Die Naturschönheiten Belgards

Von den Parkanlagen, Promenaden, der reizvollen Umgebung

Von
Studienrat Joachim Utech (1934): "Die alte, vom Jahre 1789 datierte Karte, auf der die Stadt Belgard und das Belgarder Land dargestellt sind, verzeichnet keine besonderen Parkanlagen. Damals war Belgard noch Festung. Die starke und hohe Stadtmauer legte einen festen Ring um die Stadt. Als zum letzten Male die furchtbare Seuche der Cholera 1864 in Belgard unter den Einwohnern wütete und zahlreiche Opfer forderte, die auf dem alten Friedhof an der Eisenbahnstrecke beigesetzt wurden, glaubte man die Hauptschuld an dieser verheerenden Krankheit der hohen trutzigen Stadtmauer zuschieben zu müssen: denn die hohe Ringmauer verhinderte die Durchlüftung der Stadt. Damals standen oft auf den Straßen die Abwässer aus Küche und Stall. Die Ausdünstungen der Dunggruben sind gewiß nicht Ozon gewesen. Jedenfalls glaubten die Bürger, als sich die Überlebenden wieder zusammengefunden hatten (viele waren bei Ausbruch der Seuche sofort aufs flache Land geflohen), die Wiederkehr dieser Volksgeißel durch die frische Luft abwenden zu können. Die starke alte Stadtmauer, die jahrhundertelang die Belgarder Einwohner schützend in die festen Arme geschlossen hatte, wurde nun zum Teil abgebrochen. Die Findlingsblöcke der Fundamente rollten in den Wallgraben, während die alten haltbaren Backsteine des Mauerwerks für andere Bauzwecke Verwendung fanden. Natürlich wurde die Hauptwindrichtung aus Westen, die in Belgard vorherrscht, beim Abbruch der Mauer bestimmend. Deshalb verschwand zunächst das Westtor mit den anschließenden Mauerteilen. Nun konnte der ständige Westwind ungehindert durch die Straßen blasen und alle Krankheitskeime fortfegen! Nicht weit vor dem Westtore, neben der Georgenkirche, war im Rosengarten guter Baumbestand; aber dieser große Garten war der Öffentlichkeit verschlossen, da er im Privateigentum stand. Damals gab es nur den großen Stadtwald im Norden der Stadt, allerdings etwas weit abgelegen, eine sumpfige Wildnis, während im Osten das kleine Kuhbrückenholz sich von dem heutigen Roten Fließ bis zum zweiten Steg über die Leitznitz nach Osten und von dem Bach bis fast an die Reichowsiedlung nach Süden erstreckte. Das Kuhbrückenholz war infolge seiner Nähe und Nachbarschaft zum Poetensteig ein sehr geschätzter Ausflugsort, um frische Waldluft zu schöpfen und im kühlen Baumschatten zu lagern." [1]

Die Belgarder nutzten also das Grün um sie herum, wie der Herrgott es geschaffen; nur wenig war von Menschenhand geschönt, nur wenig für die Naherholung getan. Was in den nun folgenden 200 Jahren - bis 1945 von deutscher Hand getan wurde - dies wollen wir auf einer Wanderung, (mit dem Stadtplan in der Hand) durch und um unser liebenswertes Belgard erkunden.

Doch allgemein: Vielfach sind es die Flüsse, Seen und Flußtäler, die einem Ort Anmut und natürliche Schönheit verleihen, und wenn der Mensch dann auch noch gestaltend verschönt seine Hände rührt, dann kann die Landschaft zu einem bezaubernden Paradies werden. Und erinnern wir uns: Das Alte Belgard, das, wie Utech schreibt, noch 1789 über den Bereich der Stadtmauer nicht hinausreichte, war eine Insel. Und selbst diese Insel war an ihren Rändern rundherum sumpfig. Bewohner erreichten die höher gelegenen Stadtteile oft nur auf Holzstegen. Die St. Marienkirche steht (noch heute), weil ihr Untergrund sumpfig war, auf Hunderten von Eichenstämmen. Noch vor ungefähr 100 Jahren strebten die großen Mauern des inneren Kirchenschiffs auseinander, weshalb sie mit Pfeilern verbunden werden mußten.

