| Busreise nach Pommern, West- und Ostpreußen und Danzig vom 22. Mai bis 1. Juni 2002 Von |
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Das Schloß Boncourt [1] lch träum' als Kind mich zurücke / Und schüttle mein greises Haupt; / Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, / die lang ich vergessen geglaubt. // [7] So stehst du, ob Schloß meiner Väter, / Mir treu und fest in dem Sinn / Und bist von der Erde verschwunden, / Der Pflug geht über dich hin. // [8] Sei fruchtbar teurer Boden! / Ich segne dich mild und gerührt / Und segn' ihn zwiefach, wer immer / Den Pflug nun über dich führt. - Hugenotte Adalbert von Chamisso, 1781 auf Schloß Boncourt geboren, 1838 in Berlin verstorben. Reiseberichte langweilen nicht selten mehr, als daß sie interessieren: Reiseeindrücke bewahrt man in der Erinnerung, und wenn sie einzig, als Nachklang in der Seele - aber schreiben? Dennoch will ich versuchen, Gedanken, die uns bewegten, Höhepunkte ebenso wie für den Reisenden erinnerungswürdige Nebensächlichkeiten zu skizzieren, mag dann jeder selbst gedanklich hinzufügen, was ihn beflügelte, die Reise wert machte: Mittwoch, 22 Mai Zeitig mit dem Bus auf dem ZOB in Hamburg eingetroffen, müssen wir feststellen, daß der ZOB umgebaut wird. Wir finden eine Haltestelle, nur wie sollen hier die Teilnehmer den Bus finden, der nicht einmal beschrieben ist. Wir finden dann doch trotz des Wirrwarrs zueinander. Das Frühstück in Gudow mit frischen Brötchen, Holsteiner Mettwurst und Holtseer Käse, dazu Kaffee aus der Bordküche belebt die Gemüter. In flotter Fahrt erreichen wir die Autobahn in Richtung Prenzlau, wollen Prenzlau Ost abbiegen, können hier aber nicht abfahren, weil gesperrt und müssen der Straße bis Pasewalk folgen, dann wieder zurück fahren und verlieren so wohl fast eineinhalb Stunden Zeit. Hatte ich den Damen Anngret Malue und Sonja Rebner für den Zustieg die Zeit bis 14.30 Uhr genannt, so ist es durch nicht vertretbare Umstände 16.30 Uhr geworden. Damen Malue und Rebner danke ich für ihr Verständnis. Jetzt sind wir vollzählig. Nach gut einer weiteren Stunde erreichen wir den Grenzübergang Pomellen. 20 Kilometer greift hier die polnische Grenze über die Oder nach Westen hinaus (meine Gedanken: "sie" haben den Rachen nicht voll bekommen können und selbst noch über die Oder hinausgegriffen. Selbst die Insel Usedom wäre heute polnisch, hätten die Russen die Polen nicht zurückgejagt). Die Abfertigung an der Grenze chaotisch. Jedes Mal anders "organisiert". Nirgendwo befinden sich mit Ausnahme eines Schalters deutsche Hinweise. So irrt man mit einem Laufzettel von einer Baracke zur anderen, niemand ist der deutschen Sprache fähig. Ich hechele vergebens hier und da hin - bis ich dann glücklicher Umstände halber endlich die Bussteuer bezahlt habe. Zeitlicher Verlust ca. 45 Minuten. Der Butterkuchen vom Bäcker aus Laboe und eine erfrischende Tasse Kaffee entschädigen ein wenig. Die Reise ist bei schwülem Wetter schweißtreibend und anstrengend, die Klimaanlage im Bus nur bedingt hilfreich. Gegen 21 Uhr erreichen wir Kolberg. Donnerstag, 23. Mai Auf der Weiterfahrt nach Marienburg besuchen wir zunächst Belgard, durchfahren einige der Hauptstraßen. Nur selten bemerken wir bauliche Verbesserungen, mag auch hier und da der Verfall gebremst werden, sehenswert für einen Fremden ist die Stadt