| Die 2000jährige germanische Besiedlung Pommerns Die Wenden in Pommern und verheerende Kriegszüge gegen Belgard Der 30jährige Krieg in Belgard Von |
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| Die erste Besiedlung Pommerns, die wir als
solche bezeichnen können, ist die Besiedlung durch die Germanen. Älteste
Heimat der Germanen ist Südschweden, Dänemark und Norddeutschland
zwischen Weser und unterer Oder. Schon zur Wiege der Germanen gehören
damit weitestgehend Vorpommern und der untere (pommersche) Oderbereich. Schon in der jüngeren Steinzeit (3000 bis 2000 v. Chr.) besetzten Träger der nordischen Kultur ganz Pommern. In der Bronzezeit (wir datieren die Bronzezeit auf die Zeit von 2000 bis 500 v. Chr.) drangen aus Vorpommern in der mittleren und späteren Bronzezeit die Germanen in zwei Keilen nach Osten vor. In der Eisenzeit (seit 500 v. Chr.) besetzten die aus Bornholm kommenden Burgunder, zunächst südlich von Pommern ansässig, das Gebiet westlich der Persante. Tacitus faßt unter dem Namen "Goten" eine Völkergruppe zusammen, die von Gotland / Schweden kommend, links von der Weichsel, an ihr und auf pommerschem Gebiet und östlich der Persante im Lande Belgard beheimatet war. Zu den gotischen Völkern gehören um 200 n. Chr. auch die Rugier (an der Ostsee) und die Gepiden, Letztere ansässig ungefähr zwischen Lauenburg und östlich der Persante. Im mittleren Weichselgebiet sind es die Vandalen. Sie sind keine Goten, wohl aber Germanen. Um 750 bis 500 v. Chr. reicht das germanische Siedlungsgebiet in Deutschland bis an die Nord- und Ostsee im Norden, von einschließlich Holland und dem Rhein im Westen, südlich bis Köln und Breslau und im Osten bis an die Weichsel. Um Christi Geburt wird das germanische Siedlungsgebiet auf deutschem Boden begrenzt durch Nord- und Ostsee, den Rhein, die Donau, umfaßt den westlichen Teil Ostpreußens, große Teile Polens, die Tschechei und Slowakei. m Westen, Süden und Südosten Germaniens waren zu dieser Zeit keltische Stämme beheimatet. Pommern, und dies ist mir wichtig festzustellen, war ein urgermanisches Siedlungsgebiet während ungefähr 2000 Jahren. Die vielen Funde und Grabstätten, verteilt über ganz Pommern, lassen eine verhältnismäßig dichte Besiedlung erkennen. Dies gilt in hohem Maße auch für das Land Belgard. Hauptquellen für die Kenntnis der Germanen sind Schilderungen römischer Schriftsteller, wie Cäsar, Tacitus, Plinius und Ptolemäus. Daß die Germanen in großer Zahl zur Völkerwanderung aufbrachen und deren Siedlungsgebiete dicht bewohnt sein mußten, ist dadurch bewiesen, daß sie imstande waren, das Römische Reich zu brechen und neue Staaten großen Ausmaßes zu errichten. So verließen die Goten um 200 n. Chr. ihre Heimat an der Weichsel und in Ostpommern. Um diese Zeit dürfte sich das lockere Bündnis der gotischen Stämme geteilt haben: die Ostgoten errichteten ein Riesenreich nördlich am Schwarzen Meer zwischen Don und Dnjestr, die Westgoten westlich davon, im Süden und Südwesten durch die Donau begrenzt. Schon im Jahr 258 waren die ersten Goten auf die Halbinsel Krim im Schwarzen Meer gekommen, und noch im Mittelalter werden Gothie auf