Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Herr Landessuperintendent
Karl Manzke


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Paul Dallmann aus Podewils
(2001)


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Trio Intonale: Mezzosopran
Gisa Borchert-Schröder,
Bariton Andreas Myerhof,
Solist Stefan Heinemann


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Im Europasaal der Congress-Union am Sonnabend abend


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Besucher im Europasaal
der Congress-Union


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Shanty-Chor Celle


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Tanzgruppe Wohlde mit
Eheleuten Hartmut Stucke


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Hans-Georg Ziburski trägt
Rimels von Otto Graunke vor
26. Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005

vom 9. bis 11. September in Celle


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Herr Landrat Klaus Wiswe


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Kreisoberamtsrat Hartmut Stucke
und Frau Angelika Esser


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Kranzniederlegung am Gedenkstein in den Triftanlagen; Der Gedenkstein zeigt das Wappen mit dem Pommerschen Greif; 1939 - 1945 Den Gefallenen und den Opfern des Krieges aus dem Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern zum Gedächtnis.
Der Landkreis Celle


Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Von links: Oberkreisdirektor a. D. Klaus Rathert, Landrat Klaus Wiswe, Heimatkreisvorsitzender Paul Dallmann am 7. 9.2003
Programm des 26. Heimatkreistreffens Belgard-Schivelbein 2005 vom 09. - 11.09.2005 in Celle:


Freitag, den 09. September 2005

19.30 Uhr - Vorstellung der Dichter aus unserem Heimatkreis; Lesung aus deren Werken, besonders aus der plattdeutschen Literatur Otto Graunkes, Schivelbein, und der neuhochdeutschen Literatur Bernhard Jastrows aus Bulgrin mit Manfred Pleger. Dieter Schimmelpfennig wird dazu Bilder zeigen. Ort: Kreistagssaal, Trift 26.


Sonnabend, den 10. September 2005
(alle Veranstaltungen in der Congress Union)

ab 13.30 Uhr - Eintragung in die Anwesenheitslisten im Foyer, Verkauf von Büchern, Stadtplänen (auch Sonntag).

14.00 Uhr - Beginn des Kreistreffens im Europasaal

Die Treffpunkte der angemeldeten separaten traditionellen Treffen einzelner Altschülergruppen, Freundeskreise, Stadt- und Dorfgemeinschaften werden auf einer Tafel im Foyer bekannt gegeben.

15.00 Uhr - Heimatkreisversammlung im Europasaal; dazu sind alle Heimatfreunde herzlich eingeladen. Die Stadt-, Dorf und ggf. Schülergemeinschaften stellen sich vor; der Heimatkreisausschuß nennt die Aufgaben und Ziele für die nächsten Jahre, Diskussionsbeiträge, Anregungen und Anfragen zur Heimatkreisarbeit und zur Stärkung unserer Heimatkreisgemeinschaft .

anschließend Wiedersehensfeier und Gedankenaustausch im Europasaal

Kaffeetrinken und Abendessen in der Congress Union möglich

19.30 Uhr - Bunter Abend mit Musik- und Gesangbeiträgen im Europasaal.


Sonntag, den 11. September 2005

9.30 Uhr - Gedenkgottesdienst mit Diamantener und Eiserner Konfirmation im Kreistagssaal des Landkreises Celle, Trift 26. Die Konfirmanden melden sich bitte rechtzeitig vor Gottesdienstbeginn in der Eingangshalle des Kreistagssaales.

11.00 Uhr - Feierstunde am Ehrenmal in den Triftanlagen für alle Teilnehmer des Treffens:

- Begrüßung

- Ruf der Glocke der Kirchengemeinde zu Rarfin, Heimatkirche der Ehefrau unseres verstorbenen langjährigen Heimatkreisvorsitzenden Paul Dallmann

- Andacht mit Totenehrung und Kranzniederlegung

- Ansprache durch Landrat Klaus Wiswe, Patenkreis Celle

- Pommernlied Strophen 1 und 4

- Festansprache des Heimatkreisvorsitzenden Manfred Pleger

Die Feierstunde wird musikalisch begleitet vom Posaunenchor St. Lamberti aus Bergen.

ab 12.30 - Uhr Gemeinsames Mittagessen in der Congress-Union, Europasaal

anschließend Wiedersehensfeier und Gedankenaustausch


Internetdarbietung:

Präsentation der Internetseiten unseres Heimatkreises durch Herrn Schimmelpfennig im Europasaal. Entgegennahme von Anfragen sowie Kopien von Familiendokumenten (Ahnenpaß, Stammbuch etc.)


Ausstellungen:

a) Heimatkreisarchiv und Fotoausstellung, Trift 30 (im Kreismedienzentrum), geöffnet Sonnabend von 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 19.00 Uhr, Sonntag von 12.30 bis 17.00 Uhr.

b) Polziner Schulfreunde-Archiv, Trift 28, rückseitiger Eingang am Parkplatz, geöffnet Sonnabend von 10.00 bis 12.00 Uhr.


Unkostenbeitrag zur Förderung der Patenschaftsarbeit 8,00 EUR pro Teilnehmer (Jugendliche unter 18 Jahren frei)


Auskunft erteilen:

Dieter Schimmelpfennig, eMail 

Manfred Pleger, eMail 

Landkreis Celle, Frau Angelika Esser, eMail 


Hinweis: Vernichten Sie keine Fotografien und Dokumente aus unserem Heimatkreis, stellen Sie das Material bitte vielmehr dem Heimatkreisarchiv beim Landkreis Celle zur Verfügung.


Möchten Sie die evangelischen Christengemeinden in Belgard und Schivelbein durch eine Spende unterstützen, so können Sie diese über den Landkreis Celle, Sparkasse Celle (BLZ 257 500 01), Konto-Nr. 3400, Buchungszeichen 4.00000.00031 vornehmen.





Der Heimatkreis Belgard stellt die Weichen
für die Arbeit der nächsten Jahre

Einladung zum Heimatkreistreffen
vom 9. bis 11. September 2005 in Celle

Der Heimatkreisausschuß unseres Heimatkreises Belgard-Schivelbein trat am 18. November zu einer Sitzung zusammen, regelte feststellend nach dem Tode unseres langjährigen verdienten Heimatkreisvorsitzenden Paul Dallmann dessen Nachfolge und traf eine Reihe bedeutsamer Entscheidungen.

Die Mitglieder waren sich darin einig, dass es Aufgabe aller muß sein, die Heimatkreisgemeinschaft zu stabilisieren; um die Arbeit noch für Jahre im bisherigen Rahmen fortsetzen zu können. Deshalb werden alle Heimatfreunde und die (noch bestehenden) Stadt-, Dorf- und Schülergemeinschaften aufgerufen, sich verstärkt der Heimatkreisgemeinschaft zuzuwenden und die Heimatkreisarbeit zu unterstützen. Dies ist um so mehr geboten, als die Generation, die noch den Krieg, die Flucht und Vertreibung miterlebte, ausstirbt.

Auch wenn wir hoffen, noch weitere Jahre segensreich für unser Heimatland wirken zu können, so müssen wir doch die Weichen stellen für den Übergang, uns fragen, was gilt es zu erhalten, zu sichern, zu bewahren; was müssen wir noch tun, wie die Schwerpunkte setzen, um den Generationen nach uns die Erinnerung lebendig zu erhalten, dass Pommern 800 Jahre deutsches Land war, bis es uns 1945 genommen wurde, zugleich das Selbstverständnis stärkend, dass wir, ihre Vorfahren, nicht in Polen geboren wurden, sondern im alten preußisch-deutschen Lande!

Zu Sitzungsbeginn gedachten die Mitglieder des Todes von Paul Dalimann und des Heimatkreisauschuß-Mitgliedes Willi Treptow. Die Nachfolge im Heimatkreisausschuß ist durch Wahl bereits in einer früheren Sitzung dahin geregelt worden, dass Manfred Pleger (aus Denzin im Altkreis Belgard) das Amt des Heimatkreisvorsitzenden übernimmt, während Dieter Schimmelpfennig (Schivelbein) als Heimatkreisbearbeiter tätig ist.

Unsere Heimatkreisgemeinschaft ist bisher lediglich in der gesetzlichen losen Form einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts organisiert, hat sich auch keine Satzung gegeben. Diese Rechtsform reichte bisher. Für den Generationenübergang und die darin begründete Problematik jedoch, die uns in 10, wohl spätestens in 15 Jahren erfassen wird, ist sie nicht brauchbar. So stellt sich die Frage der eindeutigen Rechtsträgerschaft z. B. unseres Heimatkreismuseums (Heimatstube) mit dessen unschätzbaren Sammlungen. Wer ist Eigentümer, wer berufen, sie zu sichern usw.?

