| Otto Graunke aus Schivelbein, plattdütscher Lyriker von Gottes Gnaden Von |
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| Wie können wir Pommern die Geschichte
unseres Landes bewahren und einen kleinen Teil der pommerschen Kultur über
unseren Tod hinaus retten? Diese Frage dürfte uns alle bewegen. Unsere
Elterngeneration ist verstorben, ihre Erinnerungen, ihre Geschichte, die
immer auch pommersche Geschichte war, haben wir oft aufzuzeichnen versäumt.
Mittlerweile erfaßt auch uns - die wir Kinder waren, als wir in Pommern
lebten - das Vergessen. Dabei haben wir Pommern eine bewegende Geschichte, ein kulturelles Erbe, das uns niemand nehmen kann. Nun, da wir nicht mehr in unserem Heimatland Pommern leben und es heute nur noch wenig gelebte pommersche Kultur gibt, sind wir als letzte Erlebnisgeneration um so mehr berufen, pommersche Kultur und Geschichte dort zu bewahren, wo sie überleben wird: in Büchern. So sehe ich es als meine Aufgabe, mich der Heimatdichter unseres Heimatkreises Belgard zu erinnern, einige ihrer Werke neu zu drucken in der Absicht, sie einem größeren Personenkreis zu öffnen und damit dem Vergessen zu entreißen. Der Heimatkreisausschuß unterstützt mich darin. So habe ich mit dem Neudruck von vier Bänden - zusammengefaßt in einem Band - unseres Heimatdichters Otto Graunke begonnen. Die alte pommersche Zeitschrift Unser Pommernland, 1931, Heft 2, nennt ihn einen "Lyriker von Gottes Gnaden". Er hinterließ uns fünf Gedichtbände. Wir finden in seinem Werk das hinterpommersche Platt wieder, welches unsere Vorfahren, auch noch unsere dörfliche Generation, sprachen. Leider scheint der Gedichtband An'e Waterkant verschollen. Otto Graunke wurde am 3. Februar 1861 in Schivelbein in Hinterpommern geboren. Die Oberschule seiner Heimatstadt gab ihm reichliche Kost mit auf seinen Lebensweg. Otto wurde Soldat und wollte auf diesem Wege Beamter werden. Das Bezirkskommando Berlin hielt ihn sechs Jahre. Dann aber hielten ihn keine zehn Pferde mehr im bunten Rock. Er bemühte sich um eine Stelle in der National-Versicherung in Stettin und heiratete "das gute Mädchen", das ihm Jahrzehnte treu zur Seite gestanden hatte. Er baute sich ein bescheidenes Nest in Pommerns Hauptstadt, in das bald auch ein Mädchen und ein Junge gehörten. Angeregt von Fritz Reuter, John Brinckmann und Klaus Groth, griff Otto Graunke zur Feder. Waren es anfangs in seinem Buche Afsids auch nur Läuschen und Riemels, so hatten sie doch den Vorzug, in plattdeutscher Sprache zum Leser zu sprechen. Das Buch wurde gekauft. Der Erfolg machte dem Dichter Mut; die zweite Auflage erschien. Immer neue Gedanken stürmten auf ihn ein, deren Wurzeln alle in der Heimat steckten, in der lieben Heimat, wo man nicht achtlos am Sommer, Winter, Herbst und Frühling vorübergeht. Wie klingt sein Sang lebhaft an Klaus Groth an, wenn er dichtet: "Oft seih in'n Drom en Hüs'ken ick, En Hüs'ken gräun von Win ümrankt; Em hew ick einst, o säutes Glück, Min' güllen Kindertid verdankt." Das zweite Buch An'e Bäk kam heraus. Graunke wurde besser, auch der Schalk blitzte den Leser an: "Kann't licht mi denken, leiwe Dirn, Dat du woll niglich wirst tau hür'n. Will doch 'ne Dirn girn küssen deit, Worum dat Wurt jüst 'Küssen' heit." Das, was Albert Schwarz begonnen und auch meisterhaft zu Ansehen brachte, Dichtungen in hinterpommerscher Mundart, hat Otto Graunke weiter ausgebaut, besonders in seinem dritten Buche Awendklocke. Hier ist er ganz Heimatdichter. Es ist völlig abwegig, wenn jemand über sein hinterpommersches