachmittags das Trompeterkorps der hiesigen Abteilung auf der Eisbahn konzertieren." Schon als Schuljunge gehörte ich zu den zum "Bälgetreten" Abkommandierten. Damals gab es für die Kirchenorgeln noch keinen elektrischen Betrieb für deren Windwerk. Zu dieser Zeit war Kantor Albrecht Rexilius, wohnhaft im Tischlermeister Henning'schen Hause in der Poststraße, Organist an der St. Marienkirche. In diesem Zusammenhang möchte ich über ein unvergeßliches Erlebnis von Januar 1914 berichten: Es war das letzte Mal, daß unsere Garnison, das 1. Pommersche Feldartillerie-Regiment Nr. 2, anläßlich Kaisers Geburtstag mit klingendem Spiel zum Militärgottesdienst zur Marienkirche marschierte. Ein halbes Jahr später, am 1. August 1914, brach der erste Weltkrieg aus und unsere Reitende Abteilung rückte ins Feld. Da ich auch einmal dabei sein wollte, einen nur für Soldaten bestimmten Gottesdienst mitzuerleben, huschte ich mit in die Kirche. Das Musikkorps begab sich auf den Orgelchor und begleitete gemeinsam mit der Orgel den Gemeindegesang. Superintendent Dr. Emil Klar hielt die Predigt, ausgerichtet auf den Landesherrn, und anschließend sang man: "Vater, kröne Du mit Segen, unsern König und sein Haus, leit' und führ' auf allen Wegen, treulich seinen Ratschluß aus. Deiner Kirche sei er Schutz, allen Feinden biet' er Trutz, sei Du dem Gekrönten gnädig, segne Herrgott unseren König." Dieser starke Männergesang, begleitet von den wohl zwanzig Bläsern, den die Orgel in ihrer Klangfülle überflügelte, machte auf mich einen starken Eindruck. Als ich gelegentlich eines Marktkonzerts den Musikkorpsführer Max Schäbitz hinsichtlich des Militärgottesdienst vom Und am 9. August 1914 schreibt die Belgarder Zeitung: "Heute vormittag ist unsere Garnison auf den Kriegsschauplatz abgerückt. Die städtischen Körperschaften haben es sich nicht nehmen lassen, den ausrückenden braven Artilleristen Zigarren anzubieten, und sie haben zugleich an den Abteilungskommandeur, Herrn Major von Beck, das nachstehende Schreiben gerichtet: "Bei dem Ausmarsch der 2. Abteilung des 1. Pommerschen Feldartillerie-Regiments 2 aus unserer Stadt ist es uns ein warmes empfundenes Bedürfnis, der werten und lieben Garnison namens der Bürgerschaft ein herzliches Lebewohl zuzurufen. Unsere innigen Wünsche begleiten die Herren Offiziere und Mannschaften. Möge die 2. Abteilung ihrer stolzen Geschichte getreu neuen Ruhm dem alten hinzufügen und sieggekrönt in ihre Garnison zurückkehren. Mit der Abteilung beseelt uns ein alle umfassender Ruf: Mit Gott für Kaiser und Reich [....]"' Wie Belgard im November 1918 die heimkehrenden Soldaten empfing: Unter Jubel zogen die Batterien in ihre geschmückte Garnisonstadt ein. Es war eine schwere Zeit, das Jahresende des Unglücksjahres 1918. Um so mehr ist anzuerkennen, und es spricht für den nationalen Sinn der Belgarder Einwohner, wie sie ihre Artilleristen feierlich und freudig inmitten der haßerfüllten marxistischen Welt begrüßten. Am 28. Dezember 1918 sollte die II/2 nach erfolgter Demobilisierung in Kolberg in ihre alte Garnison Belgard übersiedeln. Die Batterien bestanden jetzt nur noch zum Teil aus freiwillig verbliebenen, kriegserprobten Mannschaften, zum größeren Teil aus Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1898 und 1899, mit denen die Batterien aus der Ersatz-Abteilung aufgefüllt waren. Der Abmarsch verzögerte sich dadurch erheblich, daß diesen Leuten die Geschicklichkeit der in vier Kriegsjahren sehr handfertig gewordenen alten Mannschaften fehlte. Über diesen Marsch und der empfangenen Eindrücke berichtet der zunächst noch im