der Krim erwähnt (Reste des gotischen Volkes). Das Krimgotische wurde bis zum 18. Jh. von den tatarischen Sprachen seiner Umgebung verdrängt. Einzig Flurnamen zeugen noch davon, daß dort einst eine Menschengruppe germanischer Sprache gesiedelt hat. Ungefähr 200 Jahre später begeben sich die gotischen Völker abermals auf Wanderung: die Ostgoten brechen das römische Reich und beherrschen von 433 bis 471 ganz Italien; die Westgoten regieren ab 419 über Südfrankreich und von 460 bis 711 über Spanien. Beide Völker gehen danach in den Völkerschaften letztlich des fränkischen Reichs auf und werden romanisiert. Ein ähnliches Schicksal erleiden die Burgunder, die zunächst im Raum Mainz einen Staat gründen und hier von den Hunnen geschlagen werden; die Reste des burgundischen Volks errichten einen neuen Staat an Rhein und Loire und werden später ebenfalls romanisiert; die Goten und Burgunder verlieren ihre germanische Sprache. Beide Völker, die einst Pommern besiedelten, insbesondere die Goten und Burgunder, sind in fremden Völkern, heute in Italien, Frankreich und Spanien, auf- und für das Deutschtum verlorengegangen. Wir Pommern sind nicht ihres Bluts. Was uns geblieben ist, ist deren Kunst und Kultur. Das meiste ihrer Bauten ist zerstört worden. Die bedeutendsten erhaltenen sind das Theoderichgrabmal in Ravenna und die in eine Kirche verwandelte Königshalle von St. Maria de Naranco bei Oviedo (Spanien). Das Kunsthandwerk dagegen ist der einzige Zweig der germanischen Kunst, der uns in großem Umfang bewahrt blieb und eine Vorstellung von germanischer Kunst und der Stilentwicklung gibt. Von der Sprache der Ostgermanen (Oder- und Weichselgermanen) einzig überliefert ist das Gotische. Was wir an gotischen Sprachdenkmälern besitzen, stammt fast alles aus Italien, wo die Ostgoten unter Theoderich Und noch ein weiteres gotisches Werk verdient eine Würdigung. Der gotische Bischof Wulfila, auch Ulfila und Ulfilas genannt (311 - 383), übersetzte, wie wir von byzantinischen Kirchenhistorikern wissen, die Bibel ins Gotische. Er wurde 341 in Antiochia zum Missionsbischof für die Westgoten, die damals zwischen Donau und Dnjestr siedelten, geweiht. Alle gotischen Denkmäler (mit Ausnahme der in Runen aufgezeichneten) sind in einer eigenen gotischen Schrift überliefert, die Wulfila selbst entworfen haben soll. Ihm diente dabei die griechischen Unziale (eine Großbuchstabenschrift mit Kursivcharakter) als Grundlage. Für gotische Laute, denen im Griechischen keine entsprachen, zog er Zeichen aus dem Lateinischen oder dem Runenalphabet heran. Die Reihenfolge entspricht genau wie die Zahlenwerte dem griechischen Alphabet. Das Gotische (oder genauer: das Wulfianische Gotisch) ist der älteste überlieferte germanische Dialekt überhaupt. Und wir erinnern uns, daß wir in der Schule bis (ungefähr) zum Jahre 1942 sütterlin und damit gotisch schrieben, uns einer Schrift bedienten, die sich im deutschsprachigen Bereich im 12. Jh. als gotische Frakturschrift herausgebildet hatte, ohne daß es uns als pommersche Kinder bewußt war, daß diese Schrift im Ursprung von den einst bei uns in Pommern beheimateten Goten stammte.
