Durchgangslager Friedland wird Museum
und Forschungsstätte

Aber ohne die Polen geht es nicht!
Wo bleibt unser Heimatkreismuseum? Diese Frage beschäftigt mich schon seit längerem. Der Heimatkreisausschuß wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema befassen und zusammen mit unserem Patenkreis nach einer Lösung suchen. Bekanntlich ist die Pommersche Landsmannschaft nicht imstande, eine zentrale Lösung für alle pommerschen Heimatstuben anzubieten; deren Empfehlung, die Heimatstuben bei den Patenkreisen und -städten zu belassen, ist inakzeptabel. Friedland halte ich zwar nicht für ideal, nur - was sollte unsere Heimatstube "nach uns" in Celle?

Daß nun auch wieder ein polnischer Historiker in Friedland mitwirken muß, halte ich geradezu für erniedrigend. Aber auf unseren Empfindungen darf man getrost herumtrampeln!






Lager Friedland: Wenig Zeit für Zeitzeugenprojekt

Eine Arbeitsgruppe aus drei niedersächsischen Ministerien sowie Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und Osnabrück haben mit den Planungen für ein Konzept des künftigen Museums im Grenzdurchgangslager Friedland begonnen. Friedlands Rat unterstützt die Pläne einstimmig. Neben seiner Aufgabe als Anlaufstelle für Spätaussiedler und Flüchtlinge wird das Grenzdurchgangslager Friedland (Integrationszentrum Niedersachsen) künftig auch zum Museum und zur Forschungsstätte über Flucht und Integration. Ein Vertreter des Innenministeriums hat im Rat der Gemeinde jetzt erste Überlegungen für ein künftiges Museumskonzept vorgestellt. Danach soll das Museum 2013 öffnen. Eine Arbeitsgruppe aus drei niedersächsischen Ministerien sowie Wissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Osnabrück haben mit den Planungen für ein Konzept des künftigen Museums im Grenzdurchgangslager Friedland begonnen. Friedlands Rat unterstützt die Pläne einstimmig.

Die Zeit drängt. Das Grenzdurchgangslager existiert inzwischen seit fast 63 Jahren. Weil ein mögliches Konzept der musealen Aufarbeitung vorsieht, anhand von Biographien jener Menschen, die einst durch das Lager gingen, durch das künftige Museum zu führen, müssen Zeitzeugen gefunden werden. Viele von ihnen sind inzwischen hoch betagt. Deshalb, so Peter Ottens vom Innenministerium, habe das Zeitzeugenprojekt bereits begonnen. Ein Doktorand der Universität Göttingen versucht zudem seit 1. Juni, Objekte aus privatem Besitz für die künftige Ausstellung zusammenzutragen. Ottens ist im Ministerium verantwortlich für die Museumseinrichtung. Im Rat der Gemeinde stellte er vor, was das Museum künftig leisten soll: sammeln, bewahren, vermitteln, forschen. Folgende Fragen würden in einem ersten Planungspapier gestellt: Woher kamen die Menschen, die in Friedland aufgenommen wurden? Was hat sie getrieben? Wie wurden sie aufgenommen? Wie war der Lageralltag? Wie wurden sie in die deutsche Gesellschaft aufgenommen? Und welche Funktion hatte das Lager als politisches Instrument?

Bahnhof als Entrée. Schon aus diesen Fragen ergebe sich, so Ottens, daß sich ein großer Neubau verbiete, sondern daß das Lagerleben im Original gezeigt werden müsse. Denkbar aber sei, daß der gerade von der Bahn AG verkaufte Bahnhof vom Land erworben werden könnte, um hierin eine Art Entrée des Museums zu schaffen. Ottens warb dafür, ein Netzwerk zu knüpfen, eine Art Arbeitskreis aus allen Institutionen, die bisher im Lager arbeiteten. Kreisheimatpflegerin Dagmar Kleinecke und das Bundesinstitut der Geschichte der Deutschen im Ausland sollen ebenso mitarbeiten wie ein wissenschaftlicher Beirat. An diesem soll unter anderem auch ein polnischer Historiker mitwirken.

Den Zeitplan formulierte Ottens so: Ende dieses Jahres sollen zehn Planungsbüros zu einem Ideenwettbewerb geladen werden. Danach soll es einen Realisierungswettbewerb geben. Frühestens 2011 wäre die Vergabe. Die Eröffnung könnte 2013 sein. Der Rat Friedland setzte in einem einstimmigen Beschluß ein Signal: Die Gemeinde soll die Bemühungen des Landes nach Kräften unterstützen. "Damit es keine weitere Heimatstube wird", sagte der Grünen-Ratsherr Klaus Groth. Wichtig war allen Ratspolitikern ein fundierter wissenschaftlicher Hintergrund des künftigen Museums für Flüchtlinge, Heimkehrer, Aussiedler und Integration.

Jürgen Gückel im Göttinger Tageblatt vom 1. Juli 2008


[Dai Schulteknüppel Nr. 57, S. 16]