Dienst gebliebene Leutnant a.D. Rubach in anschaulicher Weise: "Beim Abrücken gegen mittag setzte dichtes Schneetreiben ein, das, zeitweise durch prasselnde Hagelschauer unterbrochen, den ganzen Nachmittag über anhielt. Wenn irgendwann Mann und Pferd während der Kriegsjahre bis auf die Haut durchnäßt waren, so wurde dieser Zustand auf diesem letzten, immerhin 40 km langen Marsch womöglich noch übertroffen. Die Schneeflocken tauten auf der Erde sofort zu einer grauen Schlammschicht, und auf den Männern bildeten sich dichte, schmelzende Schneehaufen, in die hohen Stiefel drang langsam Wasser, und die Feuchtigkeit drang nach kurzer Zeit von überall her durch. Den Pferden schlugen die nassen Mähnen und Schweife um die Leiber. Mit einem Wort: es wurde ein ganz schweinemäßiges Vorwärtskommen von über sechs Stunden gegen Wind und Wetter. Mit sehr gemischten Gefühlen vernahmen wir daher, nachdem die Spitze endlich schon nach Eintritt der Dunkelheit die Belgarder Kaserne erreicht hatte, die Einladung der Stadt zur Begrüßung noch zum Marktplatz zu marschieren. Die Stimmung der uns erwartenden Bevölkerung wurde so dringend geschildert, daß wir unter Zurücklassung der Bagage doch noch mit den Geschützen den Marsch in die Stadt antraten. Der Jubel, der uns beim Einmarsch in die festlich geschmückte Stadt und dann auf dem mit vielen hundert Fackeln erleuchteten Marktplatz empfing, war so übermächtig, die Begrüßung so herzlich, daß eine heiße Welle der innigsten Zusammengehörigkeit sofort jeden einzelnen Mann erfaßte. Ein Erlebnis für alle, das nie vergessen wird. Als dann der Bezirkskommandeuer Major Freiherr von Kittlitz nach dem Aufmarsch vor dem Rathaus die heimkehrende Truppe begrüßte, an deren Schicksal jeder einzelne Bürger der Stadt vier Jahre lang mit jeder Faser des Herzens gehangen hätte - da fühlten wir uns beschämt, als Helden gefeiert zu werden, die wir doch in einfachster Selbstverständlichkeit da draußen mit vielen Millionen zusammen nur unsere Pflicht getan hatten. Aber für Augenblicke ließen uns die warmen Worte vergessen, daß unserer Arbeit der Segen gefehlt hatte, daß wir diesen braven Leuten unter so erbärmlichen Umständen vor Augen treten mußten. Sie selbst vergaßen es wohl und sie fühlten nur ihre alte Garnisonstruppe zurückgekehrt, sie sahen unsere verdreckten Waffenröcke, unser kriegsmäßiges Gepäck und die braven Feldgeschütze, die so oft mit wütendem Lärm das Glück der Waffen zu unseren Gunsten gewendet hatten. Auch der Bürgermeister der Stadt, Dr. Trieschmann, sprach noch herzliche Begrüßungsworte und Major Schulz-Welchhausen stattete den Dank der Truppe ab. Währenddessen reichten freundliche Bürgerstöchter den durchnäßten Kriegern Blumen, Grog und belegte Brote, wodurch auch das körperliche Wohlbefinden sich hob. - "An die Pferde, Batterie zu einem rechts brecht ab - marsch!" Zum letzten Male nach diesen langen Jahren! Langsam rollten die Geschütze durch die geschmückten Straßen nach dem Kasernenhof. Bei duftendem Heu, frischem Stroh, trockenem, warmen Stall erwachten die müden Pferde, und duftender Punsch, Berge von Kuchen, weiche Betten in geschützten Stuben begeisterte die durchfrorenen Kanoniere. (Fritz Schulze) Mit dem Einzug der 1. und 2. Eskadron, Traditionseskadrons der Leibhusarenbrigarde, am 30. April 1920 aus Danzig wurde Belgard wieder eine Pflegestätte preußischen Reitergeistes. Sie trat nun in nähere Beziehung zu dem ehemaligen Kommandeur der Leibhusaren, von Mackensen, der die Stadt häufiger besuchte. "Ein echter Husarentag", so wird berichtet, "war der 22. März 1922. An diesem Tage wurde die