kaum. Und doch war sie unsere Stadt. Nichts oder nur wenig ähnelt ihrem früheren Kleide. Es gibt wohl nur wenige Gebäude, deren Gesicht erfreut, überwiegend begegnet uns marode Bausubstanz. In der Georgenkirche halten wir eine kurze Andacht, Frau Lore Baehr spricht ein Bibelwort. Über Köslin, Stolp, Bütow und durch die westpreußische Seenplatte erreichen wir abends Marienburg, unser Hotel. Die Zimmer haben Bad bzw. Dusche und WC, das Haus hat leider keinen Fahrstuhl, und das Abendessen entspricht nicht internationalem Standard, gleichwohl gehört das Hotel zur mittleren Preisklasse. Freitag, 24. Mai Vormittag besuchten wir Frauenburg, errichtet wahrscheinlich an der Stelle einer Prussenfeste. Die Burg wurde 1270 vom Deutschritterorden nach der Patronin des Deutschen Ordens "Unser Frawen Burg" genannt. Zwischen Haff und Düne ließen sich die ersten Siedler nieder, es waren vor allem Niederdeutsche, Sachsen und Flamen. Der Lübecker Gerhard Fleming führte sie an. Um 1280 wurde Frauenburg Sitz des Domkapitels und der Kathedrale. Mit dem Bau des heutigen Doms wurde 1329 begonnen, er wurde 1388 vollendet, sein Chorteil bereits 1342 geweiht. 1310 verlieh Bischof Eberhard von Ermland der Stadt die Handfeste nach Lübischem Recht mit allen Markt- und Fischereigerechtigkeiten. Die reichen Kirchenschätze auf dem Domhügel wurden der Stadt in den Kriegen mehrmals zum Verhängnis. 1836 wurde Frauenburg ständige Residenz der Bischöfe von Ermland. Das Schmuckstück der Stadt ist der Dom. Wir besuchen den Dom, hören ein Orgelkonzert und nehmen an einer Führung teil. Nicolaus Copernicus war in Frauenburg Domherr, hatte hier sein Haus und seine Kurie in der Domburg. Hier machte er seine weltbewegenden Entdeckungen. Ein Turm an der Domburg ist nach ihm benannt. Copernicus, 1473 in Thorn geboren und 1543 in Frauenburg gestorben, wurde berühmt als Begründer des neuen astronomischen Weltbildes, auch als Staatsmann, Jurist, Arzt, Sprachforscher und Kenner der Antike machte er sich verdient. Er zeichnete Landkarten von Preußen, verfaßte Denkschriften zur Münzreform. Unsterblich machte ihn sein Werk "de revolutionibus", durch das er der Wissenschaft einen völlig neuen Weg wies. Goethe nannte ihn den größten und kühnsten Gedanken, den der Mensch gewagt hat. Copernicus stellte das Denken dem sinnlichen Wahrnehmen gegenüber. Es entstand durch ihn ein völlig neues Denkbild: das erste Weltbild, das vom menschlichen Denken erschlossen worden war. Mit ihm ging eine wissenschaftliche Umwälzung vor sich, die den Namen Revolution verdient und als Copernicanische Wende bezeichnet wird. Auf ihr basiert das Werk Immanuel Kants und der deutschen Klassik. Die Polen stellen Copernicus gern als einen ihrer großen Söhne dar. Dazu nur so viel: Copernicus hat seine Schriften in Latein, seine Denkschriften zur Münzreform in Deutsch verfaßt, nichts dagegen in Polnisch. Er hat in einem deutschen Bistum, nämlich dem Ermland gelebt und gewirkt, auch wenn das Ermland entgegen dem Ordensland Preußen katholisch blieb und sich schutzsuchend der polnischen Krone unterstellte, ohne jedoch staatsrechtlich polnisch zu werden. Und Kopernikus hat mit eigener Hand geschrieben: Mein Vaterland ist Preußen! Welches Beweises bedarf es da noch mehr, ihn einen Preußen zu nennen! Am Nachmittag besuchten wir die Marienburg. Kaiser Friedrich II. gab dem