Von der Ausbreitung der slawischen Stämme, die vom Osten her vor sich ging, fehlt es uns an sicherer Kunde. Um den Beginn der christlichen Zeitrechnung hatten sie, wie es scheint, die Küste der Ostsee und wenig später, zur Zeit des Tacitus, der sie wie andere römische Historiker und Geographen Wenden nennt, die Weichsel erreicht. Bei dem Abzuge der germanischen Völker nach Südwesten mag es mit ihnen zu manchen Kämpfen gekommen sein, aber sie drängten langsam und ständig vor, so daß im dritten Jahrhundert das Odergebiet von ihnen besetzt wurde. Im fünften Jahrhundert, zwischen 454 und 495, sind sie bis an die Elbe und bei dem Zerfall des Hunnenreichs weiter nach Osten und Süden vorgedrungen. Zur Zeit, in der einiges geschichtliches Licht auf die Slawen fällt, bestehen sie aus einer großen Zahl von einzelnen Stämmen, die sprachlich untereinander verwandt sind, sonst aber sich oft genug feindlich gegenüberstehen. Aus den Stämmen in Pommern werden schließlich die Pomeranen als Volksstamm mit einem Herzog an der Spitze. Die erste bekundete und grausame Begegnung unserer Heimatstadt Belgard mit einem Heerhaufen war die Eroberung der Burg Belgard / Alba durch den polnischen Fürsten Boleslav (Beinamen Krzywousty - Schiefmund) in den Jahren 1102 und 1107. Berghaus schreibt: "Wenn auch das Belgard, dessen der Kaiser Konstantinus Porphyrogenneta 945 - 959 v. Chr. gedenkt, nicht das unsrige ist, [....] so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß mit demjenigen Belgards, dessen die Annalisten, wie Dithmar von Merseburg, Als am Ende des 11. Jahrhunderts die Orte in Hinterpommern an Bedeutung und Wohlstand zunahmen, erregten sie die Aufmerksamkeit der mit Pommern benachbarten Polen. Der Polenherzog Wladislaus Hermanus kam im Jahre 1081 zur Regierung. Er begann die kriegerischen Angriffe gegen die Pommern. Die Pommern verbündeten sich mit den Preußen. Es kam zu erbitterten Kämpfen an der polnischen Grenze. Zum zweiten Male wird Belgard schriftlich erwähnt, als der polnische Herzog Boleslav in Pommern einfiel und es zu gewinnen trachtete und dabei die Grenzfeste Belgard 1102 nach kurzer Bestürmung einnahm. Im Winter 1107 / 08 überfiel er von neuem die Stadt, die ihre Befestigungswerke wiederhergestellt hatte, und zwang sie nach wenigen Tagen zur Übergabe. Barthold berichtet: "In Nr. 1 der Monatsblätter hat Herr Passarge aus Kantzows Chronik von Pommern die darin leider nur spärlich enthaltenen Nachrichten über Belgard zusammengestellt. Den breitesten Raum nimmt hierbei die Beschreibung der Belagerung der Stadt Belgard im Jahre 1107 durch die Polen unter Boleslaw III. Schiefmund ein. Kantzow hat hierfür als Quelle die Cronicae Polonorum des Bischofs Boguphalus von Posen (1255 bis 1265) benutzt. Es heißt da (s. Seriptores rerum Prussicarum, herausgegeben von Hirsch, Töppen und Strehlke, Band I 1867, S. 747) in deutsch frei übertragen: "Von den großen Flecken der Pommern wurden (von dem polnischen Herzog) die einen in Asche gelegt, andere unterwarfen sich freiwillig; nur die Albenser, die gemeiniglich Belgarder genannt wurden, ließen sich in Widerstand ein. Ihre Stadt, die in Pommern viel von sich reden machte, schloß Boleslaw, ein Meister der Belagerungskunst ein und zeigte den Belgardern zwei Schilde, einen roten und einen weißen, mit den Worten: 'Welchen wählt ihr hiervor?' Sie antworteten: 'Der weiße deutet den Glanz des Friedens an, der andere zeigt den schrecklichen Anblick von Blut.' Darauf jener: 'Wenn ihr den weißen nehmt, so erklärt ihr die