Deshalb hat der Heimatkreisausshuß beschlossen, die Heimatkreisgemeinschaft in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins des bürgerlichen Rechts mit eindeutiger Rechtsträgerschaft und gemeinnütziger Anerkennung zu organisieren. Dabei sollen die (noch) aktiven Stadt-, Dorf- und Schülergemeinschaften eingebunden werden, die zur Mitarbeit willens sind, Treffen durchführen oder sich durch eine andere Form des Zusammenhalts und der Aktivität auszeichnen, wie z.B. durch Begegnungen in kleinen Kreisen, durch Dorfbriefe etc.

Weiter wurde das Programm für das kommende Heimatkreistreffen von Freitag, dem 9. September bis Sonntag, dem 11. September 2005, beschlossen.

Am Freitag abend, dem 9. September, soll im Kreistagssaal ein literarischer Abend stattfinden mit Werken unserer (fast vergessenen) Heimatdichter aus dem Schivelbeiner und Belgard-Polzinschen Kreis; so sollen kurz vorgestellt werden: Otto Graunke, Heinrich Friedrich Kamecke, Elfriede Kannenberg und Bernhard Jastrovt. Die Literatur eines dieser Heimatdichter soll unter Beachtung des Urheberrechts den Schwerpunkt des Abends bilden. Dieter Schimmelpfennig wird dazu Bilder zeigen, die sich auf die Herkunftsorte der Heimatdichter beziehen.

Am Sonnabend nachmittag, dem 10. September, ist eine öffentliche Sitzung unter Beteiligung aller aus dem Heimatkreis vorgesehen, in der der Vorsitzende über die Arbeit im Heimatkreis berichtet wird. Sodann sollen sich die Stadt- und Dorfgemeinschaften vorstellen und ihre Aktivitäten nennen. Danach ist breiter Raum gegeben für Anregungen, Diskussion und Fragen aller Versammelten. (Die früher übliche Sitzung am Sonntag nachmittag fällt aus.)

Am Sonnabend abend wird ein kultureller bunter Abend stattfinden nach Form und Inhalt ungefähr des letzten Abends unseres Heimattreffens, der Zuspruch und geradezu Begeisterung fand. (Der frühere Tanzabend entfällt.)

Für den Sonntag morgen bleibt es bei dem Programm bisheriger Treffen. Um 10 Uhr findet im Kreistagssaal ein Gottesdienst statt, und mit der anschließenden Feierstunde in den Triftanlagen erreicht das Heimatkreistreffen 2005 seinen Höhepunkt und offiziellen Abschluß. Der weitere Tag ist für die Begegnung und das Gespräch bestimmt.

Als weiteren Schwerpunkt unserer Arbeit wollen wir das alte Schriftgut unserer Heimatdichter, wie oben genannt, heben. Die Werke sollen, das Urheberrecht beachtend, auf einfache Art nachgedruckt, allen in Betracht kommenden Bibliotheken und Archiven gestiftet und zu einem günstigen Preis allgemein angeboten werden. Dies sind Werke, deren Entstehung teilweise mehr als 100 Jahre zurückreichen und pommersch platt, auch neuhochdeutsch verfasst sind. Als wichtig betrachtet wird auch die Verfilmung unserer alten Tageszeitungen aus Belgard, Polzin und Schivelbein.

Dieter Schimmelpfennig stellte die Internetpräsenz unseres Heimatkreises vor, die derzeit ca. 4.000 Seiten umfasst und wohl die größte aller ostdeutschen Heimatkreise ist. Bisher verzeichneten die Seiten 143.000 Besucher innerhalb von 2 1/2 Jahren; durchschnittlich sind dies monatlich 3.400 und täglich 114 Besucher. Der Kreisbearbeiter erläuterte seine Vorhaben, um tatkräftig die Arbeit des Heimatkreises zu unterstützen.

An der Sitzung nahmen von Seiten unseres Patenkreises Herr Landrat Wiswe und die uns betreuenden Beamten, KOR Hartmut Stucke und Frau Angelika Esser, mit Rat und Tat teil. Das darin zum Ausdruck kommende Wohlwollen wie die tatkräftige Förderung wird dankbar gewürdigt und anerkannt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn verstärkt Heimatfreunde aus unseren Dörfern am Heimatkreistreffen teilnähmen. Da altersbedingt immer weniger Landsleute die Treffen besuchen können, gilt es um so mehr, Lücken zu schließen, zusammenzurücken; denn nur wenn wir uns in Celle als nennenswerte Gemeinschaft präsentieren, können wir auf Zuspruch und Förderung unseres Patenkreises für die Zukunft bauen.

Dabei gibt es in und für unseren Heimatkreis noch viel zu tun, und ich denke, wir tun es gern und mit Herzen, uns mit unserer pommerschen Heimat, unserem Dorf, unserer Stadt zu beschäftigen; denn ist es immer auch ein Stück unserer eigenen Identität.

Unser Pommern wird weiterleben, dessen bin ich sicher, nur wird sich dies in anderer Forin vollziehen und mit anderen Inhalten äußern. Seien wir zuversichtlich über den Tag hinaus.

Mit freundlichem Gruß

Ihr und Euer


[Dai Schulteknüppel Nr. 50, S. 8-9]





26. Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005 gut besucht mit buntem Programm - Landrat und Heimatkreisvorsitzender gedachten des verstorbenen Heimatkreisvorsitzenden Paul Dallmann.

Von

Nun schon zum 26. Mail feierten die Bad Polziner, Belgarder und Schivelbeiner und die früheren Einwohner mit Angehörigen der 126 Landgemeinden im Kreis Belgard-Schivelbein ihr Heimattreffen von Freitag, dem 9., bis Sonntag dem 11. September, in der schmucken Herzogs- und Heidestadt Celle. Herr Landrat Klaus Wiswe hatte eingeladen, und zu der vom Landkreis Celle vorbereiteten Begegnung kamen ungefähr 500 Teilnehmer: Die älteste unter ihnen war, 90jährig, Frau Magdalene Knabe geb. Nörenberg aus Groß Tychow; über den Großen Teich, aus den USA, waren Viktor Maaß (Gr. Tychow) und Rita Leake (Bad Polzin) gekommen.

Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Feierstunde in den Triftanlagen am Sonntag, dem 11. September 2005

In der Feierstunde in den Triftanlagen begrüßte Heimatkreisvorsitzender Manfred Pleger im Namen des Heimatkreisausschusses die Teilnehmer des Treffens. Er begrüßte herzlich Herrn Landrat Klaus Wiswe; er begrüßte Herren Oberkreisdirektor a. D. Klaus Rathert, Ehrenlandrat Hubertus Bühmann, Bürgermeister a. D. Hermann Holzbach sowie den BdV-Vorsitzenden Dieter Scholz; er begrüßte Herrn Kreisoberamtsrat Hartmut Stucke und Frau Angelika Esser; er hieß Herrn Landessuperintendent Karl Manzke und Herrn Superintendent Martin Zitzke sowie Frau Herta Dallmann, Ehefrau des verstorbenen Heimatkreisvorsitzenden Paul Dallmann, herzlich willkommen, und er schloß in den Willkommensgruß die 36 Erinnerungskonfirmanden mit ein, die in dem vorangegangenen Gottesdienst eingesegnet worden waren. Schließlich dankte er dem von Frau Hahne geleiteten Posaunenchor Bergen und der Celler Presse für Mitwirkung bzw. Berichterstattung. An das einleitende Glockengeläut einer Tonbandaufnahme der Kirchenglocke zu Rarfin schlossen sich die Eingangsworte des Herrn Landessuperintendenten Manzke, das Lied "Großer Gott, wir loben Dich", Andacht und Totenehrung. Während der Posaunenchor Bergen das Lied "Ich hat' einen Kameraden" spielte, legten der Landkreis Celle und der Heimatkreis Kränze nieder.

Herr Landessuperintendent Manzke führte aus:


"Es ist gut, daß dieses Treffen wieder stattfindet und diese Gedenkfeier am Ehrenmal. Es gehört ganz sicher zum christlichen Glauben, sich der vergangenen Zeiten zu erinnern und acht zu haben auf die vergangenen Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Es gehört zum Menschen, zum Wesen des Menschen, sich zu erinnern und des Vergangenen zu gedenken. Der bekannte Philosoph Karl Jaspers hat einmal gesagt: "Mit der Zerstörung der Erinnerung würde der Mensch sich selbst vernichten." Wer die Vergangenheit vergißt, verliert auch die Zukunft, lebt nur noch im Heute, im Augenblick, wie Goethe es einmal formuliert hat: Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkel, unerfahren, mag von Tag zu Tage leben."