Hochmeister Hermann von Salza in der berühmten, noch heute erhaltenen Goldenen Bulle von Rimini im Jahre 1226 den Auftrag, das Land der heidnischen Pruzzen zu besetzen, die Bewohner dem Christentum zu gewinnen, einen Staat zu errichten und diesen als Reichsfürst zu vertreten - das Zukunftsbild eines geistlichen Staates christlicher Ritter auf dieser Welt war geboren. Wenige Jahre später bestätigte der Papst den kaiserlichen Auftrag. Die Gewinnung des Preußenlandes begann recht bescheiden. Mit nur sieben Ritterbrüdern überschritt im Jahre 1231 der neue Landmeister Hermann Balk an der Spitze eines kleinen Kreuzheeres die Weichsel im südlichen Kulmer Land und eroberte eine pruzzische Befestigung auf dem rechten Ufer, wo um eine große Eiche die erste Ordensfeste Thorn entstand. Schon bald wird der strategische Plan des Ordens sichtbar. Er gründet die Orte und Burgen Kulm und Marienwerder. Mit Lübecker Kaufleuten werden 1237 Burg und Hafen Elbing gegründet, ein Brückenkopf der freien Nachschublinie über See. Gründung dann der Burgen Balga und Brandenburg. König Ottokar von Böhmen unterstützt das Ordensheer gegen die aufständischen Pruzzen; die neu errichtete Burg am Pregel wird deshalb 1255 Königsberg getauft. Gau um Gau werden vom Deutschritterorden erobert, er errichtet insgesamt 100 Burgen, und mit ihrer Gründung ist in der Regel immer auch die Gründung einer Stadt verbunden. Der Bau der Marienburg geht auf die Zeit nach Abschluß der Kämpfe mit den Pruzzen zurück. Landmeister Theoderich von Gatersleben faßte den Entschluß, am Übergang über die Nogat eine neue Burg zu bauen, welche diesen beherrschte und jederzeit auf dem Wasserweg von Thorn wie von Elbing aus erreichbar war. Der Orden faßte von Anfang auch die Gründung einer benachbarten Stadt ins Auge. Landmeister Konrad von Thierberg stellte am 27. April 1276 die Ansiedlung von Kaufleuten und Handwerkern als Stadt nach kulmischem Recht aus. 1280 scheint die Burg beziehbar gewesen zu sein; denn nach dem Ordenschronisten Peter von Dusberg wurde in diesem Jahre die Burg Zantir, das heißt der dortige Ritterkonvent, in die neue Marienburg verlegt. Das Burggelände ist 39 ha groß; es umfaßt die Vorburg, das Mittelschloß und das Hauptschloß. Zwei Schlösser in einer Burg? Die Gebäude für den Hochmeister sind es, welche die Verdoppelung der Anlage bewirkt haben. Durch den Verlust Palästinas wuchs die Bedeutung des Preußenlandes als Haupteinsatzgebiet des Ordens. Deshalb verlegte der Hochmeister seine Residenz an die Weichsel. Seine Wahl fiel auf die Marienburg, wohl wegen ihrer Lage an Schnittpunkt der wichtigen Wasserstraßen und Landwege (die Marienburg war also der Regierungssitz des Ordenslandes, zu dem in seiner größten Ausweitung das Pruzzenland [West- und Ostpreußen] gehörte, Danzig, Teile Ostpommerns und das Gebiet des Schwertbrüderordens, nämlich Livland, Kurland und Semgallen, später auch Estland und Gotland. Es war für damalige Verhältnisse also ein großes Staatsgebiet, das von hier regiert wurde). Der Deutschritterorden hat die Infrastruktur geschaffen, die uns heute bekannten Städte und viele weitere Orte gegründet, die Menschen christianisiert und dem Deutschtum gewonnen und das Ordensland zu hoher Blüte geführt. Der Wohlstand im Lande, die Macht und der Reichtum der Städte ist mit wesentlich Verdienst des Ordens. Das schicksalhafte