Unterwerfung, wenn ihr aber den roten Schild wählt, so wird es dazu kommen, daß die Stadt nicht die weiße, sondern die blutige genannt wird.' In beharrlicher Unbeugsamkeit wagen sie zu entgegnen: 'Sie soll vielmehr sowohl die weiße als auch die blutige genannt werden, indem unser Sieg sie als weiße verkünden, der Tod deiner Scharen sie aber als blutige bekannt machen wird.' Hierauf Boleslaw: 'Ah, die Verblendeten, sie wollen sich den Schimpf der Sklaverei zuziehen. Ich lache, als wenn der Maulwurf den Luchs, die Schnecke den Tiger, der Käfer den Adler zum Kampf fordert. Nun, durch Waffen, nicht durch Worte und Klagen soll die Entscheidung fallen.'" Auch jene Legende gerührte uns als Kinder. Als der polnische Herzog die Burg erobert hatte und den Klagen der Weiber nachgab und ihnen erlaubter, so viel sie tragen fähig mitnehmen könnten, die Weiber beherzt ihre Männer auf die Schulter luden, sie aus der Burg forttrugen und damit deren Leben retteten. Der Polenherzog Boleslav starb am 28. Oktober 1138. Er hatte zwar in einem 30jährigen Krieg gegen die Pommern seine Schreckensherrschaft bis an die Ostsee ausdehnen können, es dann aber nicht verstanden, die Früchte seiner Tätigkeit zu ernten. Durch den Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa wurde 1163 Schlesien von Polen getrennt und das lange umstrittene Pommern 1181 dem Deutschen Reich eingegliedert. Spätestens damit entfiel die polnische Lehnshoheit über Pommern, die der pommersche Herzog zwangsläufig hatte einräumen müssen, um seinem Volk weitere Qual und Schrecken zu ersparen. Gleichwohl blieb Pommern zeit seines Bestehens in seinem Bestand gefährdet. Um das Jahr 1300 wird Belgard wiederum im Zusammenhang mit einem größeren Heerzuge gegen die Pommern genannt. So berichtet Kantzow: "Zu desselbigen Wladislafs Zeiten ist Herzog Bugslaff von Pommern auff seine Gerechtigkeiten mit vielem Volck in Hinterpommern gezogen und hat gewunnen Belgard und die gantze Lantschafft darum her und ist gekhomen bis bey Bukow an den Strant. Da seint ine die Polen begegnet und hat sich hart mit ime geslagen, aber er ist ihnen über die Haut geworden und hat sie nidergelegt und viel gefangen, doch nicht mehr gewunnen, dan er hette seines Volckes auch einen großen Teil verloren." Fehden, Überfälle, Raubzüge, Grenzverletzungen waren im Mittelalter an der Tagesordnung. So fuhren 1404 die pommerschen Vögte von Neustettin, Belgard und Arnhausen, angeblich durch neumärkische Einfälle gereizt, fort mit Menschen- und Pferderaub und Mordbrand in der Neumark. Schon 1411 machte ein Clest mit Genossen, auch Belgardern, Plünderungszüge nach Falkenburg und Schivelbein. 1531 war die berühmte Lodenfehde. Auch unter dem "Hans-Gerickenkrieg" 1563 hatte das Belgardt'sche Land zu leiden als Herzog Erich der jüngere von Braunschweig seinen Verzweifelungszug nach Westpreußen machte. Unter den Fehden ist eine besonders in Erinnerung geblieben, nämlich der Kuhkrieg 1469. Landvogt Jakob von Polenz aus Schivelbein und Carst von Wopernow aus Belgard traten sich gegenüber: "Am Dienstag, dem 15. April 1469, trafen beide Haufen nahe der Grenze zwischen der Mark und Pommern auf der Landgen'schen Heide (zwischen den Dörfern Schlage und Ziezeneff) aufeinander. In der dritten Stunde des Nachmittags war der Sieg der Schivelbeiner entschieden. 