Belgard liegt an drei, ja vier Flüssen und Bächen. Da ist es zunächst südlich Belgards die Persante, die Majestätische, die in Belgard die sie berührenden Nebenflüsse aufnimmt. Sie, die Persante, war bestimmend dafür, daß sich einst Siedler entschlossen, hier niederzulassen. Sie war mit ihrem reichen Fischbestand ernährende Lebensader, im späteren Mittelalter war sie schiffbar und trug während der Hansezeit zu Wohlstand und Reichtum der Stadt bei. Besonders diese Hansezeit und die Bedeutung des Flusses als Schiffahrtsweg dürfte allgemein unterbewertet werden. Belgard muß damals wirklich reich gewesen sein. Wie wäre es anders möglich gewesen, von einem kleinen Gemeinwesen von nicht einmal (so nehme ich an) 2.000 Einwohnern mit den begrenzten Mitteln des Handwerks in einem Jahrhundert die St. Marienkirche, Stadtmauer und Schloßmühle zu bauen, nur um einige Objekte zu nennen!

Die alten Belgarder, noch unsere Väter und Mütter, waren innigst mit ihrer Persante verbunden. Ihnen war sie Ausflugsziel, und was sie für die Menschen so anziehend machte, war die Möglichkeit, in ihr zu baden. Ich habe nach in der Persante geschwommen, und wer an heißen Sommertagen die Kühle des dahin quirlenden Wassers empfunden hat, wird diese Momente nicht vergessen - ganz anders als eine leblose Badeanstalt mit stehendem Wasser. Die offizielle gesicherte Flußbadeanstalt war linksseits der nach Vorwerk führenden Persantebrücke "Landrat-Graf-Von-Kleist-Retzow-Brücke". Die Eichenpfähle der Sprunganlagen harrten auf ihren Plätzen noch bis nach 1945. Die Persante bot nicht nur hier die Möglichkeit zu baden; überall, wo ein flaches Ufer Zugang gewährte, badeten sie Menschen. Es war einfach herrlich, Genuß!

Der größere Nebenfluß ist die Muglitz, die im Dramburgischen entspringt, sich von Süd nach Nord durch den Kreis schlängelt, als Gebirgsfluß hohe Ufer führend, einer der schönsten, wenn nicht der schönste pommerscher Fluß überhaupt ist. Wir haben als Kinder darin gebadet; ich habe schon damals die Schönheit gesehen, in den letzten Jahren jedoch überzeugend entdeckt; es ist ein Traum, in dem Flüßchen zu wandern, sich der Schönheit zu erfreuen, die der liebe Gott mit der Muglitz schuf. Nicht allen Belgardern wird bekannt sein, daß die Muglitz auch ein Belgarder Fluß ist. Sie bildet die Grenze südöstlich Belgards zu meiner Heimatgemeinde Denzin. Das eigenartige Kuriosum besteht darin, daß von Belgard ausgehend keine Brücke zu dem zwischen Persante (parallel zur Polziner Chaussee) und der Muglitz liegende Stadtgebiet führt, sondern man muß, will man das Stadtfeld, die Denzin'schen Wiesen, erreichen, über Denzin fahren. Nur von Denzin aus führte eine befahrbare Holzbrücke über die Muglitz auf das Stadtfeld. Diese Verhältnisse gehen zurück auf das späte Mittelalter. Denzin war zu zwei Dritteln Amtsdorf, mit drei Bauern und zwei Kossäten adelig und das Stadtfeld, die Denzin'schen Wiesen, die immer von den Denziner Bauern bewirtschaftet worden sind, gehörte der Stadt. Denzin hatte also von der Gemeinteilung Anfangs des 18. Jahrhunderts drei Grundherren: den Pommerschen Herzog (später den Preußischen König), die Adeligen Zarnefanz's und die Stadt Belgard. Als es nun darum ging, die städtisch-dörflichen Verhältnisse zu ordnen, bestand die Stadt darauf, das Stadtfeld zu behalten. Der Streit darüber ging bis an das Königlich-Preußische Oberlandesgericht in Berlin, und dies entschied entgegen der ersten Gerichtsinstanz - völlig unverständlich - zugunsten Belgards. Den Denziner Bauern gehörte das Land weiterhin, die Grundsteuer aber mußte der Denziner Kassenwart an die Stadt abführen.