Nur durch die Erinnerung werden wir zukunftsfähig. Vielleicht hängen der in unserem Volk weit verbreitete Pessimismus und die Angst vor der Zukunft mit dem Vergessen zusammen, weil viele nur im Augenblick leben wollen. Und dieses Jahr, 60 Jahre nach dem Ende des schrecklichen Krieges, ist ja ein Jahr der Erinnerung und des Gedenkens.

Woran erinnern wir uns, woran denken wir? Wir erinnern uns zuerst an das Land am Meer, an Pommern, genauer: an Hinterpommern, an unsere Heimat. Wir erinnern uns an das weite Land, an die Städte mit den backsteingotischen Marienkirchen in ihrer Mitte, mit alten Bauten wie Stadttoren, die in die Vergangenheit weisen. Wir erinnern uns an die Dörfer mit ihren Kirchen, mit den Höfen, den Gütern, den weiten Feldern und Wiesen, den Wäldern. Ja, daran erinnern wir uns, wenn wir der vergangenen Zeiten gedenken. Es ist ja ein Zeichen des Erinnerns, daß viele in die alte Heimat fahren. Gott sei Dank sind auch die Zeiten vorbei, in denen der deutschen Vergangenheit in unserer Heimat nicht gedacht werden durfte, man nicht von ihr sprach und sie verdrängte. Das ist anders geworden und dafür sind wir dankbar."


Alsdann sprach Herr Landrat Wiswe und sagte nach der Begrüßung (auszugsweise), zunächst auf den früheren verstorbenen Heimatkreisvorsitzenden eingehend, folgendes:

"Paul Dallmann war ein Mann der Tat und ein Pommer, wie er im Buche steht: Ehrlich, offen und immer hilfsbereit, beharrlich - manchmal auch ein pommerscher Dickschädel, wenn es darauf ankam, im Interesse des Heimatkreises etwas durchzusetzen. Er kannte Land und Leute wie kein Zweiter aus dem Kreise Belgard. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Celle war geprägt von einem vertrauensvollen, offenen und kooperativen Miteinander. Sie, liebe Frau Dallmann, haben seine Aufgabe stets begleitet. Dankbar erinnere ich deshalb heute an dieses gute Wirken Paul Dallmanns."

An die Patenkinder gerichtet, führte Herr Landrat u. a. aus: "Sie, liebe Landsleute aus Pommern, sind letztlich bis heute Leidtragende des früheren Regimes. Gerade nach 60 Jahren ist es wichtig und geeignet, sich das Unrecht der Geschichte wieder einmal vor Augen zu führen und zu erinnern. Aber ich stelle fest, auch nach 60 Jahren, in denen wir hier in den Grenzen von Deutschland trotz der augenblicklichen Probleme in Wohlstand und Frieden leben, sind Sie die eigentlichen Verlierer geblieben. Umso mehr freue ich mich, dass Sie immer wieder den Menschen, die heute in Ihrer Heimat leben, die Hand reichen.

Meine Damen und Herren, das Schicksal der Vertriebenen dürfen wir nicht vergessen! Es ist deutsche Geschichte. Deshalb war es, wie ich meine, auch gut, dass die Länder, Kreise und Gemeinden im Westdeutschland der 50er Jahre Patenschaften übernommen haben, um für das Recht der Vertriebenen auf ihre Heimat einzutreten. So beschloss auch der Kreistag des Landkreises Celle vor nunmehr fast 52 Jahren, nämlich am 1. Oktober 1953, die Patenschaft für den ehemaligen ostpommerschen Landkreis Belgard-Schivelbein mit den Städten Belgard, Schivelbein und Bad Polzin sowie 126 selbständigen Landgemeinden zu übernehmen. Die Initiative hatte der damaligen Oberkreisdirektor, Dr. Axel Bruns, ergriffen, der ja bekannterweise selbst aus dem Kreis Belgard-Schivelbein stammte."

Und Herr Landrat weiter: "'Nichts ist so beständig wie der Wandel', sagt ein altes Sprichwort. Die Beseitigung der Grenze durch Deutschland hat eine spürbare Erleichterung im Umgang mit den Staaten des früheren Warschauer Paktes gebracht. Nachdem nun Polen im vergangenen Jahr als neues Mitglied in die Europäische Union aufgenommen wurde, ist es noch einfacher geworden, den Kreis Belgard-Schivelbein zu besuchen und zu sehen, was aus Ihrem Heimatland geworden ist. Ich denke, dass durch rege private Besuche sich hier ein Stück Normalität entwickelt hat. Im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Patenschaftsarbeit stehen nach wie vor Sie alle, die früheren Bewohner unseres Heimatkreises. Die im Abstand von zwei Jahren hier in Celle durchgeführten Heimatkreistreffen dienen letztlich zur Kontaktaufnahme und -pflege und werden vom Patenkreis Celle in Zusammenarbeit mit dem Heimatkreisausschuss (auch weiter) veranstaltet. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kulturarbeit innerhalb unserer Patenschaft. Das beim Landkreis Celle von Frau Angelika Esser geführte Heimatkreisarchiv - das heute übrigens zwischen 12.30 und 17 Uhr geöffnet ist - enthält inzwischen eine umfangreiche Sammlung von Erinnerungsstücken sowie Bild- und Schriftdokumenten. Diese Zeugnisse der über 800jährigen Geschichte Pommerns, seiner Bewohner und des pommerschen und deutschen Kulturgutes werden hier im Kreishaus weiter verwahrt und gepflegt.

Wir als Landkreis freuen uns über dieses besondere Verhältnisses zum Heimatkreis Belgard-Schivelbein. Deshalb wollen wir den Patenkreis im Rahmen unserer finanziellen Verhältnisse auch weiterhin ideell und finanziell unterstützen."

Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Konfirmanden vom Sonntag, dem 11. September 2005, anlässlich des Heimatkreistreffens in Celle. Ihr Konfirmationsspruch: "Danket dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich."
Gnadenkonfirmation: Irmgard Kestner, Belgard; Frida Dittberner geb. Pleger, Belgard; Ilse Kollmann geb. Leß, Roggow; Elisabeth Sylvester geb. Götzke, Roggow;
Eiserne Konfirmation: Edith Smith, Belgard; Gerda Müller geb. Klawien, Belgard; Rudolf Trapp, Lenzen; Edith Dittmann, Repzin; Charlotte Kath geb. Winkel, Roggow; Heinz Ott, Roggow; Edgar Beilfuß, Roggow; Hanni Brauer, Rützenhagen;
Diamantene Konfirmation: Willi Krause, Alt Lülfitz; Christel Lützen, Bad Polzin, Hildegard Thiel, Belgard, Ingeborg Burkert, Belgard; Kurt Henke, Belgard; Marga Pagel, Boissin; Günter Behling, Denzin; Armin Stabenow, Repzin; Werner Pagel, Roggow; Ulrich Schwanz, Rützenhagen; Gerda Koch, Schivelbein; Ursula Hellmer, Schivelbein; Gertrud Kreuzer, Schivelbein; Ruth Marquardt, Schivelbein; Gisela Müller, Schivelbein; Liselotte Holm, Schivelbein; Liesbeth Vellmer, Schivelbein; Ursula, Wilmskötter, Schivelbein; Ilse Germin, Technow; Gertrud Ohm, Teschenbusch;
Goldene Konfirmation: Adalbert Fischer, Boissin; Marianne Ott, Osnabrück; Erika Bradler, Ristow; Klaus Rettmann, Roggow; Sigrid Fischer, Stettin.

Nach dem Pommernlied sprach Heimatkreisvorsitzender Manfred Pleger (ein kleiner Auszug):

"Bin ich zu Hause in Denzin, und Ihnen wird es nicht anders ergehen, dann führt mich mein erster Weg zum schon lange zerstörten Friedhof. Und es ist immer wieder das gleiche Empfinden tiefen Schmerzens darüber, wie alles gekommen ist, wie diese Menschen doch fröhlich und ihrer Verpflichtung dienend gelebt hatten - das Einsetzen über die Ereignisse der Jahre 1945 und 1946 und - dass uns dieses Land nicht mehr gehört. Wir sehen die Realität, doch können wir die Sprache der Seele und des Herzens damit nicht in Einklang bringen.

Der heutige Tag ist ein Tag des Dankens in mehrfacher Weise:

Wir, die hier anwesenden Vertriebenen, überlebten die Furie des Verbrechens 1945 dank göttlicher Fügung und sind von Herzen dankbar, zu leben und uns des Lebens Glück erfreuen zu dürfen. Und wenn Herr Landessuperintendent Manzke für die heutige Konfirmation das Bibelwort aussuchte: Danket dem Herrn; denn seine Güte ist freundlich und währet ewiglich", so entspricht dies Bibelwort unserem inneren Bild tief empfundener Dankbarkeit. Für uns sind die Celler Tage Goldene Tage, Tage des Gedenkens, der Begegnung, der Erinnerung und der Dankbarkeit. Für uns ist der heutige Tag ein Tag des Herrn."

