| Zum 22. Heimatkreistreffen
am 6. und 7.9.1997 in Celle 22. Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein mit 800 Besuchern Paul Dallmann appelliert an die Politiker, sich eindeutig zur ganzen deutschen Geschichte zu bekennen Von |
|||||
|
Celle ist nicht nur eine wirtschaftlich pulsierende und in jeder Weise repräsentable
Kreisstadt, sie ist ein Schmuckkästchen besonderer Art: Wer wandelt
nicht gern in den Gassen der Altstadt, erfreut sich nicht bewundernd der
schmucken mittelalterlichen Fachwerkbauten, läßt sich nicht einladen
zu einer Erfrischung in ein Cafe am Rande des Marktes. Celle erfreut sich
ganzjährig regen Fremdenverkehrs, wenn aber die Heide zwischen Ginster
und Wachholder blüht, feiert das Jahr Hochzeit. So ist es für
viele Heimatfreunde Tradition geworden, sich schon Tage vor dem Heimatkreistreffen
in Celle einzufinden und sich mit Freunden auf das Heimattreffen einzustimmen.
Und sie kommen nach Celle, um hier die sprichwörtliche Celler Gastfreundschaft
zu genießen. So feierten die Belgarder, Schivelbeiner und Polziner und die Menschen aus den dazu gehörenden Doerpern am Sonnabend und Sonntag, dem 6. und Ungefähr 800 Besucher waren gekommen. Es waren weniger als noch vor zwei Jahren und noch weniger als vor vier Jahren. Der Umstand, daß die aus Ostdeutschland vertriebenen Menschen über ganz Restdeutschland verteilt sind, führt nunmehr nach 50 Jahren dazu, daß die Gemeinschaften zerfallen. Die pommerschen Heimat mit Herz und Seele verbundenen Menschen sterben weg, die Jungen folgen, weil in heimische Kreise West- und Mitteldeutschlands integriert, nicht nach. Endlich, so dürfen jene frohlocken, die uns aus unserer Heimat vertrieben, von Haus von Hof verjagten, erreichen wir das mit der Vertreibung beabsichtigte Endziel! Oder blieb diesen Mächten gar nichts anderes übrig, als das geraubte Land, das ihnen unsere befreundeten Weststaaten auf dem Teller präsentierten, zu befreien"? Auch im neuen Stadtplan Belgards ist zu lesen, daß Belgard 1945 befreit" worden sei. Einem kommen fast die Tränen: Welche Wohltat man doch unserer Heimatstadt und ihren Menschen angedieh! Den Gottesdienst im Kreistagssaal des Landkreises Celle hielt ein Pastor aus dem Belgarder Lande, Herr Pastor Konstantin von Kleist-Retzow. Am Ehrenmal in den Triftanlagen fand die Gedenkfeier statt. Andächtig lauschten die Besucher dem Klang der heimatlichen Kirchenglocken aus Lankow, Lutzig und Rarfin; tröstlich zu wissen, daß diese Glocken nun hier im Westen ihren Gottesdienst verrichten. Der Vorsitzende des Heimatkreisausschusses Belgard-Schivelbein, Paul Dallmann, begrüßte die Besucher; er grüßte besonders den stellvertretenden Landrat Dr. Rüdiger von Borke, Oberkreisdirektor Klaus Rathert und die Damen und Herren Kreistagsabgeordneten. Dallmann sagte in seiner Festansprache: Es ist Verpflichtung aller Deutschen, die mehr als 800jährige pommersche Geschichte und Kultur als Vermächtnis lebendig zu erhalten. Die Europäisierung insbesondere nach Osten beurteile ich abwartend bis skeptisch. An die Politiker appelliere ich, sich eindeutig zur ganzen deutschen Geschichte zu bekennen und sie nach Kräften zu wahren suchen. Es stimmt mich traurig, daß 52 Jahre nach der schrecklichen Vertreibung alles zur Geschichte erstarrt." Oberkreisdirektor Klaus Rathert sprach Worte herzlicher Verbundenheit. Er sagte, er habe den Zusammenhalt der Belgarder aus Stadt und Land von jeher gefördert und werde ihn weiter fördern. In den Beziehungen zwischen dem Patenkreis Celle und den Patenkindern, den früheren Einwohnern des Heimatkreises Belgard-Schivelbein, geschähe nichts, was nicht einvernehmlich gewünscht sei. Wir Patenkinder wissen, was wir dem Patenkreis, Oberkreisdirektor Rathert, verdanken und freuen uns über ein so eindeutiges Bekenntnis. Der Patenkreis sorgte auch diesmal für einen guten Ablauf des Treffens und eine gediegene Atmosphäre. Besonders verdanken wir dies Kreisoberamtsrat Hartmut Stucke sowie Angelika Esser und deren Mitarbeitern. Sie wirkten am Treffen mit, sei es organisatorisch, beim Empfang, bei den Feierlichkeiten und in der Aufsicht der Heimatstube. Die großen Blumensträuße in den Räumen sind Ausdruck für