Das nächste Flüßchen ist die Leitznitz, der "Bach", für Belgard Inbegriff städtischer Schönheit und Anmut. Verständlich, denn der Bach fließt durch die Stadt, führt hinaus in die Landschaft, zu den Sportstätten und der Badeanstalt und verleitet zu einem Ausflug in die benachbarten Gemeinden. Ursprünglich verlief die Leitznitz vor der Stadt im Bachbett des Roten Fließes. Erst der Bau der Stadt im 13. Jahrhundert ließ den Fluß durch die Stadt ziehen. Man brauchte das Wasser für die Schloßmühle, aber ebenso für die Bewehrung der Stadt mit allzeit wasserführenden Stadtgräben vor der Stadtmauer. Wenn also die Belgarder statt Leitznitz "Bach" sagten, so beantwortet dies die Historie gerecht. Das Wasser der Leitznitz war klar und diente nicht nur der Schloßmühle, auch nicht nur der Gerberei Gebrüder Maronde in der Friedrichstraße, es füllte auch die neue Badeanstalt. Genial war der der Speisung zugrunde liegende, verwirklichte Gedanke: Das Wasser der Leitznitz wurde in die Badeanstalt eingeleitet und in den Roten Fließ, der die Leitznitz unterfließt, abgeleitet. So hatte die Badeanstalt ständig klares sauberes Wasser, ohne dafür auch nur einen Pfennig Strom-, Wasser- und Abwasserentgelt zahlen zu müssen. Der (letzte) Zufluß ist schließlich der Rote Fließ, der östlich Belgards die einst tiefen Wiesen durchzieht, früher in Höhe des Schlachthofs in die Persante mündete (die Persante verlief früher bis zum Eisenbahnbau der Strecke nach Neustettin nahe der Stadt parallel zur Polziner- und Kleiststraße).

Aber nicht nur durch diese Flüsse und Zuflüsse war Belgard eine Wasserstadt, sie hatte ringsum riesige Sumpfflächen. Den Darkower See, die Pferdewiesen, selbst das Gebiet in Höhe des nördlichen Endes der Wilhelmstraße, der Gymnasialpark und Mükepark waren Wasserflächen. Nicht auszumalen, was es an Schönheit für unsere Stadt und den Tourismus heutiger Zeit bedeutet hätte, wären diese Flächen erhalten geblieben. (Wenn ich Bürgermeister Belgards geworden wäre, ich hätte den Wasserablauf z. B. des Darkower Moors gesperrt und aus den großen Moorgebiet mit der Pferdewiesen einen Stadtsee wachsen lassen mit prächtigen Anlagen und Promenaden als Erholungs-, Bade- und Segelgebiet .... Wenn .... Ein zum Schmunzeln bewegender Gedanke!)


Aber nun zu den Parkanlagen

1. Gymnasial- und Mükepark

Dieses ganze Gelände war einst ein großer See, der sich zwischen Wilhelmstraße / Friedrichstraße und bis zur Luisenstraße erstreckte. Es muß ein zauberhaftes Bild gewesen sein - dort die starke Stadtmauer mit ihrem Wall und hier - der liebliche See! Einem Fischer, möglicherweise auch zwei Fischern, soll er Broterwerb gewesen sein, Gondoliere boten ihre Dienste, und aus besonderem Anlaß fanden Lampionsfahrten statt. Und gleichzeitig trieb das Wasser eine Wassermühle. Für den See war es indes verhängnisvoll, daß er zu flach war und verlanden mußte, auch wenn er im Jahre 1765 noch beträchtlichen Umfang einnahm. Der Schloßmüller mahnte die Reinigung des noch verbliebenen Restsees, "Mühlenteich" genannt; dies war nach hergebrachter Übung Aufgabe der Stadt, der zu diesem Zweck besonders die Bauersleute zu dienen hatten. Doch selbst die Mahnungen des Müllers fruchteten wenig. Und so wurde der Rest des verbliebenen Sees, der Mühlenteich, Sumpfwiese. Die kleinen Leute hüteten dann hier um die Jahrhundertwende ihre Ziegen, und auch zum Trocknen der Wäsche, die damals in der Leitznitz gespült wurde, diente er. Vor uns (dem südlichen Teil des Gymnasialparks und dem östlich angrenzenden Schulhof mit Schlauchtrocknungsturm) liegt die einst sumpfige "Hölzchenwiese". Das Gymnasialgebäude selbst liegt schon auf der "Bullenwiese". Ein Bächlein, der Schusterbach, durchrieselte einst das Gelände und war beteiligt an der Speisung des großen Sees. Aber der See hatte hier in der Nähe noch einen zweiten Zufluß, den "Ziegelgraben", der parallel zum "Pankniner Kirchsteig", heutige "Pankniner Straße", verlief. Groß Panknin war vor der Reformation Probsteidorf von St. Marien. Auf dem Ziegelgraben sollen die in Panknin gebrannten Ziegel mit Lastkähnen für den Bau der Marienkirche befördert worden sein. Die unmittelbare Fläche vor dem Gymnasialgebäude erhielt bald nach dessen Errichtung 1872/73 eine Verschönerung; ausgebaut zu seiner heutigen Gestalt als Gymnasialpark wurde er um 1920. Und um diese Zeit gestaltete die Stadt auch den früheren Teil des verbliebenen Sees (Mühlenteich) zwischen Jägerstraße und Parkstraße als Parkanlage (der Teil von der Parkstraße bis an die Friedrichstraße, auch zum Mühlenteich gehörend, war bereits mit Gebäuden bebaut); und dieser neu geschaffene Park erhielt den Namen des damaligen rührigen Belgarder Bürgermeisters Carl Friedrich Müke: "Mükepark". Was den Belgardern der Mükepark (der Volksmund nennt ihn auch "Kitzelpark") und die Parkanlagen allgemein bedeutet haben müssen, faßt Fritz Schulze (Presse-Schulze) wie folgt zusammen: "Drei interessante 'Wallfahrtsorte' gab es in der Persantestadt, die von der Jugend und auch von älteren Semestern gern aufgesucht wurden: den Poetensteig, den Müke- oder Kitzelpark und die liebenswerte Insel im Stadtholz. Diese drei 'Zufluchtstätten' trugen ihre Bezeichnungen zu recht, was wohl noch manche Belgarder, vielleicht aus eigener Erfahrung, bestätigen können! Zu jeder Jahreszeit, doch am liebsten bei Mondschein oder im Altweibersommer, zog es viele 'Bedürftige' hier wie dort hin."


