Architekt und Baudirektor
Prof. Dr. Ing. Hans Bernhard Reichow,
ein Sohn unserer Heimatgemeinde Roggow (1954)
1954 wurde mit der Gartenstadt Hohnerkamp des Stettiner Architekten und Baudirektors Hans Bernhard Reichow, deren Bauträger damals die Gesellschaft "Neue Heimat" war, in Hamburg-Bramfeld eine neue Heimat für Pommern vorgestellt. Rund 1.500 Wohnungen waren dort geplant. Der Architekt dieser Wohnanlage war der Stettiner Architekt Dr. Ing. Hans Bernhard Reichow, geboren 1899 in Roggow Kreis Belgard, der bis 1945 Städtischer Baudirektor in Stettin war. Das Pommernblatt besuchte ihn damals in seinem Haus in Hamburg-Rissen, das er aus einem "Behelfsheim" zu seiner Wohnung ausgebaut hatte. Sein Motto: "Mit den gegebenen materiellen Mitteln ein Maximum an Wohnlichkeit schaffen!" Nach dem Gespräch mit dem Architekten erschien am 20. Januar 1954 ein Artikel über das Wohnprojekt, den wir hier auszugsweise abdrucken.

Jeder Mensch braucht, um sich wohnlich zu fühlen, in seinem Raum eine bestimmte Menge organischer Stoffe, sei es Holz, Wolle, Textilien. Sonst ist diese wohnliche Atmosphäre nicht da! Er lehnt es ab, "in Glas oder verchromtem Stahl zu schwelgen" und stellt sich auf den Bewohner ein und dessen "instinktiven Wohnlichkeitsanspruch". "Ihn ohne Kitsch zu erfüllen, das ist die eigentliche Aufgabe des Architekten", meint unser Landsmann! Wird diese Aufgabe nicht vom rein Baulichen her erfüllt, so wird der Mieter geradezu zum Kitsch in der Ausstattung gezwungen. Reichow: "Nicht das Lineal, sondern die Verästelungen, wie sie die Natur beispielsweise an einem Blatt zeichnet, ist bestimmend. Man muß nicht vom Intellekt ausgehen, sondern vom natürlichen Vorbild! Unser Städtebau ist überholt! Das beweist die Tatsache, daß unsere Straßen dem Verkehr nicht gerecht werden können. Sie sind nicht organisch angelegt worden. Darum fort vom Geometrischen, hin zum Organischen!" Er hat sie in seinem aufsehenerregenden Buch "Organische Stadtbaukunst" niedergelegt - einem viel diskutierten Werk, das bei Westermann 1948 erschienen ist. Die Stadt Stettin mit ihren wundervollen Voraussetzungen für einen organischen Städtebau hat es unserem Landsmann immer noch angetan. "Ich betrachte es als eine schöne Aufgabe, Stettin einmal wieder aufbauen zu können", meint Dr. Reichow.

Die Gartenstadt Hohnerkamp hat ein gutes Wohnklima, wie der Fachmann dazu sagt! Jeder, der Gelegenheit hat, sich Hohnerkamp anzusehen, sollte es tun. Die Gartenstadt Hohnerkamp der "Neuen Heimat" in Hamburg-Bramfeld liegt inmitten weiter Kleinsiedlungs- und Schrebergartengebiete, die bisher nur von alten, verstädterten Dörfern durchsetzt sind, im Nordosten von Hamburg. Sie zieht sich in dem nur sehr gering bewegten Gelände an einem leicht geneigten Hang hinauf, dessen Höhenunterschiede nur neun Meter betragen. Indem diesem geringen Höhenunterschied mit einer niedrigen Bebauung von zweigeschossigen Häusern unter dreigeschossigen Punkthäusern oben städtebaulich entsprochen wird, entsteht eine terrassenartige Gliederung der Gartenstadt. Die Gartenstadt bedeckt eine Fläche von rd. 30 ha, die in ihrer längsten Ausdehnung sich von Osten nach Westen über etwa 1,2 Kilometer Länge erstreckt. Die Gartenstadt enthält 20 Läden, eine Gaststätte, eine zentrale Waschanstalt, eine Mütterberatungsstelle, einen Kindergarten und ein Sporthaus. Die unmittelbar anschließende, im ersten Bauabschnitt bereits vorhandene Schule wird sinngemäß erweitert. Besonders erhält sie eine Turnhalle und einen sportgerechten Spielplatz, sowie eine Aula, die wie die Schule selbst, im Mittelpunkt der Gartenstadt liegt. (Text gekürzt)


[Das Pommernblatt vom 20.1.1954 / Dai Schulteknüppel Nr. 57, S. 74]