| Der siebzigjährige Utech | |||||
| Joachim Utech, der in Belgard an der Persante
als Sohn eines Architekten geborene, jetzt in Marburg a. d. Lahn lebende
Bildhauer beging am 15. Mai 1960 seinen 70. Geburtstag. Ausstellungen im
In- und Ausland, so in Sao Paulo 1957, in Arnheim in Holland 1958, zahlreiche
Kollektivausstellungen haben ihn stets als einen höchst persönlichen
Granitbildhauer erkennen lassen und gezeigt, daß seine Schaffenskraft
auch nach der Flucht ungebrochen ist. Nähert sich doch allein die Anzahl
seiner Werke dem halben Tausend. Utech ist in seinem Wesen, seinem ganzen Habitus nach Pommer. Als die Ordensritter nach Osten zogen, siedelten seine Ahnen vom Dorf Utech am Ratzeburger See bei Lübeck kommend sich in Belgard an, was die Polen eine Zeitlang nicht abhielt, ihn als Jan Utecho umzutaufen, Haus und Werkstatt mit den zahlreich dort verbliebenen Werken in ein Utecho-Museum umzuwandeln. Jedoch im Mai 1957 gaben sie dem Künstler wenigstens einen Teil seiner Werke zurück, die jetzt im Marburger Schloß Aufstellung gefunden haben. Nach seiner Ausbildung in Berlin und Leipzig, nach einem kurzen Aufenthalt in Ostpreußen hat er allen verlockenden Angeboten widerstanden, kehrte in seine Heimatstadt zurück und blieb dort bis zu seiner Flucht im Jahre 1945. In Belgard entwickelte er sich um 1925 zu dem, den wir schätzen und lieben, der er seitdem geblieben ist, zum bedeutendsten Granitbildhauer seiner Zeit. Ein von einem Ahnen behauener Findling, der im elterlichen Garten stand, faszinierte ihn so sehr, daß er sich dem Hartgestein verschwor. Der Kampf mit diesem Werkstoff wurde die Aufgabe seines Lebens. Hat er auch manche wertvolle Arbeit in Holz geschnitten, das überwiegende Werk und bedeutendsten Schöpfungen darunter sind aus Hartgestein herausgemeißelt. Hat er auch Märchen- und Sagengestalten geschaffen, wie den "Nöck", den "Erlkönig", den "Rübezahl", ist ihm auch manch prächtige Gestalt gelungen, die mit einem Namen aus der griechischen Vorstellungswelt ihren Weg durch die Ausstellungen machte, schon seine historischen Typen wie der "Pommersche Grenadier", "Störtebeker", "Lotse", der "Seefahrer" und das herb männliche Antlitz des "Bauern" erwiesen ihn als einen typisch norddeutschen Künstler, der seine Gestalten zu einmaliger Symbolform zu erheben versteht. Im "Mann mit der Pelzmütze" spüren wir ebenso die Kälte wie vor der "Frierenden" von Barlach, und sein "Alter Hirte" (Museum Rom) ist unverwechselbar eine norddeutsche Gestalt. Aber nicht nur inhaltlich, mindestens ebenso stark erweist er sich durch die Strenge, den Ernst, die Schwere als ein echter pommerscher Bildhauer. In allen seinen Köpfen und Gestalten lebt seine Heimat, in ihrer Weite, in ihrer Schwere, lebt der Charakter jener Menschen, die so sind wie die Erde, der sie angehören, und der Himmel, der sich darüber breitet. Nur er konnte in Granit einen "Abend" als ganze Figur gestalten, eine "Sklavin" und kürzlich erst eine "Umarmung", einige der wenigen ganzen Gestalten. Wie stark er auch noch nach der Flucht mit seiner Heimat verbunden ist, beweist er dadurch, daß in den letzten Jahren noch ein "pommersches Mädchen" entstanden ist. In diesem Gesicht drückt sich die Verhaltenheit, die naive Gradheit eines pommerschen Landmädchens aus. Aber auch die anderen Arbeiten, die nach 1945 von ihm geschaffen worden sind, zeigen das Monumentale, die symbolische Aussagekraft, die Phantasiefülle, die sich inhaltlich auf knappste Andeutung beschränkt, auf strenge, herbe Form, auf Merkmale, die ihm Menschen und Natur seiner Heimat schenkten. Ihr ist er treu geblieben, und auch seine letzten Schöpfungen, unter denen sich manche völlig abstrakte Themen wie "Gefährlich", "Dynamik", "Flieger", "Vogelseele" befinden, zeichnet jene gegenstandslose Formdynamik aus, die in den früheren Arbeiten enthalten, und die übrigens in den Ornamenten unserer nordischen Vorfahren formbestimmend gewesen ist. [Franz Linde, Pommersches Heimatbuch 1960, S. 96-97] |
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