Manfred Pleger erinnerte sodann daran, dass Pommern ein christliches Land gewesen und auch in der Zeit des Nationalismus geblieben sei, und weiter: "Unsere Pastoren spendeten viel Segen. Über ihr Seelsorgeamt hinaus linderten sie tatkräftig (so zwischen den beiden Weltkriegen) die wirtschaftliche Not der Menschen und taten zusammen mit den Lehrern viel für die Kultur unserer Städte und Dörfer. Ja, die Pastoren genossen in Pommern hohes Ansehen und tiefe Verehrung. Dies zu sagen ist mir angesichts unseres Ehrentages und der Konfirmation Bedürfnis."

Und an Herrn Landrat und seine Mitarbeiter gerichtet: "Wir danken Ihnen, Herr Landrat, für Ihr Verständnis und die Förderung unserer Anliegen. Wir danken dem Kreistag und den Ausschüssen dafür, dass sie das Patenschaftsverhältnis nach wie vor bejahen und unterstützen. Wir sind nur ausnahmsweise Celler, nur wenige von uns sind hier wahlberechtigt und deshalb eine im politischen Alltag, wo es um Wählerstimmen geht, wenig interessante Gruppe. Aber wir sind eine Klientel, die geschlossen wohl wie keine andere Zuneigung und Zuwendung herzlicher und dankbarer entgegennimmt und erwidert - als wir.

Aber auch das zu sagen, ist mir Herzensbedürfnis: Wenn wir uns beim Landkreis Celle in Celle so wohl und heimisch fühlen, so nicht zuletzt dank der Fürsorge und Betreuung durch Herrn Kreisoberamtsrat Hartmut Stucke und Frau Angelika Esser. Ich kann mir keine bessere Zusammenarbeit wünschen, als mit Ihnen beiden. Und dafür sage ich Ihnen Dank! Ich beziehe dankbar alle Damen und Herren des Kreises mit ein, die in die Patenschaftsarbeit eingebunden sind und uns an diesem Wochenende betreuen.

Ich verneige mich dankbar vor Herrn Landessuperintendenten Karl Manzke und Herrn Superintendent Martin Zitzke. Mit dem Gottesdienst und der Konfirmation wie der Andacht hier in den Triftanlagen gaben Sie dem Tag Glanz und Gottes Ehre. Ihre Predigten, ihre Worte beeindruckten; man empfindet, ihre Worte kommen von Herzen und sie gehen zu Herzen. Daß wir abermals in stattlicher Zahl hier versammelt sind und die Einsegnung hohen Zuspruch fand, sollte uns bestärken. Die Worte des Herrn Landrats, uns weiter die Treue zu halten, haben wir mit großem Dank und innerer Befriedigung aufgenommen. Es liegt nun an uns, wie oft wir uns noch in Celle wieder sehen. Und es liegt an uns, den Zusammenhalt unserer Heimatkreisgemeinschaft und der Stadt- und Dorfgemeinschaften zu stärken. Noch ein Wort des Dankes an alle, die mich aus den eigenen Reihen unterstützten, stellvertretend für alle nenne ich Herrn Kreisbearbeiter Dieter Schimmelpfennig; denn ohne ihn und seine mobile technische Ausstattung wäre manche Arbeit, Darbietung und Improvisation nicht möglich gewesen."

Der Feierstunde in den Triftanlagen ging ein Gottesdienst voraus, beginnend mit dem Glockengeläut der Marienkirche zu Belgard. Der Predigt lag der Psalm 107, 1 zugrunde: Danket dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Nach "Nun danket alle Gott" folgte das Konfirmationsgedenken mit der Erinnerung an die Konfirmation und die Vorstellung der 36 Jubilare. Nach dem Glaubensbekenntnis, der Anrede an die Konfirmanden und das Gebet wie der Segnung der Konfirmanden rief die Gemeinde zum Abendmahl. Herr Superintendent Martin Zitzke war in den Gottesdienst eingebunden.

Am Sonntag nachmittag berichteten Mitglieder des HKA vor den versammelten Besuchern über ihre Arbeit. Der Vorsitzende nannte Beschlüsse, erläuterte deren Ausführung und verwies auf die Neuauflage der plattdeutschen Rimels von Otto Graunke aus Schivelbein. Kreisbearbeiter Dieter Schimmelpfennig gab Auskunft über die Internetpräsentation des Heimatkreises; in Kürze erwarte er den "200.000 Besucher"; er bat, ihm Dokumente, Daten, Bilder etc. für seine Sammlung zu überlassen. Sein Stand in der Kongress-Union war ständig umlagert und die von ihm auf die Wand geworfenen alten Bilder aus unserer Heimat fanden begeisterte Zuschauer. Die 2. Vorsitzende, Frau Barbara Haverland, berichtete über die evangelischen Gemeinden in Belgard und Schivelbein und dass sie wieder mit dem Bus in den Kreis Belgard führe, und zwar vom 9. bis 17. August kommenden Jahres. Dr. Harald Lutter warb für den Kreis-Belgarder-Freundeskreis, auch teilte er mit, dass vom 23. bis 26. März kommenden Jahres ein Seminar in Travemünde stattfände, in dem über die Heimatdichter im Kreis Belgard referiert und aus deren Werken gelesen würde. Anschließend fand sich ein kleiner Kreis zusammen, der über die Arbeit der Stadt- und Dorfgemeinschaften sprach und wie diese intensiviert werden könne.

Den "Bunten kulturellen Abend" gestalteten der Shanty-Chor Celle, der Tanzkreis und das Trio Intonale. Während der Shanty-Chor mit flotten Seemannsliedern, die Schiffsglocke anschlagend, auf flotte Seereise ging, begeisterte der Tanzkreis Wohlde die Zuschauer mit temperamentvollen Tänzen in wechselnden Formationen und Figuren. Dann sangen Mezzosopran Gisa Borchert-Schröder und Bariton Andreas Meyerhof, begleitet auf dem Klavier von Stefan Heinemann Operettenlieder, stilvoll und mitreißend. Die Zuschauer dankten es jeweils mit anhaltendem Beifall. Mit dem gemeinsamen Gesang "Wenn in stiller Stunde" schied der Tag.

Der Sonnabend entwickelt sich, die letzten Treffen beobachtend, zunehmend zum "Haupttag". Es waren nahezu so viel Besucher anwesend, als am Sonntag, d. h., dass also verstärkt schon Sonnabend, wenn nicht gar Freitag, Anreisetag ist. Auf ein stärkeres Angebot an diesem Tag wird also künftig geachtet werden müssen. So regte man aus der Mitte an, die Stadtführung wieder vorzusehen, zumal da doch eine nicht geringe Zahl Besucher erstmals am Treffen teilnähme.

Der Freitag abend war der Literatur unseres Heimatkreises gewidmet. Ungefähr 70 Personen nahmen daran teil. Dr. Harald Lutter referierte über pommersche Literatur allgemein; Manfred Pleger nannte die früheren Heimatdichter unseres Kreises und deren Schriften; Günter Beilfuß berichtete aus dem Leben Otto Graunkes aus Schivelbein und Hans-Georg Ziburski las aus den plattdeutschen Dichtungen (Rimels, Luschen un Leder) Otto Graunkes und von ihm selbst verfasste plattdeutsche Anekdoten vornehmlich aus Muttrin und Umgebung. Und zwischendurch sangen wir gemeinsam auf Anregung von Frau Barbara Haverland plattdeutsche Lieder, wie "Wo de Ostseewellen …, das ebenfalls aus Pommern stammende Lied "Allens ist vergäten" sowie das textlich von Klaus Groth verfasste Lied "Dat du min Leevsten büst …", auf dem Akkordeon begleitet von Hans-Georg Ziburski. Dieter Schimmelpfennig zeigte dazu auf der Leinwand Bilder aus Schivelbein. Als Abschied dieses Tages erklang das Pommernlied. Allen Mitwirkenden auch dieses Abends danke ich.

Ich grüße unsere alten Hinterpommern, unsere Kranken und Beschwerten, die nicht mehr nach Celle kommen können, doch wehmütigen Herzens gedanklich bei uns waren, und wünsche ihnen wie allen Heimatfreunden und Lesern alles Gute, Gesundheit und ein Wiedersehen Ende August 2007 in Celle - so Gott will.