300 Belgarder blieben auf der Wahlstatt; Die Gefangenen wurden in einen Wartturm der Stadtmauer gesperrt, und viele von ihnen sind des Hungers gestorben. Die Schivelbeiner aber nannten den Turm von da ab "Kiek in Pommern". Die Belgarder Fahne steckten sie in der Kirche über dem Predigtstuhl auf; bei dem großen Brand 1689 ist sie verbrannt. Im Steintor zu Schivelbein befindet sich noch heute ein großer eiserner Ring, ein Zeichen des Sieges, mit dem der Bürgermeister von Belgard seinen Ochsen, den er geritten, gelenkt haben soll. Noch lange nach dieser Niederlage sollen die Belgarder den Schimpfnamen "Blendlinge" geführt haben. Zum geschichtlichen Verständnis: Belgard gehörte zum Herzogtum Pommern, Schivelbein zur brandenburgischen Neumark. Diese war von dem Kurfürsten Friedrich II. Eisenzahn (regierte von 1440 bis 1470) 1455 durch Rückkauf vom Deutschen Ordensritter, an den sie 1402 einer seiner Vorgänger, Siegmund aus dem Hause Luxemburg veräußert hatte, wieder mit Brandenburg vereinigt worden, und der Kurfürst erhob, als 1464 die Herzogslinie Pommern-Stettin mit Otto III. ausstarb, auf Grund alter Verträge Anspruch auf das pommersche Erbe und griff zum Schwert. In diese Zeit der brandenburgisch-pommerschen Streitigkeiten müssen wir uns also versetzen, wo Gereiztheit, Haß und allgemeine Kriegslust die Gemüter erfüllte. Späterhin haben die Belgarder ihre Niederlage, sich ihrer Nachkommen schämend, zu einem Siege über die Schivelbeiner umgewandelt und in dem Kösliner (Hohen) Tor als Siegeszeichen den Steigbügel aufgehängt, den der ebenfalls auf einem Ochsen reitende Bürgermeister von Schivelbein benutzt haben soll.
Die erste geschichtliche Musterung geschah durch die Pommernherzöge im Jahre 1523. Nach dieser stellte die Stadt Belgard 40 Mann mit Spießen und 10 Pferde. Während des 30jährigen Krieges war die Stadt Musterungs- und Aufstellungsplatz für sogenannte Bürger- oder Landwehren, die mit der umwohnenden Ritterschaft zusammen hier aufgestellt wurden. "Als Herzog Bogislav XIV. neben der Defensionssteuer 1633 das Allgemeine Landesaufgebot des 5. Mannes anordnete, brachte dies eine ungeheure Erregung. Eines der sechs Hebungsquartiere Pommerns war Belgard. An den dortigen Hauptmann Johann von Hechthausen verfügte der Herzog, er solle dem Distriktkommissar für Belgard und Neustettin, Andreas von Wolde auf Osterfelde, behilflich sein bei Aufbringung des 5. Mannes und Unterhalts für je 1 Musketier von 4 Heger = 16 Hakenhufen. Den 4.11.1633 mustert Hechthausen mit S. v. Damitz und L. v. Podewils in Körlin 123 Pferde." Im 30jährigen Krieg (1618 - 1648) war Belgard von Anfang Dezember 1627 bis 1630 von Wallenstein'schen Truppen des Herzogs Friedland besetzt, um darauf bis 1643 den Schweden als Quartier zu dienen. Ende September 1643, als man schon fast das Ende des Krieges wähnte, drang Generalwachtmeister Joachim Ernst von Krockow, der zuvor in schwedischen und preußischen Diensten gestanden und zum katholischen Glauben übergetreten war, mit 3000 Mann Kaiserlichen über die Persante nach Belgard ein; er besetzte auch Neustettin, Schivelbein, Körlin und Köslin. Belgard wurde das kaiserliche Hauptquartier. Weil nicht alle Truppen (Weiber, Knechte) in der Stadt selbst untergebracht werden konnten, lag der größte Teil auf den Wiesen zwischen Stadt und Fluß. Die ganze Stellung war zur Verteidigung so ungeeignet wie nur möglich. Deshalb mußte gewaltige Schanzarbeit geleistet, ein großer Ringwall um die Festung gelegt und besonders gefährdete Stellen mit Feldschanzen versehen werden, insgesamt ein beachtliches Werk, das die Schweden nachher mit Staunen betrachteten. Unendlich die Qualen, die die Menschen erlitten, Raub, Plünderung, Drangsalierung und Mord