Ehrentafel der Gefallenen der ehemaligen Leibhusarenbrigarde in der Marienkirche in Gegenwart unseres pommerschen Feldmarschalls enthüllt. Von dem echten Reitergeist dieser Brigade zeugen die Namen von 36 Offizieren und Gedenktafel zu Ehren der Husaren vom Ersten Leibhusarenregiment und vom Zweiten Leibhusarenregiment "Königin Viktoria von Preußen" der Leibhusaren-Brigade, die den Heldentod für König und Vaterland starben. Wir finden im Kopf die Jahreszahlen 1808, 1741-1920, links und rechts daneben und am Tafelfuß weiterführend die Inschrift "Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder." Dieses Ehrenmal nahm die untere Turmseite ein und wirkte in seiner kunstvollen Ausführung erhebend auf alle Gotteshausbesucher. Wenn die Gedenktafel einen so einmaligen würdigen Platz in dem größten Gotteshaus, der St. Marienkirche erhielt, so als Verbeugung vor den Leibhusaren und der allzeitigen, engen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Garnison. (Da neben vielen Unteroffizieren und Mannschaften auch mehrere Offiziere der alten Regimenter im Preußischen Reiterregiment 5 standen, war es verständlich, daß die Angehörigen der ehemaligen Husarenregimenter ihre alten Regimentsabzeichen übernahmen. Die Angehörigen der Ersten und Zweiten Eskadron führten an ihren Uniformen - offiziell am 8. April 1922 genehmigt - ihr altes Regimentszeichen, den Totenkopf der Leibhusaren. Ebenso führten sie noch bis 1. Oktober 1927 die Totenkopf-Lanzenflaggen der ehemaligen Leibhusarenregimenter - Symbol vergangener kavalleristischer Herrlichkeit. Aber die Eskadrons in Belgard übernahmen nicht nur die früheren Regimentszeichen, sie standen darüber hinaus in der Tradition der glanzvollen Geschichte der Leibhusaren und führten sie fort: Ihnen waren die wertvollen Zeugen aus der ruhmreichen Überlieferung anvertraut; im Speisesaal des Belgarder Offizierskasinos verkündeten die silbernen Pauken von Kath. Hennersdorf, die (nachgebildeten) französischen Standarten von Stöcken-Drebber und Düffelward und die silbernen Trompeten von Compiegne die Heldentaten der preußischen Totenkopfreiter.) Im Anschluß an die Enthüllung der Ehrentafel nahm der Feldmarschall den Parademarsch der Garnison und der Kriegervereine des Kreises ab. Auch die zahlreichen Konzerte der Husarenkapelle sind unvergessen. Sie trat auch zusammen mit Belgards Berufsmusikern auf und prägte ein Stück preußischer Kultur und begeisterte die Herzen der Belgarder immer wieder von neuem. So lesen wir in der Belgarder Zeitung vom 28. 2.1921 über ein Streichkonzert der Husarenkapelle: "Auf Veranlassung des Vereins R. d. B. gab am Freitag, dem 25. Februar, unsere gesamte Husarenkapelle ein Streichkonzert unter der bewährten persönlichen Leitung ihres Korpsführers, Wachtmeisters Wolfram, im Vereinslokal Schumacher. In schöner, abgerundeter Durchführung wurde ein künstlerisch zusammengestelltes Programm vorgetragen, und unsere Husarenkapelle bewies damit, daß sie nicht nur gute Blasmusik, sondern auch tadellose Streichmusik liefern kann [....] Der reich gespendete Beifall bezeugte wiederum der Musikerschar, daß die Leistungen gebührend gewürdigt wurden." Über die am 6. und 7. August 1927 in Belgard abgehaltene Erinnerungsfeier des 9. August 1741 berichtet die Belgarder Zeitung vom 8. August wie folgt: "Wieder einmal flatterten von den Giebeln der Häuser die schwarz-weiß-roten, schwarz-weißen und blau-weißen Fahnen und grüßten am Sonnabendmittag den Ehrengast der Leibhusaren, Se. Exzellenz den Herrn Generalfeldmarschall von Mackensen, als er auf der Fahrt vom Bahnhof zu seinem