Heimatkreistreffen Belgard-Schivelbein 2005
Feierstunde in den Triftanlagen [1. Reihe von rechts]: Dieter Schimmelpfennig, Manfred Pleger, Superintendent Martin Zitzke, Hartmut Stucke, Landrat Klaus Wiswe, Friedrich-Wilhelm Thieke, Elisabeth Brossog, Herta Dallmann geb. Trapp, Dieter Scholz, Bürgermeister a. D. Hermann Holzbach, Oberkreisdirektor a. D. Klaus Rathert, ?, Horst Wegner, Barbara Haverland geb. Dumjahn

Grußwort/Ansprache des Herrn Landrats Klaus Wiswe zum 26. Heimatkreistreffen auf dem Kreisgelände in der Trift am Sonntag, dem 11. September 2005, um 11 Uhr:

"Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße den Vorsitzenden des Heimatkreises, Herrn Manfred Pleger, die stellvertretende Vorsitzende, Frau Barbara Haverland, den Heimatkreisbearbeiter Herrn Dieter Schimmelpfennig sowie die Mitglieder des Heimatkreisausschusses. Besonders begrüßen möchte ich Frau Herta Dallmann. Rund 30 Jahre, bis zu seinem Tod im vergangenen Herbst, hat Ihr Mann sich unermüdlich für seinen Heimatkreis eingesetzt. Paul Dallmann war ein Mann der Tat und ein Pommer, wie er im Buche steht: Ehrlich, offen und immer hilfsbereit, beharrlich - manchmal auch ein pommerscher Dickschädel, wenn es darauf ankam, im Interesse des Heimatkreises etwas durchzusetzen. Er kannte Land und Leute wie kein Zweiter aus dem Kreise Belgard. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Celle war geprägt von einem vertrauensvollen, offenen und kooperativen Miteinander. Sie, liebe Frau Dallmann, haben seine Aufgabe stets begleitet. Dankbar erinnere ich deshalb heute an dieses gute Wirken Paul Dallmanns.

Ich heiße herzlich Herrn Landessuperintendent i.R. Karl Manzke aus Celle willkommen. Herr Manzke, Sie haben sich wieder bereit erklärt, den Gedenkgottesdienst im Kreistagssaal und die Andacht bei der Gedenkfeier hier in den Triftanlagen zu halten. Dafür vielen Dank. Ich begrüße weiter die anwesenden Mitglieder des Landtages sowie des Kreistages und der Verwaltung, des Bundes der Vertriebenen sowie die Mitglieder des Posaunenchors Bergen unter Leitung von Frau Hahne.

Meine Damen und Herren, vor inzwischen etwas mehr als 60 Jahren, am 8. Mai 1945, endete der zweite Weltkrieg. Nicht nur hier in unserem Landkreis, in unserer Stadt, sondern allgemein in der Presse, im Fernsehen und im Kino wurde an die Zeit vor 60 Jahren erinnert. Viele von Ihnen - ich auch - haben sicherlich den Film 'Der Untergang' von Bernd Eichinger gesehen.

Sie, liebe Landsleute aus Pommern, sind letztlich bis heute Leidtragende des früheren Regimes. Gerade nach 60 Jahren ist es wichtig und geeignet, sich das Unrecht der Geschichte wieder einmal vor Augen zu führen und zu erinnern. Ich freue mich, hier in den Triftanlagen am Gedenkstein für die Opfer des Krieges aus dem Kreis Belgard-Schivelbein wieder zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Heimatkreistreffen begrüßen zu dürfen. Richard von Weizsäcker hat bereits 1985 eine denkwürdige Rede gehalten, aus der sich immer wieder zu zitieren lohnt. Er sagte: 'Die Völker Europas lieben ihre Heimat. Den Deutschen geht es nicht anders. Wer könnte der Friedensliebe eines Volkes vertrauen, das imstande wäre, seine Heimat zu vergessen? Nein, Friedensliebe zeigt sich gerade darin, dass man seine Heimat nicht vergisst und eben deshalb entschlossen ist, alles zu tun, um immer in Frieden miteinander zu leben. Heimatliebe eines Vertriebenen ist kein Revanchismus.' Sie selbst haben sich in den vergangenen Jahren mit großem Engagement bemüht, im Gespräch mit den Menschen zu bleiben, die heute in Ihrer Heimat leben. Erst in diesem Jahr waren Sie wieder mit einer größeren Gruppe in Belgard-Schivelbein und Umgebung, wie ich in der August-Ausgabe der Pommerschen Zeitung gelesen habe. Sie haben sich nicht nur viele Ortschaften angesehen, Erinnerungsstätten und Gedenksteine besucht, Kontakte zu Landrat und Bürgermeister in Ihrer Heimatstadt gehabt, sondern auch der Sozialstation der Johanniter in Groß Tychow medizinische Hilfsmittel überbracht.

Meine Damen und Herren, der europäische Gedanke ist vielleicht die einzige Alternative, hier nach 60 Jahren den Schulterschluss mit den Menschen, die heute im Kreis Belgard-Schivelbein leben, zu suchen und zu finden. Ich bin mir sicher, dass Sie, die heute hier in Celle versammelt sind, diesen Weg mitgehen wollen. Aber ich stelle fest, auch nach 60 Jahren, in denen wir hier in den Grenzen von Deutschland trotz der augenblicklichen Probleme in Wohlstand und Frieden leben, sind Sie die eigentlichen Verlierer geblieben. Umso mehr freue ich mich, dass Sie immer wieder den Menschen, die heute in Ihrer Heimat leben, die Hand reichen.

Meine Damen und Herren, das Schicksal der Vertriebenen dürfen wir nicht vergessen! Es ist deutsche Geschichte. Deshalb war es, wie ich meine, auch gut, dass die Länder, Kreise und Gemeinden im Westdeutschland der 50er Jahre Patenschaften übernommen haben, um für das Recht der Vertriebenen auf ihre Heimat einzutreten.

So beschloss auch der Kreistag des Landkreises Celle vor nunmehr fast 52 Jahren, nämlich am 1. Oktober 1953, die Patenschaft für den ehemaligen ostpommerschen Landkreis Belgard-Schivelbein mit den Städten Belgard, Schivelbein und Bad Polzin sowie 126 selbständigen Landgemeinden zu übernehmen. Die Initiative hatte der damaligen Oberkreisdirektor, Dr. Axel Bruns, ergriffen, der ja bekannterweise selbst aus dem Kreis Belgard-Schivelbein stammte. Im Oktober 1954 fand das erste Patenschaftstreffen in Celle statt, bei dem dieses Ehrenmal hier in den Triftanlagen auch eingeweiht wurde. In den folgenden Jahren ereignete sich in Deutschland vieles, das auch Sie persönlich berührte. 1961 wurde die Teilung Deutschlands durch eine fast unüberwindliche Grenze für uns alle deutlich. Erst 1989 ergab sich wieder für alle die Möglichkeit, sich gemeinsam zu treffen. Durch die Überwindung des 'Eisernen Vorhanges' war es auch leichter möglich in den Kreis Belgard-Schivelbein zu reisen.

Nach 52 Jahren hat unser Treffen nicht an Attraktivität verloren; man sieht es an der Zahl der heute hier Versammelten. Es hat sich über all diese Jahre eine Verbundenheit erhalten, die man in der heutigen schnelllebigen Zeit schon bewundern muss. Alte Freundschaften werden aufgefrischt, neue geschlossen; man trifft seine alten Bekannten und tauscht Erinnerungen aus. Ich hoffe aber auch, dass nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft bei Ihnen Beachtung findet.

Meine Damen und Herren, 'Nichts ist so beständig wie der Wandel', sagt ein altes Sprichwort. Die Beseitigung der Grenze durch Deutschland hat eine spürbare Erleichterung im Umgang mit den Staaten des früheren Warschauer Paktes gebracht. Nachdem nun Polen im vergangenen Jahr als neues Mitglied in die Europäische Union aufgenommen wurde, ist es noch einfacher geworden, den Kreis Belgard-Schivelbein zu besuchen und zu sehen, was aus Ihrem Heimatland geworden ist. Ich denke, dass durch rege private Besuche sich hier ein Stück Normalität entwickelt hat.

Im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Patenschaftsarbeit stehen nach wie vor Sie alle, die früheren Bewohner unseres Heimatkreises. Die im Abstand von zwei Jahren hier in Celle durchgeführten Heimatkreistreffen dienen letztlich zur Kontaktaufnahme und -pflege und werden vom Patenkreis Celle in Zusammenarbeit mit dem Heimatkreisausschuss (auch weiter) veranstaltet. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kulturarbeit innerhalb unserer Patenschaft. Das beim Landkreis Celle von Frau Angelika Esser geführte Heimatkreisarchiv - das heute übrigens zwischen 12.30 und 17 Uhr geöffnet ist - enthält inzwischen eine umfangreiche Sammlung von Erinnerungsstücken sowie Bild- und Schriftdokumenten. Diese Zeugnisse der über 800jährigen Geschichte Pommerns, seiner Bewohner und des pommerschen und deutschen Kulturgutes werden hier im Kreishaus weiter verwahrt und gepflegt.