Ereignis, das sich gegen den Orden richtete, trat 1386 ein, als der Großfürst Jagiello von Litauen zum römischen Christentum übertrat, die polnische Erbtochter Hedwig gewann und die Rückeroberung verlorener Länder schwor, womit das Kulmer Land und Pommerellen gemeint waren, obgleich darauf König Kasimir der Große durch Vertrag "auf ewige Zeiten" zu Gunsten des Deutschritterordens verzichtet hatte. Im Jahre 1409 entluden sich die Spannungen im offenem Krieg. Am 15. Juli 1410 trafen die beiden Heere bei Tannenberg aufeinander. Nach anfänglichen Erfolgen des Ordens wurde das Ordensheer von der polnisch-litauischen Übermacht erdrückt, welche noch Verstärkung von Tschechen, Südslawen und sogar Tataren erhalten hatte. Hochmeister Ulrich von Jungingen und über 200 Brüder fanden den Tod. Sofort zog der Sieger zur Marienburg, fand sie jedoch verteidigt. Der Komtur von Schwetz, Heinrich von Plauen, hatte sich auf die Kunde von der verlorenen Schlacht hin eiligst in die Burg geworfen, schlug jeden Angriff ab und schädigte die Belagerer durch Ausfälle schwer. Als nach zwei Monaten Entsatz heranrückte und im polnisch-litauischen Heer Seuchen ausbrachen, mußte der polnische König die Belagerung aufgeben und das Land fluchtartig verlassen. Der schon ein halbes Jahr später geschlossene 1. Thorner Friede kostete den Orden kein Land, belastete ihn jedoch mit einem ungeheuren Lösegeld für die Gefangenen von Tannenberg. Die Schwierigkeiten im Preußenland stiegen. Der Adel Preußens forderte Anteil an der Ordensregierung, zumal der Orden seinen Söhnen verschlossen blieb, und die Bürgerschaft der Hansestädte dem ordenseigenen Handel von jeher gram war. Der "Preußische Bund" machte bald gemeinsame Sache mit dem äußeren Feind Polen und kündigte 1454 dem Orden den Gehorsam. Ein furchtbarer Bürgerkrieg von 13 Jahren, in den Polen eingriff, legte Städte und Dörfer in Schutt und Asche. Der Marienburg wurden die Söldner in der Burg zum Verhängnis, als der Hochmeister 1456 die Besatzung nicht rechtzeitig löhnen konnte, pfändeten die Söldner die Burg und boten sie schließlich gegen Zahlung des Rückstandes dem Polenkönig an. Dieser - 1454 vom Orden in offener Feldschlacht bei Konitz vernichtend geschlagen - ergriff mit Freuden die Gelegenheit, ohne eigene militärische Leistung zu einem billigen Erfolg zu kommen, zumal die reichen Danziger Kaufleute 24.000 Gulden Vorschuß gaben. Die großen Städte Danzig, Elbing und Thorn wollten zwar das straffe Ordensregiment abschütteln, aber keineswegs den Stützpunkt eines neuen Landesherrn in ihren Mauern haben, daher schleiften sie die Ordensschlösser schon während der ersten Verhandlungen mit dem polnischen König bis auf den letzten Stein. Im Die Zerschlagung des Staates des Deutschritterordens darzustellen, ist mir Bedürfnis angesichts polnischer Planung, die Schlacht in Tannenberg 1410 mit dem größten Denkmal Europas darzustellen - das wir dann auch noch über EU-Mittel überwiegend bezahlen!. Der Orden ist nicht in der Schlacht von Tannenberg 1410, wie behauptet, endgültig besiegt worden ist, sondern durch die Schwierigkeiten im Innern des Landes durch einen Bürgerkrieg; der Orden hatte sich überflüssig gemacht, die großen Städte waren zu mächtig geworden, als daß sie länger bereit waren, dem Orden zu folgen. Es ist eine deutsche Tragik, die sich hier abspielte - um