Absteigequartier, Hotel Wolter, im Vierergespann durch die Straßen fuhr. Von 17.30 bis 18.30 Uhr konzertierte auf dem Marktplatz das Trompeterkorps des 5. Reiterregiments (Obermusikmeister Sandow) vor dem Hotel Wolter, wozu sich trotz des arbeitsreichen Sonnabends eine große Menschenmenge eingefunden hatte. Während des Spiels trat der Herr Generalfeldmarschall von Mackensen wiederholt an das Fenster seines Hotelzimmers und hörte dem Konzert zu. Abends fand um 7.30 Uhr im Offizierskasino ein zwangloses Zusammensein der Offiziere statt, von 9 Uhr ab ein kameradschaftliches Zusammensein der Offiziere und der ehemaligen und jetzigen Husaren zu einem Festkommers in Schumachers Vereinshaus, in dessen Verlauf zahlreiche Begrüßungs- und Glückwunschadressen gehalten wurden. Der eigentliche Festtag, der 196. Geburtstag der ehemaligen Leibhusaren-Regimenter, wurde um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Marienkirche eingeleitet, zu welchem von der Kaserne her die beiden Reiterschwadronen und von den einzelnen Vereinslokalen die vielen Vereine der Stadt und die auswärtigen Abordnungen mit ihren Fahnen unter klingendem Spiel anrückten. Nachdem die Fahnen zu beiden Seiten des Altars Aufstellung genommen hatten, betrat Se. Exzellenz Generalfeldmarschall von Mackensen zusammen mit den Offizieren die Kirche und nahm vor dem Altar Platz. Nach dem von Orgelmusik und dem Spiel des Trompeterkorps begleiteten Gesang 'Großer Gott, wir loben Dich' sprach Herr Superintendent Zitzke das Eingangsgebet und predigte dann nach dem weiteren Gesange des Chorals 'Lobe den Herren' über das Apostelwort 1. Jh. 5, Vers 4: 'Alles war Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.' Nachdem sich nach dem Dankgebet beendeten Gottesdienst die Kirche geleert hatte, legte Herr Generalfeldmarschall von Mackensen in der Gedächtnishalle der Kirche zu Füßen der Gedenktafel für die gefallenen Leibhusaren einen Kranz nieder. Weitere Kränze wurden von Standortältesten und einzelnen Abordnungen niedergelegt. Inzwischen waren die beiden Reiterschwadronen wieder zur Kaserne abgerückt, während die übrigen Vereine auf dem Marktplatz, der von einer dichten Menschenmenge umsäumt war, Aufstellung genommen hatten. Se. Exzellenz Generalfeldmarschall von Mackensen schritt hier die Front ab und begrüßte die Kameraden mit lautem Gruß, der ebenso freudig erwidert wurde. Viele Kameraden wurden hierbei von dem 'greisen' Generalfeldmarschall in ein Gespräch gezogen [....]" Bei diesem Besuch im Jahre 1929 hatte sich unsere Garnison vorgenommen, ihren Feldmarschall mit einem Viererzug in einem neu angeschafften "Viktoria Coach" vom Bahnhof abzuholen. Hierzu wurden vier von zwei Wachtmeistern gut eingefahrene Pferde ausgesucht. In letzter Minute kam Oberleutnant Kuhn zum Standortältesten, Major von Walther, und bat ihn, sein eigenes Pferd "Hanne" im Viererzug vorn rechts gehen zu lassen. Von Walther und sein damaliger Ordonnanzoffizier, Oberleutnant Dingler, waren über diese Bitte erstaunt. Nach der Begründung für seinen Wunsch befragt, erklärte Oberleutnant Kuhn, daß, wenn seine "Hanne", an sich sehr gut geritten, noch dazu vor dem Wagen des Generalfeldmarschalls gegangen sei, bei einem eventuellen Verkauf einen erheblich besseren Preis erziele. Major von Walther war kein "Spielverderber" und gab schließlich die Erlaubnis. Am Tage der Ankunft des Feldmarschalls fuhr dann der Viererzug vor dem Standortgebäude vor, und von Walther mit Adjutant stieg ein. Beim Anfahren ging die "Hanne" wie eine Lerche in die Luft, die Seile rissen. Da aber keine Zeit mehr war, neue Seile zu