Es ist bemerkenswert, dass sich auch die polnische Bevölkerung zunehmend für diesen deutschen Teil ihrer Heimatgeschichte interessiert. Dem Reisebericht in der Pommerschen Zeitung konnte ich entnehmen, dass im neu eröffneten Museum im restaurierten 'Alten Rathaus' in Belgard auch Gegenstände aus der deutschen Geschichte gezeigt werden. Das ist ja nicht selbstverständlich, wurden doch sämtliche Zeugnisse deutscher Vergangenheit vernichtet, gelöscht, verdrängt oder tod geschwiegen. Doch die jüngere, jetzt nachwachsende Generation fragt nach und will alles wissen. Mit der Nutzung des Internets ist die Fülle an Informationen frei zugänglich geworden.

Eine herausragende Präsentation pommerscher Geschichte, Kultur und Kunst bietet das in diesem Sommer eröffnete pommersche Landesmuseum in Greifswald. Über die Eröffnung dieses - als eines der schönsten in Deutschland bezeichneten - Museums habe ich mich verbunden mit Ihnen allen, sehr gefreut!

Das bestehende vertrauensvolle und lebendige Patenschaftsverhältnis zwischen dem Heimatkreis Belgard-Schivelbein und dem Landkreis Celle ist eine gute Grundlage für die Kontakte zu dem östlichen Nachbarn. Wir als Landkreis freuen uns über dieses besondere Verhältnisses zum Heimatkreis Belgard-Schivelbein. Deshalb wollen wir den Patenkreis im Rahmen unserer finanziellen Verhältnisse auch weiterhin ideell und finanziell unterstützen.

Abschließend wünsche ich dem 26. Heimatkreistreffen ein gutes Gelingen, allen Teilnehmern, die ja zum Teil erhebliche Wege zurückgelegt haben, um dabei sein zu können, ein Wiedersehen mit möglichst vielen bekannten Gesichtern und interessante Gesprächen. Ihnen allen noch einen schönen Aufenthalt hier in Celle. Vielen Dank."

Ansprache von Landessuperintendent Karl Manzke bei der Andacht der Gedenkfeier am Ehrenmal in den Triftanlagen Celle am 11. September 2005:

"Gedenke der vorigen Zeiten und hab acht auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Frage deinen Vater, der wird dir's verkünden, deine Ältesten, die werden dir's sagen." 5. Mose 32,7

"Liebe pommerschen Landsleute, liebe Schwestern und Brüder! Es ist gut, daß dieses Treffen wieder stattfindet und diese Gedenkfeier am Ehrenmal. Es gehört ganz sicher zum christlichen Glauben, sich der vergangenen Zeiten zu erinnern und acht zu haben auf die vergangenen Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Es gehört zum Menschen, zum Wesen des Menschen, sich zu erinnern und des Vergangenen zu gedenken. Der bekannte Philosoph Karl Jaspers hat einmal gesagt: 'Mit der Zerstörung der Erinnerung würde der Mensch sich selbst vernichten.' Wer die Vergangenheit vergißt, verliert auch die Zukunft, lebt nur noch im Heute, im Augenblick, wie Goethe es einmal formuliert hat: 'Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkel, unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.' Nur durch die Erinnerung werden wir zukunftsfähig. Vielleicht hängen der in unserem Volk weit verbreitete Pessimismus und die Angst vor der Zukunft mit dem Vergessen zusammen, weil viele nur im Augenblick leben wollen. Und dieses Jahr, 60 Jahre nach dem Ende des schrecklichen Krieges, ist ja einem Jahr der Erinnerung und des Gedenkens.

Woran erinnern wir uns, woran denken wir? Wir erinnern uns zuerst an das Land am Meer, an Pommern, genauer: an Hinterpommern, an unsere Heimat. Wir erinnern uns an das weite Land, an die Städte mit den backsteingotischen Marienkirchen in ihrer Mitte, mit alten Bauten wie Stadttoren, die in die Vergangenheit weisen. Wir erinnern uns an die Dörfer mit ihren Kirchen, mit den Höfen, den Gütern, den weiten Feldern und Wiesen, den Wäldern. Ja, daran erinnern wir uns, wenn wir der vergangenen Zeiten gedenken. Es ist ja ein Zeichen des Erinnerns, daß viele in die alte Heimat fahren. Gott sei Dank sind auch die Zeiten vorbei, in denen der deutschen Vergangenheit in unserer Heimat nicht gedacht werden durfte, man nicht von ihr sprach und sie verdrängte. Das ist anders geworden und dafür sind wir dankbar.

Und wir erinnern uns an den Glauben, in dem wir in unserer Jugend dort unterrichtet wurden, der - so habe ich es erfahren - in unserer Heimat eine prägende Kraft war von Geschlecht zu Geschlecht. Bei uns im Rügenwalder Amt war es üblich, daß wir nach dem Gottesdienst auf den Friedhof gingen, die Gräber der Angehörigen, der Vorfahren aufsuchten, um uns ihrer zu erinnern. So habe ich gelernt von Kind auf daß ich nur ein Glied in einer Kette der Generationen bin. Eine wichtige Erkenntnis, und wehe einem Volk, wenn es diese Einsicht vergißt. Durch den Gottesdienst habe ich viele Lieder gelernt, die ich bis heute im Gedächtnis habe. Daran erinnern wir uns. Und wir erinnern uns an das Leid, das wir erlebt haben und das ja mit dem Ende des Krieges für die Menschen in Pommern erst richtig begann. Ich habe den Bericht von Superintendent Zitzke gelesen und weiß daher, daß es im Kreis Belgard-Schivelbein vor 60 Jahren genau so schrecklich zuging wie bei uns im Kreis Schlawe. Wir gedenken des Leides und der Menschen, die es nicht überlebt haben.

Wir erinnern uns auch an die Schuld, durch die das Leid kam. Zuerst erinnern wir uns an unsere eigene Schuld, daß wir nicht zufrieden waren mit dem uns gegebenen Land, mit unserer Heimat, und auf die Verführung hereinfielen, Lebensraum im Osten erobern zu wollen - für wen eigentlich? Wir erinnern uns auch der Schuld der Anderen, die dann über uns hereinbrach. Immer noch ist es leider so in der Welt, daß auf Schuld Rache folgt. Man kann manchmal daran verzweifeln, daß wir Menschen so schwer den Weg in die Freiheit der Versöhnung finden und loskommen von dem 'Wie du mir, so ich dir'. Ohne Gottes Gnade finden wir den Weg in die befreiende Versöhnung nur schwer. An all dies Erinnern wir uns und an noch viel mehr. Diese Erinnerung darf nicht verloren gehen. Wer die Geschichte nicht kennt, wird ihre Fehler nur zu leicht wiederholen. Ich finde es gut, daß unser Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch in Polen um Verständnis für die Errichtung eines Denkmals gegen Vertreibungen geworben hat.

Aber nun muß ich noch ein Zweites hinzufügen, was unser Bibelwort deutlich sagt: 'Frage deinen Vater - und ich füge hinzu - frage deine Mutter, die werden dir's verkündigen.' Die Erinnerung soll und muß weitergegeben werden an die nächsten Generationen. Es ist unsere Aufgabe, liebe Schwestern und Brüder, dafür zu sorgen, daß die Erinnerung nicht mit uns, nicht mit unserer Generation stirbt. Darum erzählt sie Euern Kindern und Euren Enkeln. Es ist wichtig für sie, es ist wichtig für uns Menschen, der vorigen Zeiten zu gedenken. Wer nur im Heute lebt, geht unter, verliert die Zukunft wie die Vergangenheit. Schreibt Erfahrungen und Erlebnisse, die Euch besonders wichtig sind, auf für die Nachkommen.

Zur Ermutigung will ich hier von einer persönlichen Erfahrung berichten. Wir, meine Frau und ich, waren aus einem persönlichen Anlaß in diesem Frühjahr mit unseren drei Kindern, drei Schwiegerkindern und sieben Enkelkindern in meiner pommerschen Heimat. Ja, wir haben auch an sie gedacht als wir auf der alten Reichsstraße 2 an der Grenze des Kreises Belgard-Schivelbein entlang fuhren. Wir haben die Reise besonders für unsere Enkelkinder unternommen, damit sie ihre Wurzeln kennen lernen. Ich gebe zu, daß wir etwas unsicher waren, wie das wohl gehen würde. Aber wir haben erlebt, daß es über alles Erwarten besonders bei den Enkelkindern zündete. Sie fragten, fragten, fragten und wir haben erzählt von der Vergangenheit. Und das immer im Angesicht der Orte und Städte, wo geschehen ist, wovon wir erzählten: auf unserem Hof z.B., in unserem Dorf, in unserer Kirche, auf dem Friedhof, in unserer Stadt Rügenwalde usw. usf. Dadurch haben sie mehr von der Geschichte gelernt als durch viele Bücher. Wir haben auch das Leid nicht vergessen.