Heiteres vom Mükepark

In den zwanziger Jahren entstand die [....] Parkanlage nach dem Namen des damaligen Bürgermeisters Müke benannt. Sie bot eine ideale Verbindung zwischen dem Marktplatz, dem Kreishaus und Bahnhof und wurde häufig als Treffpunkt ausersehen. Ältere Spaßvögel, derer es in Belgard reichlich gab, hatten in der Frühe eines Tages die Bänke mit folgender Aufschrift versehen: "Für hier abgegebene Heiratsversprechen übernimmt die Stadtverwaltung keine Verantwortung!" Eine vielleicht in ihrer Jugend betrogene Dame wollte sich wegen dieser Hinweise beim Stadtsekretär Jastrow, der zugleich Standesbeamter war, ganz genau vergewissern. F. Jastrow bestätigte lächelnd die in diesem Scherz enthaltene Wahrheit und fügte hinzu, daß man sich in Zweifelsfällen getrost an Rechtsanwalt und Notar Dr. Otto Beilfuß wenden könne, der sein Büro im Hause der Drogerie Gebrüder Breidenbach hatte. [2]


2. Der Poetensteig

Den Poetensteig nun wollen wir gemeinsam mit Bildhauer, Studienrat Joachim Utech besuchen, hören, was Utech empfindet, was er uns ans Herz legt: "Der Poetensteig, der Belgard mit den Dörfern Klempin und Siedkow verbindet, ist eine Sehenswürdigkeit unserer Stadt. Am Nordausgang der Wilhelmstraße, wo sich einst der Mühlenbach vor dem Kurkenwerder zu einem Teich erweiterte, führt er zunächst zwischen Wiesen hindurch. Da lagen zur rechten Hand hinter dem Stiftsgarten die Schützenwiese, dahinter die Ratsdiener-Wiese und schließlich die Hirtenwiese, die an das Godes-Hus-Land im Osten grenzte, während gen Süden sich die Haferkoppel und große Koppel ausbreitete. Auf der gegenüberliegenden Bachseite befindet sich der Kurkenwerder, der, unter dem Wasserspiegel gelegen, durch seine gleichmäßige Feuchtigkeit prächtige Heuernten liefert. Das Rote Fließ, den Poetensteig durchschneidend, begrenzte nach Westen hin das Kuhbrückenholz. Über einen Steg gelangte man auf die Pferdewiesen, wo ehemals eine Pferdehütte stand, die den weidenden Pferden Schutz bot. Heute ist hier das neue Schwimmbad, und der Steg, der uns allen noch bekannt ist, wurde durch eine Brücke, die etwa 500 m stromab gebaut wurde, überflüssig. Das Schwimmbad und der Steingarten mit Umgebung waren früher Waldbestand. Hier standen die 'Elsen', die von dem Kuhbrückenholz durch den Mühlenbach getrennt wurden. Vom Nordrande der 'Eisen' aus breitete sich bis gen Darkow und Klempin eine weite, ebene grüne Grasfläche aus, die durch die Pferde- und Fohlenwiesen, die 'Raume Kuhhütung' und den 'Bullenstall' einerseits und das Darkower und Klempiner Moor und seine Wiesen andererseits die breite Weite erhält. Erst seit 1930 rückte diese Gegend durch die Anlage eines neuen Parks, des Schwimmbades und der Sport-Kampfbahn wieder ins Blickfeld der Einwohner. Ins Leben gerufen durch den rührigen Bürgermeister Kurt Raasch, dem die Belgarder diese schönen Anlagen zu verdanken haben, wurden sie nach Plänen des Stadtbaurates Dr. Fritz Nohse gestaltet. Nachdem wir die steinerne Schleusenbrücke des Roten Fließes überschritten haben und das Godes-Hus-Land in unserem Rücken liegt, führt uns eine neue Holzbrücke über die Leitznitz zum Schwimmbad. Der hohe eiserne Sprungturm begrüßt uns. [....] Wir gehen jetzt an der Nordseite des Schwimmbades vorbei und gelangen in den neuen Park, durch den der alte Fahrweg führt, der die Pferde- und Fohlenweiden mit der Stadt verbindet. Die jungen Laubbäume zu beiden Seiten des Weges sind jetzt schon drei bis vier Meter hoch. Bald werden sie so hoch sein, daß ihr Schatten sich über den Weg legt und ihre Größe den alten Genossen am Poetensteig nichts nachgibt. Zierliche weißstämmige Birken säumen den Weg, der die große Parkanlage in zwei Stücke teilt. Im nördlichen Teil liegen die Kampfbahn, der grüne Rasenspielplatz, das große Gartenparterre mit den lauschigen Spalierlauben, zwei sonnige Kinderspielplätze und junger Waldbestand mit einem verträumten Teich, während auf dem südlichen Teil das schöne Schwimmbad und der romantische Steingarten Platz gefunden haben. An der Stelle, wo der Weg den Bach fast berührt, wird unser Auge durch einen seltenen Anblick gefesselt, der zum Stehenbleiben nötigt. Ein langer grüner Baumtunnel, durch den der flinke Leitznitzbach läuft, wird von den Sonnenstrahlen, die der Wasserspiegel des Wassers zurückstrahlt, magisch beleuchtet. Wohltuende grüne Farbenakkorde erfrischen uns. Das Auge versucht die große Tiefenausdehnung räumlich festzulegen. Gewaltsam müssen wir uns von diesem eigenartigen Bild losreißen, um unseren beschaulichen Weg fort zusetzen. Während am Bach Elsen stehen, erfreut uns hier junger Mischwald mit vielartigem Baumbestand, aus dem Vogelsang erklingt.