holen, wurden diese schnell mit Bindedraht geflickt. Im schnellen Tempo ging es dann zum Bahnhof, wo bereits das Trompeterkorps inmitten einer Menschenmenge Aufstellung genommen hatte. Unter dem Jubel der Zuschauer wurde der Generalfeldmarschall zum Wagen geleitet. Der neue "Viktoria Coach" fuhr an, die "Hanne" wieder senkrecht in die Luft, die Seile rissen erneut. Die sachverständige Landbevölkerung half sogleich, die Seile zu flicken, und diesmal klappte der Start. Neben dem Feldmarschall saß Major von Walther und auf dem Rücksitz Oberleutnant Dingler, der besorgt merkte, daß das Tempo immer schneller wurde. Er drehte sich um und sah, daß die beiden Wachtmeister die Leinen geteilt hatten und trotzdem die Pferde nur mühsam halten konnten. Adjutant Dingler muß wohl ein entsprechendes Gesicht gemacht haben, was dem Feldmarschall auffiel; denn dieser meinte ganz trocken, daß der Adjutant bei einer Fahrt mit ihm doch freundlicher aussehen könne. In schnellem Tempo rasselte der Wagen über das Belgarder Kopfsteinpflaster. Die rechtwinkligen Straßenecken wurden von den beiden Wachtmeistern mit einzigartigem Geschick genommen, wobei der "Coach" sich erheblich zur Seite neigte. Beim Einbiegen auf dem Marktplatz sah das dort vor dem Hotel Wolter aufgestellte Offizierskorps die Bescherung. Eiligst stürzten sich die Offiziere den Pferden entgegen, hingen sich in die Leinen und brachten das Gefährt auch tatsächlich vor dem Hoteleingang zum Stehen. Unbewegten Gesichts stieg der Feldmarschall aus dem "Coach" und begrüßte die Offiziere, die Bevölkerung und ging dann, von Oberleutnant Dingler begleitet, in das Hotel. Als der Adjutant dem Feldmarschall später meldete, daß er ihn kurz vor 19 Uhr zum Offizierskasino abholen würde, sah dieser ihn durchdringend an und sagte: "Gut, aber kommen Sie heute abend bitte mit zwei ganz gewöhnlichen Braunen!" (Fritz Schulze) "Am 9. August hatten die Überlieferungsschwadronen der Leibhusaren in Belgard (1. und 2. Reiter-Regiment 5) die Ehre, Sr. Exzellenz, Herrn Generalfeldmarschall von Mackensen, als Gast bei sich sehen zu dürfen. Der Herr Generalfeldmarschall traf mittags um 1 Uhr, mit fahrplanmäßigem Zuge von Stettin kommend, in Belgard ein, wo sich auf dem Bahnhof der Standortälteste, Rittmeister von Zanthier, sowie der als Ordonnanzoffizier kommandierte Oberleutnant Herrmann der 1. Esk. Reiter-Regiment 5 (ehem. 2. Leibhusar) bei Sr. Exzellenz meldeten. Der Herr Generalfeldmarschall, der sich des besten Wohlbefindens erfreute, nahm alsdann die Meldung der in der Bahnhofstraße zu seinem Empfang aufgestellten vaterländischen und militärischen Vereine entgegen und schritt nach den Klängen des Präsentiermarsches deren Front in gewohnter Rüstigkeit und mit der an ihm bekannten freundlich-liebenswürdigen Art ab. In einem mit vier Rappen bespannten Wagen der 2. Eskadron ging die Fahrt durch flaggengeschmückte Straßen nach dem Markt zum Hotel Wolter, wo sich der Kommandeur des Reiter-Regiments 5 und einige ehem. Offiziere der Leibhusarenbrigade bei dem hohen Gast meldeten. Der erste Gang des Herrn Generalfeldmarschalls galt dem Ehrenmal der Gefallenen in der Marienkirche am Markt. Hier hatten sich neben Vertretern der Behörden der Verein Ehem. Leibhusaren sowie Abordnungen der beiden Überlieferungsschwadronen eingefunden. Wieder hatte der Herr Generalfeldmarschall für jeden der Herren, die einzeln vorgestellt wurden, einige liebenswürdige und treffende Worte. Der Ortsgeistliche, Superintendent Zitzke, hieß den greisen Heerführer, dessen schwarzer Leibhusaren-Attila mit den höchsten preußischen Orden und den goldenen