des eigenen Vorteils willen besonders der großen Städte (aber vielleicht wird auch auf dem polnischen Denkmal dargestellt, daß Polen 1454 [also noch 44 Jahre später nach der Schlacht bei Tannenberg!] vom Deutschen Orden bei Konitz vernichtend geschlagen wurde und daß es nicht das Königreich Polen war, sondern wesentlich die preußischen Städte und der Landadel, die den 2. Thorner Frieden 1466 erzwangen mit den für den Ordensstaat schwerwiegenden Folgen der Teilung). Sonnabend, 25. Mai Dieser Tag reiht sich als ein besonders besinnlicher Tag in die Reise ein. Wir verlassen nach 7 Uhr das Hotel, fahren nach Elbing und besteigen hier eines von drei Schiffen, das uns in einer fast fünfstündigen Fahrt auf dem Oberlandkanal nach Buschwalde befördert. Die Schiffstour führt zunächst zweieinhalb Stunden durch den Draußensee, ein weitgehend verschilfter und mit vielerlei Gräsern und Sträuchern durchsetzte unendliche Wasserfläche, dazwischen leuchtende Blumen, segelnde Vögel und dahinsteuernde Schwäne. Es ist ein Bild, dessen man sich an diesem frühen stillen sonnigen Morgen nicht sattsehen kann. Und daran an schließen sich auf einer Kanalstrecke, die sieben (?) Mal auf Schienen über Land geht, Wasserfläche auf Wasserfläche und daneben uns grüßende Felder, Wiesen, Bäume und Sträucher. Auf der Rückfahrt halten wir in Elbing, gehen durch die Innenstadt, deren neue Bauten in ihrer Gestalt an die Hansezeit anzuknüpfen suchen. Sonntag, 26. Mai Auf unserer Fahrt zu Frau Eleonore Doering in Wittenberg im Kreis Lauenburg besuchen wir die Wallfahrtskirche Oliva, werden Zeuge eines polnischen Gottesdienstes mit Heiligem Abendmahl und sind eingenommen von dem edlen Baustil und der Schönheit dieser in weiß gehaltenen Kirche. Auch hören wir herrliche Orgelklänge und bewundern das prächtige Bischofsgestühl. Abends wandern wir bei nieselndem Wetter auf einem festen Weg, der ungefähr 2 Kilometer durch eine flache Dünenlandschaft führt, zur Ostsee. Uns öffnet sich ein weiter Strand, den wir ein Stück am Wellenschlag begehen. Montag, 27. Mai Wir besuchen Danzig und sind dieser mächtigen (einst) deutschen Stadt ergeben. Der Fremdenführer, Vorsitzende der deutschen Minderheit und selbst gebürtiger Danziger, führt uns durch die Altstadt und gibt sich alle Mühe einer umfassenden Erläuterung. Er verweist auf die Epochen dieser Stadt und bei mehreren Baulichkeiten auf die drei Wappen - Wappen des Deutschritterordens, Wappen Polens mit der Königskrone und das Danziger Wappen. Die Bedeutung Polens für Danzig nach dem 2. Thorner Frieden wird in seinem Vortrag überhöht. Danzig war viel zu mächtig, als daß die Stadt gezwungen werden konnte, polnische Stadt zu sein. Aber mit dem polnischen König lediglich als Schutzpatron lebte sie, zumal ein Großteil ihres Handels und Wandels die Weichsel stromaufwärts weit nach Polen und Rußland ging. Die Einwohnerschaft Danzigs setzte sich zwischen den beiden Westkriegen zusammen aus: 95 Prozent Deutschen, 2 Prozent Polen, 5 Prozent Balten, Russen usw. Dienstag, 28. Mai Wir besuchen die Lonskedüne, Naturschauspiel und Naturdenkmal (Nationalpark) der besonderen Art. Schade nur, daß die Sonne nicht scheint und weicher Regen den Besuch vorzeitig beendet. Schade. Abends erreichen wir Kolberg. Mittwoch bis Sonnabend, 29. Mai bis 1. Juni Wir haben im Hotel New Skanpol Quartier bezogen und