Hat uns eben der lange grüne Laubtunnel des Leitznitzbaches in eine seltsame Raumstimmung hineingezogen und stimmungsvoll bewegt, so haben wir jetzt ein neues Raumerlebnis. Zunächst wird unser Blick durch eine hochragende Steinplastik gefesselt, zu der über eine Holzbrücke hinweg ein Fußsteig führt, den wir benutzten. Da ist der neue eigenartige Steingarten, eine Sehenswürdigkeit Belgards, um die die Stadt oft beneidet wird. Inmitten dieses von Bäumen umgebenen runden Platzes erhebt sich ein kleiner aufgeschütteter Hügel, dessen Spitze die zwei Meter hohe Steinplastik der Flora krönt, ein Werk des Belgarder Bildhauers Joachim Utech. Auf vier Seiten des Hügels führen Steintreppen zu dem Bildwerk. Granitmauerwerk umringt zweimal den Hügel des Steingartens. Im unteren Ring lagern schwere Findlinge zwischen den fremdartigen Pflanzen; Krüppelfichten und Gebirgsflora beleben den Hang. Über 1.700 Pflanzen haben hier eine neue Heimat gefunden und werden von dem Belgarder Stadtgärtner Pommerening fürsorglich und mit großer Liebe betreut. Inmitten dieser Naturkinder steht die Steinflora hochaufgerichtet und blickt in die weite Ferne, Blumen in einer Gewandfalte tragend. Soeben ist sie dem Massiv des Steines, der die Rückwand bildet, entstiegen, um nun im Frühlingswinde, der ihr weites Gewand bläht, die Blumen im grünen Walde und auf weiten Wiesen zu verteilen. Indem die Flora als junges Mädchen dem Steingrund frühlingshaft entsteigt, sinkt auf der Rückseite des Steinblocks der langbärtige alte Winter sterbend in die Steinmasse zurück. So zeugt dieses Steinbildwerk von dem ständigen Werden und Vergehen in der Natur und erinnert uns an die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens. Nach den eigenartigen Raumerlebnissen, die der grüne Baumtunnel des Baches und das leuchtende Rund des Steingartens uns boten, werden wir durch die gewaltige grüne flache Weite, die sich vor uns ausbreitet, zu stillen Andacht gezwungen. Die Natur ist hier mächtig, so gewaltig, daß der Mensch in diesem hehren Raum und in diesen unendlichen Weiten still und einsam werden mußte. Die Rückwand dieses großartigen Raumes bilden im Osten farbige Hänge des Klempiner Berges und des Niefken und die blaue Wand der Dubberower Bergkette, während weiter nach Norden hin die roten Dächer des Dorfes Darkow gleichsam wie rote Blutstropfen im grünen Gras ruhen. Schwarzweiße Rinderherden beleben in der Ferne die Einsamkeit der weiten grünen Ebene; sie weiden im Bullenstall, der hinter dem Köppernitzbach liegt. Immer wieder fesselt uns die grüne flache Weite, die mit der Tages- und Jahreszeit uns ständig neue Reize bietet. Das Grün ist leuchtend blumig im Frühling. Lerchen jubeln im tiefen Blau des Himmels, der wie eine große Azurglocke über diesem smaragdgrünen Teppich schwebt. Über den moorigen Brüchen taumeln glitzernde Kiebitze. Bunte Schmetterlinge und summende Bienen besuchen die duftenden Blüten." [1]