Willkommen und Herzlichkeit. Dank auch den Angestellten der Congress Union. Paul Dallmann gilt darüberhinaus unsere Anerkennung: 18 Jahre nun schon waltet er seines Amtes, ehrenamtlich, mit viel Engagement. Wer an seiner Stelle wäre imstande, Gleiches zu befördern, so viel für den Zusammenhalt der Menschen unserer Städte und Dörfer zu tun. Es wäre gut für unseren Heimatkreis und die Zusammenarbeit mit dem Patenkreis, er würde seine Arbeit fortsetzen. Die Congress Union bot allen Besuchern mit ihren großzügigen Räumlichkeiten Platz. Das vor Jahren herrschende Gedränge drinnen und draußen entfiel. Die Teilnehmerzahlen, besonders der Städte, gehen zurück; in den Landgemeinden indes ist der Zusammenhalt übergreifend stärker ausgeprägt, und noch immer finden Menschen zusammen, die sich mehr als 50 Jahre nicht sahen. So nahmen auch diesmal wieder Heimatfreunde aus Mitteldeutschland erstmals an dem Treffen teil. Die Schilder mit den Namen unserer Heimatgemeinden auf den Tischen im Europasaal gehören zu dem vertrauten Bild des Treffens. Man kennt zwar die Namen, seltener die Gemeinden selbst, und doch ist es Heimat. Und für einen besinnlichen Augenblick scheint's, als sei man zu Hause in Pommern! In der Heimatkreisversammlung im Europasaal legte Paul Dallmann seinen Tätigkeits- und Rechenschaftsbericht vor. Nach wie vor nähmen ihn Anfragen, Telefonate, Schriftwechsel erheblich in Anspruch. Die Betreuung der Christengemeinden und der deutschen Minderheiten in unserer pommerschen Heimat sei ihm, Dallmann, Herzensbedürfnis. So sei er mit einer Busgemeinschaft im vergangenen Jahr in Schivelbein und Belgard gewesen; nach dem Gottesdienst in der St. Georgenkirche hätte der Heimatkreis die Kirchenteilnehmer zu einer Kaffeetafel ins Hochzeitshaus in Belgard eingeladen. Auch berichtete Dallmann ausführlich über die 700-Jahr-Feier der Stadt Schivelbein und der Teilnahme an diesen Feierlichkeiten. Im weiteren Verlauf der Versammlung sprach Barbara Haverland, geborene Dumjahn, über die Vorbereitungen zur 700-Jahr-Feier Belgards, mit denen sie vom Heimatkreisausschuß betraut sei. (Näheres im weiteren Berichtslauf.) Über die deutsche Minderheit in Schivelbein sprach deren Vorsitzender, Christoph Mackala. Er, so Mackala, sei bestrebt, die Minderheit wieder zusammenzuführen. Schmerzhaft mußte die Versammlung zur Kenntnis nehmen, daß in die Geschäftsstelle der deutschen Minderheit in Schivelbein eingebrochen und daß das gesamte Gerät, Schreib- und Rechenmaschine und Kopiergerät, das der Patenkreis Celle gestiftet hatte, gestohlen worden sei. Zu den geschlossenen Gemeinschaften gehören unverändert die Schüler des Rudolf-Virchow-Gymnasiums Schivelbeins, die Bad Polziner Schulfreunde und die Schivelbeiner Landwirtschaftsschüler. Auch Lyzeumsschülerinnen und Gymnasialschüler Belgards finden noch zusammen, ebenso Schülerinnen und Schüler der Belgarder Volksschulen. Auch Einwohner früherer Stadtteile begegneten sich, so die früheren Kinder der Siedlung am Lazarett" in Belgard. Und Otto Bilgalke und Günter Beilfuss, Initiator dieser Gruppe, lassen fragen, wer die Anschrift von Hänschen Otto, ehemals General-von-Massow-Straße 56, kenne. Abseits des Treffens versammelte sich im Thaerzimmer eine Gruppe von In dem Gespräch entwickelte Frau Haverland das Ergebnis ihres ersten Sondierungsgesprächs. Dr. jur. Harald Lutter aus Belgard assistiert Frau Haverland, unterstützt sie in ihren Vorbereitungen und entwickelte - gemeinsam mit Frau Haverland - Gedanken über eine deutsche Beteiligung. Die polnischen Feierlichkeiten in Belgard sollen sich über mehrere Tage erstrecken. Der Festakt ist für den 30. Juli 1999 im Rathaus (früheren Kreishaus) vorgesehen. Der Vorsitzende des Heimatkreisausschusses, Paul Dallmann, ist in die Vorbereitungen eingebunden. Alle Beteiligten sind sich darin einig, daß eine Beteiligung nur einvernehmlich mit dem Patenkreis stattfinden darf. Ich grüße zugleich im Namen von Paul Dallmann alle Heimatfreunde sehr herzlich und schließe jene von Herzen besonders in meine guten Wünsche ein, die wegen Alters oder Krankheit nur bedingt am Heimatgeschehen teilnehmen können. [Pommersche Zeitung vom 8. November 1997] |
|||||