Generaladjutantenschnüren geschmückt war, als getreuen Sohn der evangelischen Kirche ehrerbietig willkommen, und dann sprach der Feldmarschall. Gottesfurcht, Königstreue und Dankbarkeit gegen die Helden, die ihren Fahneneid mit dem Tode vorm Feind besiegelt, klang mahnend und eindrucksvoll durch jedes seiner Worte. Während er einen Lorbeerstrauß am Ehrenmal niederlegte, blies das Trompeterkorps des 5. Reiter-Regiments 'Ich hatt' einen Kameraden' und die Kirchenglocken begannen zu Iäuten. Anschließend legten Leibhusarenverein und Eskadronschefs bei der Überlieferungsschwadronen je einen frischen Kranz gleichfalls an der Gedächtnistafel nieder. Gesänge der Liedertafel Belgard aus dem Innern der Kirche verschönten die schlichte erhebende Feier, die auf alle Anwesenden einen sehr tiefen Eindruck machte. Dann ging es im Wagen hinaus nach dem Uhlenburger Exerzierplatz, wo ein kriegsstarker Zug der 1. Eskadron bereits in Paradeaufstellung harrte, um dem alten Husarenführer neuzeitliches Exerzieren vorzuführen. Exerzierplätze einer Garnison reichen heute ja nicht mehr aus, um die weite Fläche beanspruchenden Bewegungen größerer Verbände möglich machen zu können. Vom Exerzierplatz wurde zur Kaserne gefahren, um ein Patrouillenspringen beider Schwadronen, eine Remonteabteilung und ein Kleinkaliberschießen der 2. Schwadron zu zeigen. Für alles zeigte der Feldmarschall offensichtliches lebhaftes Interesse, für das neuzeitliche Exerzieren natürlich sowie auch besonders für die modernen Anlagen und das moderne Handhaben des Kleinkaliberschießdienstes. Abends Essen im Offizierskasino mit seiner Leibhusareneinrichtung aus Langfuhr. Gedankenvoll schweiften des Generalfeldmarschalls Blicke über die alten, ihm so wohlbekannten Stücke, die an eine versunkene Zeit, an ein mächtiges stolzes Deutschland erinnern. Im schwarzen Attila waren außerdem erschienen: Major a. D. Douglas, Major a. D. von Zitzewitz (Schlackow), Rittmeister a. D. v. Manteuffel, Rittmeister Johannes Gast schreibt 1980 (im Kreisheimatbuch S. 957 abgedruckt) über seine Kindheitsbegegnung mit den Schwarzen Husaren: "[....] Ich kann es schon gar nicht mehr abwarten, bis die Spitze (der Husaren) unsere nächstliegende Straßenecke erreicht hat und ich neben den Musikern einhertrippeln darf. Das Getrampel von den 100 Pferden wird immer deutlicher, und jetzt nach einer kleinen Verschnaufpause hebt der Musikmeister in der Friedrichstraße sein traditionelles Horn, seinen `Dirigentenstab' empor, der Kesselpauker kreuzt in der Höhe seine Schläger, das Trompeterkorps setzt seine Instrumente an - und es beginnt das klingende Spiel der Reiterei. Leichtfüßig und stolz traben die Pferde im Rhythmus eines Reitermarsches. Und dann der Schwadronenchef mit der Schwadron im Gefolge. Diese Reitermusik war für mich als Steppke der Inbegriff der Musik. Bevor die Reichswehr-Uniform ausschließlich getragen wurde, sah man noch die Husaren mit ihren schönen, verschnürten Uniformen (wenn auch grau) mit Lanzen und Fähnlein, die Offiziere mit ihren hohen Pelzkappen." Literatur 1. Stolz, Gerd; Grieser, Eberhard: Geschichte des Kavallerie-Regiments 5 "Feldmarschall v. Mackensen". München 1975. 2. Klemz, Carl, Rektor: Von Belgards jetziger Garnison. In: Unser Pommerland, 14. J., Heft 11/12. 3. Belgarder Zeitung vom 28.1.1914, 25.1.1914, 8.8.1927. 4. Schulze, Fritz: Aus dem Lande Belgard, 11/80. 5. Der Leibhusar, Nr. 26/1930. 6. Gast, Johannes: Die Husaren kommen. In: Der Kreis Belgard, Celle 1989 [700 Jahre Stadt Belgard an der Persante, S. 459-469] |
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