3. Die Bahnhofsanlagen (1930?)

Wir verabschieden uns, nachdem wir wieder in der Stadt angekommen sind, von Bildhauer und Studienrat Utech, und erfreuen uns auf unserer Wanderung der Prachtallee Luisenstraße; villenartige Grundstücke geben ihr anmutiges Gepräge, und mit Bewunderung schauen wir in die gepflegten Gärten allerorten. Schon sind wir an der Ecke Hindenburgstraße. Der schmucke, repräsentative Bau des Kreishauses strahlt erhaben königliche Würde, und nach gut 100 Metern sind wir in der Bahnhofstraße - einer weiteren Prachtstraße Belgards auf der neuen Vorstadt. Und als wollten wir verreisen, schnurstracks laufen wir auf das Bahnhofsgebäude der Reichsbahn zu. Und da - da links liegt der ebenfalls um 1920 neu angelegte Bahnhofspark. Der Reisende, der Belgard das erste Mal sah, muß das Umfeld mit den großen Beamtenhäusern - als Kind faszinierten mich die Springfontänen - als freundliche Visitenkarte empfunden haben. Nun, groß ist der Bahnhofspark nicht, aber eben doch eine Grünfläche am Rande der Wohnbebauung - und sicherlich hat hier auch manch' Reisender, wenn er auf seinen Zug warten mußte - die Gelegenheit zu einen erholsamen Spaziergang genutzt.


4. Der kleine Park vor dem Krankenhaus

Schon wegen des Grüns, in das unser Krankenhaus am Rostiner Weg (Rostiner Straße) eingebettet war, mußten die Kranken gesunden! Schmuck lag das Krankenhaus da; hinter dem Haus lud eine Parkanlage zum Verweilen ein, und die Leitznitz, die hier in die Persante mündet, war von besonderer Beschaulichkeit. Auch vor dem Krankenhaus (in Wirklichkeit waren es ja zwei Gebäude: das alte Krankenhaus, ehemaliges Garnisonslazarett, und das neue Krankenhaus) war um 1935 aus früheren Lehmgruben eine Parkanlage, ein Schmuckkästchen zwischen der Körliner-, der Rostiner- und Kasernenstraße entstanden. Und wer darüberhinaus das Bedürfnis hatte, einmal kräftig auszuschreiten, der konnte dem Rostiner Weg entfliehen und war nach wenigen hundert Metern im ländlichen Idyll.


Das weltliche Paradies Belgards, die Liebesinsel im Stadtholz

5. Das Stadtholz

Die Naturschönheiten Belgards zieren diese Stadt; als eine dieser Schönheiten können die wohlgepflegten Baumwege am Stadtäußeren gelten: Ahorn, Linde, Kastanie geben dem Spaziergänger vielerorts kühlen Schatten, und es ist keine Überhebung, zu sagen, daß Belgard die Stadt der schönen Promenaden und Wanderwege ist. Die schattige Blumenstraße führt uns nach Norden hinaus in den Stadtwald, der in seinen vorderen Teilen durch den Eifer des Verschönerungsvereins in den letzten Jahrhunderten in erhöhtem Maße der Erholung suchenden Spaziergängern erschlossen worden ist. Die zahlreichen Wege durch den Laubwald - meistens Erlen, auch einige gewaltige Jahrhunderte alte Eichen ragen mit ihren knorrigen Ästen mehr als 30 Meter hoch in die Lüfte - bieten an manchen Stellen reizvolle Ausblicke auf wunderbare Waldwiesenidylle. Der Name "Stadtholz" ist Historie, umweht von Ehrwürdigkeit; als Boleslav IV., Herzog von Pommern-Wolgast, dem Burgflecken Belgard am 2. August 1299 das Stadtrecht verlieh, schenkte er der Stadt ein Stadtfeld, das weit über die Grenzen der heutigen Stadt hinausging; und dazu gehörte auch die Stadtholzung. Das heutige "Stadtholz" ist nur der Rest der ehemaligen Stadtholzung; ein großer Teil der Fläche gehört heute zur Gemarkung der angrenzenden Gemeinden.