Mit einem Beispiel möchte ich schließen. Auf einem Hof unweit der Ostsee waren Ende März drei Familien beieinander, darunter auch meine Familie, mein Vater und meine Geschwister, meine Mutter war 1941 gestorben. Sie hatten sehr Schweres erlebt und viel Leid erfahren. Es bestand auch keine Aussicht auf Änderung. In der Nähe waren ehemals deutsche Kasernen, jetzt von russischen Soldaten belegt, die die ganze Gegend beherrschten. Weil keine Aussicht auf Änderung war und die Verzweiflung groß, beschlossen sie, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Damit keiner den anderen sterben sehen müßte, beschlossen sie, in die nahe See zu gehen und so ihr Leben zu beenden. Bevor der Entschluß ausgeführt wurde, setzte sich eine der Frauen ans Harmonium und spielte den bei uns viel gesungenen Choral 'Harre, meine Seele, harre des Herrn'. Den Text kannten alle und manche von uns werden ihn auch kennen. lch sage ihn für alle, denen er unbekannt ist: 'Harre, meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern! Sei unverzagt, bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott. Harre, meine Seele, harre des Herrn; alles ihm befehle, hilft er doch so gern! Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott!' Diesen Choral spielte die Frau. Mitsingen konnte keiner. Aber Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit lösten sich in einem Tränenstrom. Von Sterben war nicht mehr die Rede. Aus der Kraft des Glaubens wuchs die Hoffnung und der Mut zum Leben. Und sie haben überlebt. Das habe ich unseren Enkeln erzählt und wir standen vor dem Hof; wo es gesschehen ist. Sie haben dadurch mehr über die Kraft des Glaubens gelernt als durch viele Bücher. So macht die Erinnerung fähig für die Zukunft und weckt Mut zum Leben.

Oft denke ich: Sollte es nicht möglich sein, unsere Probleme, die Krise, in der unser Land ist, zu lösen, wenn wir etwas mehr Mut und Hoffnung aus diesem Glauben schöpfen würden? Ich weiß wohl, daß die Krise unseres Landes größer ist als viele Politiker zu sagen wagen. Aber sie ist klein im Vergleich zu den Schwierigkeiten, in denen die Menschen damals in unserer Heimat lebten. Ich wünsche uns allen, daß die Erinnerung uns Mut macht zur Zukunft und zur Besinnung auf den Glauben an das Evangelium."

Ansprache des Heimatkreisvorsitzenden Manfred Pleger in Celle
am Sonnabend, dem 11. September 2005:


"Sehr geehrter Herr Landrat Wiswe, sehr geehrte Honoratioren, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Konfirmanden, liebe Landsleute. Ich habe die Ehre, Sie im Namen unseres Heimatkreises Belgard-Schivelbein, vertreten durch den Heimatkreisausschuss, sehr herzlich zu begrüßen. Mein Name ist Manfred Pleger. Ich freue mich darüber, dass Sie gekommen sind, weite Wege trotz Alters und Beschwerden nicht scheuten und damit zeigen, dass sie sich unserer Schicksalsgemeinschaft verbunden fühlen."

Nach der Begrüßung der Honoratioren und Ehrengäste (wie im Bericht über das Treffen ausgeführt) begrüßte der Heimatkreisvorsitzende aus den eigenen Reihen der Vertriebenen: "Spät in der Reihenfolge der Begrüßung, aber nun endlich Ihnen einen herzlichen Gruß, Herr Landessuperintendent Kurt Manzke. Tau huus, Herr Landessuperintendent, war es auf dem Lande ganz selbstverständlich, dass von allen Anwesenden tauierst de Paster begröt wur. Ich begrüße den uns herzlich verbundenen Herrn Superintendenten Martin Zitzke aus Belgard; wir freuen uns darüber, dass Sie es sich trotz gesundheitlicher Einschränkung nicht haben nehmen lassen zu kommen, am Gottesdienst mitwirkten und damit Ihre besondere Verbundenheit zu uns ausdrücken. Ich begrüße sehr herzlich Frau Herta Dallmann, Ehefrau unseres verstorbenen Heimatkreisvorsitzenden Paul Dallmann. Ich begrüße und beglückwünsche die Konfirmanden zu ihrer Einsegnung und wünsche Ihnen alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg. Zu Ehre Gottes und im Gedenken an unseren verstorbenen Heimatkreisvorsitzenden Paul Dallmann aus Podewils hören wir jetzt ein Tonband mit dem Ruf der Glocke der Kirchengemeinde Rarfin im Kreis Belgard."

Ansprache: "Sehr geehrter Herr Landrat Wiswe, sehr geehrte Honoratioren, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Landsleute, der heutige Tag ist ein Tag des Gedenkens und des Dankens. Zunächst ein Tag besonders des Gedenkens in Liebe und Erinnerung all derer unserer Eltern- und Großeltern - und z. T. auch schon Geschwistergeneration wie unserer Freunde und Bekannten, die nicht mehr leben - die gern ein Grab tau huus als letzte Ruhestätte gehabt hätten und der Umstände wegen dann doch hier ihr Grab fanden.

Ein Viertel unserer pommerschen und ostdeutschen Bevölkerung ist im Kriege und im Zuge der Besetzung unserer Heimat durch die Rote Armee 1945 ums Leben gekommen. Nahezu zwei Drittel dieser zweieinhalb Millionen Toten entfallen auf Zivilpersonen, fast ausschließlich auf Mütter mit deren Kindern und ältere Menschen. Die meisten des zivilen Personenkreises starben schon in den ersten Wochen der Besetzung.

Bin ich zu Hause in Denzin, und Ihnen wird es nicht anders ergehen, wenn Sie zu Hause sind, dann führt mich mein erster Weg zum schon lange zerstörten Friedhof. Und es ist immer wieder das gleiche Empfinden tiefen Schmerzens darüber, wie alles gekommen ist, wie diese Menschen doch fröhlich und ihrer Verpflichtung dienend gelebt hatten - das Einsetzen über die Ereignisse des Jahres 1945/46 und - dass uns dieses Land nicht mehr gehört. Wir sehen die Realität, doch können wir die Sprache der Seele und des Herzens damit nicht in Einklang bringen.

Der heutige Tag ist ein Tag des Dankens in mehrfacher Weise: Wir, die hier anwesenden Vertriebenen, überlebten die Furie des Verbrechens 1945 dank göttlicher Fügung und sind von Herzen dankbar, zu leben und uns des Lebens Glück erfreuen zu dürfen. Und wenn Herr Landessuperintendent Manzke für die heutige Konfirmation das Bibelwort aussuchte: 'Danket dem Herrn; denn seine Güte ist freundlich und währet ewiglich', so entspricht dies Bibelwort unserem inneren Bild tief empfundener Dankbarkeit; auch darüber, hier an unseren jetzigen Wohnorten wieder eine neue Wohnstatt gefunden zu haben und ein Leben in Würde führen zu können. Wieviel Glück, Freude und Erfolg sind uns hier und in unserem Leben doch beschert worden!

Für uns sind die Celler Tage Goldene Tage, Tage des Gedenkens, der Begegnung, der Erinnerung und der Dankbarkeit. Für uns ist der heutige Tag ein Tag des Herrn: Der Himmel nah und fern, Er ist so klar und feierlich, So ganz, als wollt er öffnen sich. Das ist der Tag des Herrn. Die Begegnung hier befördert Erinnerung und Besinnung, und sie ist Ansporn, wieder zu kommen. Auch brauchen wir, die wir uns der Heimatarbeit verpflichtet fühlen, diesen Schub eines gestärkten Bewusstseins im Interesse der Pflege unserer Gemeinschaft und der Wahrung unserer Geschichte und Kultur. Liebe zu Heimat ist Herzensanliegen und dienende Verpflichtung.

Dabei wird in unseren Erinnerungen unser frühes Lebensumfeld wieder lebendig: der Kreis Belgard mit den stolzen Städten Bad Polzin, Schivelbein und Belgard und den 127 Landgemeinden mit teils unterschiedlicher Geschichte. Rega, Persante und Radue und eine Anzahl kristallner Nebenflüsse, wie Kautel, mit ihren breiten Tälern gaben der von Moränen durchformten Landschaft ein besonders reizvolles Gepräge. Wir, die dort noch geboren sind, wurden mit den Wassers eben unseres Flusses getauft, haben in ihm gebadet und sind im Winter auf den überschwemmten Wiesen Schlittschuh gelaufen.