waren an der Tagesordnung. Inzwischen hatten die Schweden ihren General Königsmark, der bei Leipzig stand, nach Pommern befohlen. Krockow, sich seiner und der Umgebung wohl sicher fühlend, tat nichts zur Sicherung seiner Lebensmittel, so daß es geschehen konnte, daß ihm die Schweden 400 Stück Vieh, die auf den Persantewiesen weideten, vor der Nase wegnahm. Die Schweden besetzten die Höhen dich am Fluß hinter Ackerhof und auf dem Schwarzen Berg in Denzin und eröffneten sogleich die Kanonade auf Belgard. Krockow hatte die Dächer der Stadt abdecken, die Böden mit Sand bedecken und benässen lassen, so daß die glühenden Kugeln wenig Schaden anrichten konnten. Krockow antwortete nur wenig, ihm fehlte Schießpulver. Königsmark konnte zwar nicht Belgard, wohl aber die Vorposten Körlin und Köslin erobern und nahm danach die Belagerung und Beschießung Belgards wieder auf. Immerhin wurde die Belagerung doch so drohend, daß Krockow das Alte Amt verließ und in einer Privatkammer in Belgard Quartier nahm. Krockow war insofern erfolgreich, als die Schweden die Belagerung Belgards, weil jetzt im Oktober der erste Frost eintrat und der erste Schnee fiel, da im Freien kampierend, aufgeben mußten. Krockows Lage war auf Dauer nicht zu halten, weshalb er den allgemeinen Aufbruch entschied. Den Tag vorher ließ er im Lager der Stadt unter Trommelschlag verkünden, es solle bei Leibes- und Lebensstrafe verboten sein, vom Marschieren zu reden, eine notwendige Maßregel, um größere Unruhe zu vermeiden und die Aufregung unter den Troßbuben und Weibern zu meistern. Unangenehm war dann der Befehl Krockows: Nur die beste und notwendigste Habe wird zu Pferde mitgenommen, alles andere bleibt zurück! Wie mögen da die Knechte geflucht, die Weiber geschimpft haben! Die meisten Wagen blieben stehen; nur für die Damen und die Bagage der Offiziere wurde eine beschränkte Anzahl mitgeführt. Nicht einmal die Artillerie sollte vollständig gerettet werden. Zwei große Stücke blieben zurück, weil sie auf den aufgeweichten Wegen nur schwer wegzubringen waren. Vor Tau und Tag, frühmorgens um 5 Uhr, am 12. November gings los. Nur die Nachhut mußte eine Zeitlang die feindlichen Parteien täuschen. Aber ein Junge entlief zu den Schweden, und nun begann eine tolle Hetzjagd. Letztlich konnte Krockow entkommen, weitere drei Geschütze zurücklassend und 12 Tonnen Pulver ins Wasser werfend, hinter Groß Krössin an der Persante, nachdem er die Brücken abgeworfen und damit den Schweden die Verfolgung erschwerte. Die Not dieser Jahre versteht man am besten, wenn man bedenkt, daß unsere Stadt vor dem Kriege 4.000 und nachher kaum 1.000 Einwohner zählte. Obwohl 1648 im Frieden zu Münster und Osnabrück Hinterpommern dem Großen Kurfürsten zugesprochen wurde, konnte er dieses Land erst 1653 endgültig in Besitz nehmen. Literatur: 1. König, Werner: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1978. 2. Wehrmann, Martin: Pommern - Ein Gang durch die Geschichte. 3. Pleger, Manfred: 700 Jahre Stadt - Belgard an der Persante. Selbstverlag, Laboe 1999. 4. Der Neue Brockhaus. 5. Wehrmann, Martin.: Geschichte von Pommern. Weidlich-Reprints, Würzburg 1982. 6. Dahn, Felix: Die Völkerwanderung - Germanisch Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Buch und Welt, Klagenfurt 1977. 7. Klemz, Carl: Der Einfall der Kaiserlichen im Jahre 1643. In: Aus dem Lande Belgard, 3. Jg., S. 3. Weitere Aufzeichnungen und Vorlagen. [Dai Schulteknüppel Nr. 46, S. 38-42] |
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