Eine Tragödie

"Inmitten des von Goldfischen belebten, die Liebesinsel umgebenden Teiches war ein Schwanenhaus, dessen zwei Bewohner sich scheinbar bewußt waren, die Insel zu beherrschen. Für die idyllische Anlage mit Ruhebänken hatte der Verschönerungsverein mit ihrem Stadtältesten Gotthelf Kittelmann gesorgt, dem, wie er oft hervorhob, die Erhaltung dieses Belgarder Paradieses sehr am Herzen lag. Die sich dann hier abspielende Tragödie stürzte Vater Kittelmann in Trauer. Der Oberkellner der Bahnhofsgaststätte führte bei seinem Frühspaziergang zum Stadtholz die beiden Hunde seines Betriebsherrn mit sich. Die keineswegs bösartigen Tiere sollten und durften sich hier ergiebig austummeln. Der unglückliche Zufall wollte es, daß sich die Hunde zu dicht dem Ufer des Teiches genähert und die Reichweite der Schwäne unterschätzt hatten; oder aber die Gänsevögel wollten sich als kühn erweisen, hatten aber nicht mit so robusten Tiergenossen gerechnet. Doch wie dem auch gewesen sein mag, es war nur Augenblickssache - da trieb das Schwanenpaar leblos auf dem Teich. Das tragische Ereignis wurde sofort dem alten Kittelmann gemeldet, der, ohnehin immer schnell gerührt, tief erschüttert war. Mit einer Geldbuße, und zwar mit einem Zehner-Goldstück pro Schwan, also 20 Mark, wurde dieser Vorfall gesühnt. Einige Zeit später bezog ein neues Schwanenpaar die Liebesinsel und die Tiertragödie war vergessen oder wurde, wie so manches, totgeschwiegen." [Presseschulze]

Wir begegnen hier einem alten lieben Belgarder Freund, den verantwortlichen Schriftleiter der Belgarder Zeitung, Herrn Carl Klemz, Lindenstraße 34; wer könnte als Heimatforscher für eine Führung berufener sein als er! "Das Stadtholz ist ein beliebter Ausflugs- und Erholungsort. Mit seinen schönen und anmutigen Anlagen und Spazierwegen, die zum Teil von dem früheren Verschönerungsverein um 1900 geschaffen wurden, ist dies 'Holz' ein angenehmer Aufenthalt für Lustwandelnde. Und wer eben nicht zu anspruchsvoll urteilt, kann sich an den bescheidenen Gaben dieses Flachlandes erfreuen. Gleich rechts vom Hauptweg fallen uns mehrere Eichen auf, die in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts zum Gedächtnis an Deutschlands große Zeit gepflanzt worden sind. Der Hauptweg bringt uns zum früheren Sportplatz. Daneben finden wir die überaus reizvolle, idyllische Liebesinsel. Nun - sie war das Plätzchen, das man aufgesucht haben mußte, umgeben von Wasser bot sie in lauschiger Nacht mannigfache Gelegenheit zu lieben Äußerungen - und bestimmt ist hier der seelische Grundstein zu mancher Ehe gelegt worden. Rechts vom Sportplatz liegt der von Tannen und Lärchen bewaldete Schützenplatz und das Schützenhaus, massiv erbaut und mit einer Vorhalle versehen; es ist Eigentum der Schützengilde, die es 1886 an Stelle einer Schießhalle erbaute. Seit 1839 fanden die Schießübungen im Stadtholz statt, während vorher auf dem Wall (zwischen Tor- und Wallstraße) geschossen worden war. Daneben sehen wir das städtische Stadtholz-Restaurant; es ist Anfang der achtziger Jahre entstanden, nachdem das alte Restaurant, ein kleines strohgedecktes Haus in der Neujahrsnacht 1880 niedergebrannt war. Es stand in dem jetzigen Garten vor der dort noch vorhandenen Steineiche; sein letzter Pächter hieß Scharfschwerdt." Gehen wir hinter der Liebesinsel weiter, so kommen wir an die drei Waldteiche. Hinter dem zweiten liegt der Tennisplatz mit einem geschmackvollen Tennishäuschen. Neben dem dritten, der früher Schwanenteich hieß (Schwäne und Schwanenhäuschen sind verschwunden) erblicken wir das