Platt die Nase rümpft. Es sollten nur alle wie Albert Schwarz und Otto Graunke den Mut haben, in ihrer wahren Muttersprache zu dichten. Es ist hier unmöglich, in dieser kurzen Besprechung all' das Schöne aus seinen köstlichen Sammlungen zu kennzeichnen. Lustige und irnste Leder nennt Graunke ein Buch As't de Vagel süng! Auch hier noch oft sein hinterpommersches Platt, jedoch nicht so oft und auch nicht so voll und kräftig, wenn uns der Vogel auch die einzelnen Jahreszeiten vorzaubert in plattdeutscher Lyrik. Der Weltkrieg traf auch unseren Dichter. Er sah seinen einzigen Sohn gehen und ....er kam nicht wieder. Aber ein bleibendes Denkmal als in Stein und Erz setzte Otto Graunke seinem Kinde in dem Buche Achter düst're Dannen, z.B. "Achter düst're Dannen, up den Hümpel Sand, steiht en Krüz. En Dütscher stürw för't Vaderland!" Man riet dem Dichter, dieses Buch nicht herauszugeben. Das wäre schade gewesen, hätte Otto Graunke es nicht getan. Man soll nicht denken, daß in diesem Werk, das bestimmt mit seinem Herzblut geschrieben ist, die Verzweiflung vorherrscht. Nein, der Dichter pflückt auch hier von den Disteln Feigen und pflanzt am Grabe noch die Hoffnung auf, den Lebenden zum Troste! Otto Graunke, unser Pommer, ist alt geworden, er starb am 21. April 1942 in Berlin. Geachtet, geehrt und geliebt von seinen Lesern, besonders von den Pommern, die außerhalb ihrer Heimat wissen, was sie dem Pommern Graunke für die Erhaltung der Muttersprache verdanken! Das sollten wir nicht vergessen. Der Neudruck des Gesamtwerks Graunkes (mit Ausnahme des verschollenen Bandes An'e Waterkant) wird im August fertig vorliegen und am Freitag abend, dem 9. September, auf dem Heimatkreistreffen in Celle vorgestellt werden. Es kann dann in Celle und - bis es vergriffen ist - bei mir zum Preis von 15,00 EUR bezogen werden. Es liegt jetzt bei Ihnen, meine lieben Landsleute, daß auch Sie dieses Buch als einen Schatz unserer pommerschen Heimat betrachten, es erwerben und für dessen Verbreitung sorgen. Kaufen Sie mehrere Bücher und schenken Sie Heimatfreunden statt eines Blumenstraußes dieses Buch! Ich bin sicher, die kleine Tat erfreut jedes Pommern Herz und wäre ein Beitrag zur Bewahrung unserer heimatlichen Kultur. Erfreut bin ich darüber, daß meine Heimatgemeinden Roggow und Denzin Bücher im Block bestellten, so daß ich angesichts weiteren Verkaufs sicher sein darf, daß das Werk Graunkes eine Verbreitung finden wird. Es ist ein pommersches Buch und sollte deshalb Interesse bei allen Pommern finden! Das Buch wird Bibliotheken, Büchereien und Heimatstunden gestiftet werden. Zu Dank verpflichtet bin ich meinem Heimatfreund, Herrn Dipl.-Ing. Günter Beilfuß aus Belgard, der das Werk Otto Graunkes technisch bearbeitet hat und mir damit einen wesentlichen Teil der Arbeit abnahm. Daß Günter Beilfuß schon Jahrzehnte aktiv in der Pommerschen Landsmannschaft und jetzt auch in unserem Heimatkreis tätig ist und das Verhältnis zu den früheren Einwohnern der Siedlung am Lazarett in Belgard pflegt, mag hier ehrend am Rande erwähnt werden. Über die weiteren Heimatdichter unseres Kreises, nämlich Elisabeth Creuzinger aus Meseritz, Bernhard Jastrow aus Bulgrin, Klara Müller aus Lenzen, Dr. med. Bernhard Trittelvitz aus Wusterbarth, Elfriede Kannenberg aus Simmatzig, Heinz Friedrich Kamecke aus Bramstädt bei Bad Polzin und Bürgermeister Edmund Trieschmann, Bürgermeister in Belgard, werde ich später berichten. [Dai Schulteknüppel Nr. 50, S. 52-53] |
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