fühlen uns in den einladenden Räumen und Zimmern wohl. Mittwoch dient dem Besuch Belgards, dem Besuch des Eisenbahnfriedhofs (Alter Friedhof). Wir machen auf dem Friedhof Halt auf dem Platz, auf dem der Gedenkstein mit deutschen Grabsteinen aufgestellt werden soll und meinen, daß die Lage für die Gedenkstätte gut gewählt ist. Wir gehen dann von der Fabrikstraße (Parkettfabrik) über die Eisenbrücke, die über die Mitte des Bahnhofsgeländes führte, fahren weiter mit dem Bus durch die Stadt zum Marktplatz, finden Zutritt in die Marienkirche und halten eine kurze Andacht, gestaltet von Frau Lore Baehr. Unseren Picknick halten wir an der Persante bei Springkrug. Leider fehlt die Sonne. Wir fahren auf der Polziner Chaussee weiter nach Quispernow, Kreis Belgard, dem Stammsitz der Familie Malue, hören von Frau Anngret Malue, die mit uns reist, über das tragische Schicksal der Familie beim Einmarsch der Russen 1945. Das Schloß der Familie ist bis auf die Fundamente zerstört. Wir kehrten in der kleinen Dorfkirche ein und singen das Pommernlied. Auch das benachbarte Gut Retzin ist Eigentum der Familie Malue. Und wir erfahren, daß Familie Malue hugenottischer Abstammung ist (vertriebene Protestanten aus Frankreich). Donnerstag ist der persönlichen Spurensuche vorbehalten. Eheleute Lore und Walter Baehr, Frau Gerda Müller, meine Frau und ich verlassen den Bus an der Roggower Wassermühle, durchziehen den Feldweg nach Fuchskaten und kommen so nach Naffin. Wir besuchen hier den Friedhof und werden von Kindern auf das Ehrenmal am Dorfende aufmerksam gemacht; das Ehrenmal ist vom Sockel gestürzt, die Eisenplatte mit der Inschrift der Namen der Gefallenen 1914 - 1918 aber noch erhalten und lesbar. In Denzin nimmt uns der Bus dann wieder auf, nachdem wir zunächst noch auf dem Kirchsteig in Richtung Belgard bis zur Persantebrücke wanderten. Freitag besuchen wir das Kösliner Seebad Groß Mölln. Es ist wieder ein Tag, wie von Gott geschaffen, ruhig, sonnig, traumhaft. Soweit die Mitreisenden laufen können, wandern sie den Strand entlang in Richtung Nest zum Durchfluß des Jamunder Sees. Diese Wanderung ist schöner Ausklang einer weiten Reise, deren festlichen Abschluß wir aus schon am Vorabend feierten. Ich danke allen Mitreisenden für die Begeisterung und Freude, die sie zum freundschaftlichen und harmonischen Gelingen dieser Reise einbrachten, ich danke besonders Eheleuten Lore und Walter Baehr für die Ebnung vieler Wege in der Vorbereitung und Durchführung dieser Reise. Ich danke den Damen, die alle Tage fleißig Brote schmierten: Lore Baehr, Ingeborg Hillmann, Ilse Hansen, Ursula Mönnich, Anneliese Thomsen und meiner Frau sowie Herrn Jandt, der uns die großen Dosen mit Reis und Grütze öffnete. Es verdient Bewunderung, daß allen Mitreisenden zum Picknick elf Tage Brot mit Wurst und Käse schmeckten - und als Nachtisch Reis mit Roter Grütze. Mein Empfinden, es schmeckte tatsächlich. Ich hatte den Eindruck, daß auch ein Schnäpschen, mochte es nun ein Margarethener, ein Wattläufer oder ein Jägermeister sein, willkommen war. Dank an dieser Stelle Elli Rettmann für den köstlichen Kuchen, auch Ingeborg Hillmann. Dank auch jenen, die zur Bereicherung unseres Picknicks und der "Kaffeetafel" mit einem Scherflein beitrugen. [Dai Schulteknüppel Nr. 45, S. 47-51] |
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