Bismarck-Denkmal

das 1908 errichtet wurde. Auf einem Granitsockel erhebt sich die Bronzebüste des Altreichskanzlers, modelliert vom Bildhauer Magnussen. - Bismarck war dem Kreis Belgard dadurch verbunden, daß er häufig Gast in Bad Polzin war. Eugen Bode berichtet: "Im Taubenbachtal der Pommerschen Schweiz, nicht weit von der Stadt Bad Polzin entfernt, träumt, umrauscht von Buchen, Tannen, Eichen, Linden ein Haus den Traum historischer Vergangenheit: das 'Gesellschaftshaus Luisenbad'. In der Biedermeierzeit 1823 geboren, ist es 'umgeben' von fast einem Jahrhundert deutscher Geschichte, davon eine Zeit, die sich um das Leben des größten Deutschen des 19. Jahrhunderts rankt: des Fürsten von Bismarck. In dem Spiegelsaal des Gesellschaftshauses verbrachten viele Mitglieder der pommerschen Adelsgeschlechter, vornehmlich in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, Stunden der Freude und der Geselligkeit. Hier politisierte man, aber hier tanzte man auch nach den Klängen des Spinetts, das, alt und gebrechlich geworden, wie eine Matrone aus jener heiter gestellten Zeit anmutete. Ein Gesellschaftstag in dem Gesellschaftshause! Draußen grünt es, sprießt es. Drinnen lustiges Leben. Ein Reiter auf einem mächtigen Fuchs springt vor das Haus. Still wirds, als er, eine wuchtige Erscheinung, in den Saal tritt, dessen Wände mit Hunderten von Spiegeln ausgelegt sind: der tolle Junker Bismarck aus Kniephof ist's, über den man sich ob seiner allzu kühnen Streiche so gar manches in die Ohren tuschelt. Und heute gibt der tolle Junker noch mehr Gesprächsstoff als sonst: er will sich verloben. Eine viel umworbene junge Dame hat es ihm angetan. Und nun tanzt er, plaudert er mit ihr, macht ihr den Hof. Aber das Ende des Tanzabends ist - keine Verlobung. Denn er erkannte, daß ihr Charakter nicht zu dem seinigen passe. Tief verstimmt - so schreibt von Keudell - ritt er in der Nacht nach Hause, nach Kniephof, 63 Kilometer von Bad Polzin entfernt. Quer durch den Wald galoppierend, stürzt sein Pferd - der von Bismarck hochgeschätzte Caleb - in einen breiten Graben. Bismarck wird mit dem Kopf gegen einen Hügel geschleudert und bleibt einige Zeit bewußtlos liegen. Als er erwacht, sieht er beim Mondschein den treuen Caleb neben sich stehen, steigt auf und reitet langsam nach Hause. Um diese Verlobungsgeschichte hat sich die Legende gebildet, daß sich Bismarck in dem Gesellschaftshause Luisenbad mit Johanna von Puttkammer verlobte oder doch hier ihre Bekanntschaft gemacht hat. Dies trifft nicht zu. Bismarck hat seine Frau zum ersten Mal in Trieglaff gesehen."

Wenig hundert Schritte weiter kommen wir an eine Lichtung. Dort genießen wir einen herrlichen Ausblick auf eine Waldwiese, die hinter den Schießständen liegt. Man kennt sie unter dem Namen "die großen Hauwiesen" oder das "große Hau". Wir überschreiten eine Brücke; sie führt über den großen Stadtholzgraben, der die Hauwiesen an der Ostseite begrenzt. Dieser Graben durchfließt einen großen Teil der Belgarder Feldmark, kommt von der Pumlow-Darkower Grenze, hat fast eine Länge von zwei Meilen und führt in seinem unteren Laufe den Namen "Köppernitz". Wir gehen an ihm entlang, aber stadtwärts und kommen somit wieder in den vorderen Teil des Stadtholzes. Dann kommen wir an einer dichten Tannenschonung vorüber und sehen dann mehrere starke Eichen. Die alte zerklüftete Eiche wird "Königseiche" genannt; sie soll einmal zu Ehren eines Schützenkönigs gepflanzt worden sein. Dort sollen auch in alter Zeit alljährlich Volksspiele und Tänze aufgeführt worden sein. (1927) In und um Belgard gäbe es noch viel zu sehen. Doch wollen wir unsere Wanderung für heute mit einer Erfrischung im Stadtholz-Restaurant beenden. [4]


Literatur

[1] Utech, Joachim: Kennt ihr Belgards neue Sportanlage im Osten der Stadt? In: Aus dem Lande Belgard, 13. J., Nr. 22.
[2] Schulze, Fritz: Aus dem Lande Belgard, Ausgabe 3/1973 u. a.
[3] Brode, Eugen: Bismarck und Polzin. In: Aus dem Lande Belgard, 1. J., S. 46.
[4] Klemz, Carl: Belgarder Orts-, Straßen-, Häuser- und Flurnamen. In: Aus dem Lande Belgard, 8. J., S. 32.



[Dai Schulteknüppel Nr. 56, S. 30-38]