Der Kreis Belgard-Schivelbein war wie Pommern allgemein ein christliches Land und seit der Reformation Martin Luthers im 16. Jh. ganz evangelisch. Ein Mitstreiter und Vertrauter Luthers war Johannes Bugenhagen aus Wollin in Pommern, Dr. Pomeranus genannt. Seine herausragenden Leistungen bestanden darin, dass er die 1534 in Lübeck gedruckte Lutherbibel ins Plattdeutsche übersetzte, zahlreiche Visitationen durchführte und die Kirchenordnungen Pommerns und mehrerer norddeutscher Länder schuf. Erinnert seit auch daran, dass sich nach der 1939 durchgeführten Volkszählung (trotz des Nationalismus) in Belgard 97% der Bevölkerung als evangelische Christen bekannten; 1,6 % entfielen auf Christen katholischen Glaubens und 1 % auf sogen. Gottgläubige. Im Kreis war dies ähnlich.

Und Pommern war ein Land der Kirchen. Es herrschte im Mittelalter das ungeschriebene Gesetz, dass der Abstand zur nächsten Kirche nicht weiter als 5 km sein sollte. Der Ruf der Glocke eines Kirchspiels sollte noch im Nachbarkirchspiel gehört werden können; überschwemmte unpassierbare Wege im Herbst und Frühjahr mögen wegen des damit verhinderten Besuchs entlegener Kirchen zu dieser engen kirchlichen Bebauung beigetragen haben. Die Pastoren und Helfer spendeten viel Segen. Über ihr Seelsorgeamt hinaus linderten sietatkräftig (so zwischen den beiden Weltkriegen) die wirtschaftliche Not der Menschen und taten zusammen mit den Lehrern viel für die Kultur unserer Städte und Dörfer. Ja, die Pastoren genossen in Pommern hohes Ansehen und tiefe Verehrung. Dies zu sagen ist mir angesichts unseres Ehrentages und der Konfirmation Bedürfnis.

Sehr geehrte Damen und Herren, das heutige Heimatkreistreffen sollte ein Tag unseres verstorbenen ehrwürdigen Landsmanns Paul Dallmann aus Podewils werden, ein Paul-Dallmann-Tag; denn heute hätte er sein 25jähriges Dienstjubiläum als Heimatkreisvorsitzender und sein 50jähriges Jubiläum als Mitglied des Heimatkreisausschusses unseres Heimatkreises feiern können. Allein - der Herrgott wollte es anders.

Paul Dallmanns Beiträge zur Einrichtung der Heimatstube mit den wertvollen unersetzbaren Sammlungen pommerschen Heimat- und Kulturguts und zur Herausgabe des Heimatkreisbuches 'Der Kreis Belgard' gehören zu den herausragenden Leistungen von Herrn Dallmann; auch die im Laufe der vielen Jahre von ihm bearbeiteten unzähligen Anfragen und Auskünfte legen Zeugnis unermüdlichen Schaffens. Und was wichtig, vielleicht das Wichtigste ist: er hat es verstanden, die Kreisgemeinschaft zu erhalten und für ein einvernehmliches Verhältnis zum Patenkreis zu sorgen. In Anerkennung seiner Verdienste für Staat und Gemeinschaft erhielt Paul Dallmann 1988 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ihm wurden alle Ehrungen und Auszeichnungen des Bundes der Vertriebenen und der Pommerschen Landsmannschaft zuteil, zuletzt 1999 die Pommersche Ehrennadel in Gold. Wir dürfen recht und dankbar feststellen, Paul Dallmann hat sich um seine ostdeutschen Landsleute, seine Heimatgemeinde und unseren Heimatkreis Belgard-Schivelbein verdient gemacht.

Diese Begegnung ist ein Tag des Dankes an unseren Patenkreis. Wir sind uns bewußt, dass diese weitere Begegnung nur zustande gekommen ist dank der Einladung und Ausrichtung dieses Treffens durch unseren Patenkreis, und dass, meine verehrten Landsleute, nach 52 Jahren der Begründung des Patenschaftsverhältnisses, an dessen Zustandekommen der damals amtierende Oberkreisdirektor des Landkreises Celle, Dr. Axel Bruhns aus Lutzig im Kreis Belgard, entscheidend mitwirkte. Daß uns unser Patenkreis immer wieder herzlich willkommen heißt und uns liebevoll betreut, gereicht ihm zu Ehre.

Wir danken Ihnen, Herr Landrat, für Ihr Verständnis und die Förderung unserer Anliegen. Wir danken dem Kreistag und den Ausschüssen dafür, dass sie das Patenschaftsverhältnis nach wie vor bejahen und unterstützen. Wir sind nur ausnahmsweise Celler, nur wenig von uns sind hier wahlberechtigt und deshalb eine im politischen Alltag, wo es um Wählerstimmen geht, wenig interessante Gruppe. Aber wir sind eine Klientel, die geschlossen wohl wie keine andere Zuneigung und Zuwendung herzlicher und dankbarer entgegennimmt und erwidert - als wir.

Aber auch das zu sagen, ist mir Herzensbedürfnis: Wenn wir uns beim Landkreis Celle in Celle so wohl und heimisch fühlen, so nicht zuletzt dank der Fürsorge und Betreuung durch Herrn Kreisoberamtsrat Hartmut Stucke und Frau Angelika Esser. Ich kann mir keine bessere Zusammenarbeit wünschen, als mit Ihnen beiden. Und dafür sage ich Ihnen Dank! Ich beziehe dabei dankbar alle Damen und Herren des Kreises mit ein, die in die Patenschaftsarbeit eingebunden sind und uns an diesem Wochenende betreuen.

Ich verneige mich dankbar vor Herrn Landessuperintendenten Kurt Manzke und Herrn Superintendent Martin Zitzke. Mit dem Gottesdienst und der Konfirmation wie der Andacht hier in den Triftanlagen gaben Sie dem Tag Glanz und Gottes Ehre. Ihre Predigten, ihre Worte beeindruckten; man empfindet, ihre Worte kommen von Herzen und sie gehen zu Herzen.

Wir, liebe Landsleute, fragen uns, wie soll es weitergehen mit uns alten Menschen. Sind wir noch tragfähig für weitere Treffen? Auch - welche Heimatarbeit wollen und können wir noch leisten? Wie können wir den Umstand, dass wir weniger werden, auffangen?

Daß wir abermals in stattlicher Zahl hier versammelt sind und die Einsegnung hohen Zuspruch fand, sollte uns bestärken. Die Worte des Herrn Landrats, uns weiter die Treue zu halten, haben wir mit großem Dank und innerer Befriedigung aufgenommen. Es liegt nun an uns, wie oft wir uns noch in Celle wieder sehen. Und es liegt an uns, den Zusammenhalt unserer Heimatkreisgemeinschaft und der Stadt- und Dorfgemeinschaften zu stärken. Über Möglichkeiten sprachen wir auf den Treffen gestern und vorgestern. Ich hoffe, dass sich aus diesen Gesprächen Aktivitäten auftun werden, dass wir einander näher rücken, uns austauschen und in gegenseitiger Hilfe stärken.

Noch ein Wort des Dankes an alle, die mich aus den eigenen Reihen unterstützten, stellvertretend nenne ich den Kreisbearbeiter Herrn Dieter Schimmelpfennig; ohne ihn und seine mobile technische Ausstattung wäre manche Arbeit und Improvisation nicht möglich gewesen.

Ich schließe mit Ernst Moritz Arndt's Vaterland.

Vaterland

Wo dir Gottes Sonne zuerst schien, wo dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst seine Allmacht offenbarten, und seine Sturmwinde dir mit hellen Schrecken durch die Seele brausten, da ist deine Liebe, da ist dein Verland.

Wo das erste Menschenaug' sich liebend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerst mit Freuden auf dem Schoße trug, und dein Vater dir die Lehren der Weisheit und des Christentums ins Herze grub, da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland.

Und seien es kahle Felsen und öde Inseln, und wohne Armut und Mühe dort mit dir, du musst das Land ewig lieb haben, denn du bist ein Mensch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in deinem Herzen.…"

Mit der 3. Strophe des Deutschlandliedes endete die Veranstaltung.

An dem Heimatkreistreffen 2005 nahmen teil (soweit bekannt):

Aus Roggow: Edgar und Gertrud Beilfuß, Marianne Ebert, Charlotte Kath geb. Winkel, Ilse Kollmann geb. Leß, Thea Mallon, Heinz und Marianne Ott, Helmut Ott, Werner und Marga Pagel, Karl Priebe, Klaus und Elli Rettmann, Elisabeth Sylvester geb. Götzke, Fanny Thiel, Eheleute Hildegard Thiel geb. Maaß, Heinz und Günter Winkel (Roggow war wohl die am stärksten vertretene Landgemeinde im Kreise).




[Dai Schulteknüppel Nr. 51, S. 13-29]