| Flüchtlinge und Vertriebene im Landkreis Celle Rainer Schulze, University of Essex/Großbritannien Rainer Voss, Kreisarchiv des Landkreises Celle |
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| Am 16. Mai 1956 wurde in der Lüneburger
Heide, in der Nähe des traditionsreichen Lönssteins, die so genannte
Pommernbank eingeweiht. Gestiftet von Vertriebenen erinnert die rund sechs
Meter lange massive Holzbank an die Patenschaft, die der niedersächsische
Landkreis Celle drei Jahre zuvor für den ehemaligen pommerschen Landkreis
Belgard und seine jetzt im Westen lebende deutsche Bevölkerung übernommen
hatte. Die Initiative für diese Patenschaft war vor allem vom damaligen
Celler Oberkreisdirektor Axel Bruns ausgegangen, selbst ein Vertriebener
aus dem Kreis Belgard. Diese Holzbank vermittelte das Kreisarchiv Celle
dem Haus der Geschichte für die Ausstellung "Flucht, Vertreibung,
Integration". In Celle entstand schon 1999 - in enger Zusammenarbeit
von Wissenschaft und Archiv - eine Ausstellung über Flüchtlinge
und Vertriebene im Landkreis, die einem bis dahin lange vernachlässigten
Thema eine neue öffentliche Präsenz gab. Unter dem Titel "Fremde
- Heimat - Niedersachsen" wurde diese Ausstellung zunächst im
Bomann-Museum gezeigt und danach von acht weiteren Orten in Niedersachsen
übernommen. Diese lokale Ausstellungsarbeit hat sich damit als richtungsweisend
erwiesen. Der Verlust von Heimat und die Suche nach einer neuen Verwurzelung standen im Mittelpunkt dieses Ausstellungsprojekts. Lebensgeschichtliche Interviews in der Stadt und im Landkreis Celle hatten gezeigt, daß die Eingliederung in die neue Heimat trotz aller äußerlichen Erfolge in kaum einem Fall vollständig geschehen ist. An allen Orten, in denen die Ausstellung gezeigt wurde, fand im Vorfeld eine umfangreiche "Spurensuche" statt, um sie durch lokal- und regionalspezifische Bezüge und Exponate auf ihr jeweiliges Umfeld zu beziehen. Dadurch hatte dieses Ausstellungsprojekt einen hohen lokalen Wirkungsgrad. Gesprächskreise, Vortragsveranstaltungen und ein 2001 erschienener Sammelband führten einzelne Ausstellungsthemen weiter aus. Gemeinsam blieb der Schwerpunkt: der schwierige Prozeß der Integration in die neue Umgebung sowie die Veränderungen in den Aufnahmeregionen durch den Zustrom der Flüchtlinge und Vertriebenen. Auf niedersächsischer Ebene wurde Celle zu einem wichtigen Dokumentationszentrum für dieses Thema: Das Kreisarchiv übernimmt die schriftliche Überlieferung, das Bomann-Museum die Objektbewahrung. Viele Flüchtlinge und Vertriebene fanden so Ansprechpartner außerhalb der Vertriebenenorganisationen. Auf wissenschaftlicher Ebene wird das Projekt weiterhin durch das Historische Seminar der Universität von Essex/Großbritannien betreut. Die in diesem Projekt geknüpften Kontakte sowie Ergebnisse der Objektrecherchen sind mittlerweile von anderen Ausstellungsmachern genutzt. [museumsmagazin 4/2005]
Unser Patenkreis, Sachgebietsleiterin Frau Angelika Esser, macht freundlicherweise auf diese Ausstellung aufmerksam und übersandte mir Ausschnitte aus der Celle'schen Zeitung vom 27. August und dem Celler Kurier vom 9. Oktober 2005. Ich zitiere daraus: Im "Haus der Geschichte" in Bonn wird im Dezember 2005 eine richtungweisende Ausstellung zum Thema Flucht, Vertreibung und Integration eröffnet. Exponate und Aufzeichnungen von Zeitzeugen aus dem Celler Raum werden Herzstück der Ausstellung sein. Stadt- und Kreisarchiv Celle gestalten die historische Schau maßgeblich mit. Während die Bemühungen zum Bau eines Zentrums gegen Vertreibung in Berlin zum heiß diskutierten Politikum geworden sind, sind die Celler schon einen Schritt weiter. Bereits 1999 zeigte das Bomann-Museum die Ausstellung "Fremde - Heimat - Niedersachsen", die vom Historiker Rainer Schulze und dem Celler Kreisarchivar Rainer Voss zusammengestellt wurde. "Das war mit Jetzt wird die Grundlagenforschung der Celler um ein weiteres Erfolgskapitel ergänzt: Teile der damaligen Ausstellung werden zum Herzstück einer bundesweit richtungweisenden Ausstellung zum Thema Flucht, Vertreibung und Integration: Die ist ab Dezember zu sehen im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, dem namhaftesten Museum zur deutschen Zeitgeschichte. Auch in Leipzig und im Deutschen Historischen Museum in Berlin soll die Schau gezeigt werden. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Zeit nach der Ankunft der Flüchtlinge 1945/46 in der neuen Heimat. Wie integrierten sich die Vertriebenen im Celler Raum, wie veränderte sich die "neue Heimat" durch den Zuzug der Massen an Neubürgern? Immerhin hat sich nach Rainer Voss' Schätzung die Bevölkerung Celles nach dem Krieg durch die Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten nahezu verdoppelt. In Celle gab es Besonderheiten. "So ist", so der Kreisarchivar Voss, "der Celler Ortsteil Vorwerk die erste auf private Initiative entstandene Flüchtlingssiedlung nach dem Krieg in Deutschland." Das Bomann-Museum verfügt über eine in Deutschland einmalige Sammlung von speziell für Flüchtlinge hergestellten Möbeln, die von Celler Betrieben aus Munitionskisten und Gewehrständern angefertigt wurden. Davon gehen Exponate sowie Kataloge und originale Entwurfszeichnungen nach Bonn. Daneben stellt der Wietzer Berg bei Müden eine Besonderheit in der Erinnerungskultur dar. Zum einen mit dem Löns-Denkmal, auf dem seine Landsmannschaft dem aus Westpreußen stammenden Heimatdichter gedenkt. Und zum anderen mit der Pommernbank, auf der sowohl das Celler Landkreiswappen als auch das Wappen des ostpommerschen Belgard eingeschnitzt sind. "Am liebsten hätten die Bonner den ganzen Wietzer Berg in ihr Museum gestellt", lacht Voss. Nun wird zumindest die Pommernbank abmontiert. Sie wird das zentrale Stück in der 500 qm großen Ausstellungsfläche sein. Insgesamt treten über [Dai Schulteknüppel Nr. 52, S. 10-11] |
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