| 4. Belgard-Seminar 2001 Das vierte Seminar des Freundeskreises an der Ost-Akademie in Lüneburg |
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| Die alten Belgarder waren wieder in der Lüneburger
Ost-Akademie zusammengetroffen. Sie konstituierten sich gemeinsam mit den
jetzigen polnischen Repräsentanten von Stadt und Kreis als Verein "Freunde
des Alten Landes Belgard". Im Rahmen ihres Seminars beschäftigten
sie sich insbesondere mit der Situation von Stadt und Kreis Belgard in den
Jahren von 1939 bis 1949. Legenden oder in Klartext gesprochen: geschichtliche Lügen und Vorurteile beherrschen und belasten in manchen Bereichen immer noch die deutsch-polnischen Beziehungen bis hin in das regionale und lokale Geschehen. Dem entgegenzuarbeiten und sich selber Klarheit zu verschaffen über das, was war und wie es war, ist für die einstigen Belgarder der Sinn ihrer Seminare. Und damit die Darstellung der Geschehnisse nicht einseitig bleibt, hatten wir die heutigen Repräsentanten von Stadt und Kreis Belgard auch zu unseren Seminaren eingeladen. Barbara Haverland konnte so bei dieser Tagung wieder Landrat Strzalkowski und Bürgermeister Ciechanowicz mitsamt Mitgliedern von Kreisausschuß und Magistrat in Lüneburg begrüßen. Nachdem einführend Herr Dr. Lewandowski über die wesentlichen Belastungspunkte im deutsch-polnischen Verhältnis gesprochen hatte, berichtete Frau Baehr über die Situation deutscher Schulen in Hinterpommern nach dem Kriege. Was viele nicht wissen: Es gab sie im polnischen Staate. - Breiteren Raum nahmen dann die Referate plus Diskussionen über Landwirtschaft und Industrie des Belgarder Raumes vor und nach dem Kriege ein. Dr. Lutter stellte die Verhältnisse zu deutscher Zeit dar, wobei er die Rolle der bäuerlichen Mittelbetriebe neben der der Großgrundbesitzer besonders hervorhob. Trotz wenig günstiger Bodenwertzahlen und trotz des rauhen Klimas seien im Ackerbau und in der Viehzucht stolze Ergebnis se zu verzeichnen gewesen; er verwies so auf die Kartoffelzucht und darauf, daß aus dem Kreise Belgard die besten "Edelschweine" Pommerns kamen. Landrat Strzalkowski stellte dem die heutige Lage entgegen. Er erwähnte die russischen Reparationsentnahmen nach Kriegsende, auf die durch die kommunistische Landwirtschaftspolitik erzeugten zusätzlichen Probleme (so auch durch die Staatsgüter) und auch darauf, wie schwer es den Neusiedlern aus der Ukraine gefallen wäre, sich in politisch zuerst unsicherer Situation in fremdem Land heimisch zu fühlen und sich zu engagieren. Der Bauer könne auch heute nach der Liberalisierung nicht genug verdienen. Und da der Landwirt mit den subventionierten Importen nicht konkurrieren könne, gehe die agrarische Nutzfläche immer mehr zurück. Auch die Tierproduktion liege weit unter der Vorkriegszeit. Eine Fahrt durch die Heimat macht all das offenbar. Die überwiegende Zahl der Höfe ist zu klein; die alten deutschen Gehöfte sind vielfach in der Mitte geteilt. Die Landwirtschaft stellt oft nur einen Nebenerwerb dar. Ein besonderes Gewicht für das Seminar hatte das Referat Manfred Plegers über die Eroberung des Belgarder Raumes durch die Rote Armee im März 1945. Die Pommersche Zeitung wird hierüber einen eigenen Bericht bringen. Zeitlich dem folgend referierte Harald Lutter über die sich anschließende Zeit der Polonisierung der Stadt und ihres Umlandes: Wie aus Belgard "Bialogard" wurde. Auch über diesen Teil des Seminars, der nüchtern und weitgehend emotionsfrei das Handeln der polnischen Verwaltungsstellen darlegt, werden wir demnächst separat berichten. Abgerundet wurde das Seminar durch eine Präsentation des alten Kreises Belgard-Schivelbein im Internet. Dieter Schimmelpfennig zeigte auf der Leinwand, aus welcher Fülle an Daten im Internet sich jeder Interessierte unter dem Stichwort Kreis Belgard bedienen kann. Unser Landsmann hat hier eine respektable Arbeit geleistet. Die Pommersche Zeitung hat darauf schon mehrfach hingewiesen. Über den Tag hinaus ist von besonderer Bedeutung, daß der die Seminare tragende Freundeskreis sich im Rahmen der Veranstaltung als Verein konstituierte. Er nennt sich nunmehr "Freunde des alten Landes Belgard / Bialogard". Der von seinen Mitgliedern unter dem Dach des Heimatkreisausschusses angestrebte Zweck ist einerseits die Pflege und Förderung der Gemeinschaft der früheren Einwohner der Stadt und des Alten Landes Belgard und andrerseits die Pflege und Erhaltung von Kulturwerten und Baudenkmälern der Heimat in Zusammenarbeit mit den heutigen Bewohnern. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß auch Landrat Strzalkowski und Bürgermeister Ciechanowicz um Aufnahme in den Verein baten. Zur Vorsitzenden wurde Barbara Haverland gewählt, zu ihren Stellvertretern Dr. Harald Lutter und Manfred Pleger, wobei ersterer als Geschäftsführer fungiert. Kassiererin ist Frau Baehr, Beisitzer die Herren Beilfuß, Krause, Schimmelpfennig und Schulz; der Bürgermeister von Belgard sowie die Herren Landräte von Belgard und Celle gehören von Amts wegen dem erweiterten Vorstand an. Der Verein wird sich bemühen, die inzwischen angelaufenen Arbeiten zur Erhaltung und Renovierung des Alten Rathauses in Belgard sowie zur Wiedereinrichtung eines Kreisheimatmuseums auch finanziell zu unterstützen. Flankiert wird dies polnischerseits durch die im letzten Herbst erfolgte Gründung einer "Stiftung zugunsten der Belgarder Altstadt". Zweck dieser vom Stadtrat geschaffenen Institution ist die Ansammlung von Finanz- und Sachmitteln zur Unterstützung aller Initiativen, die zur Wiederbelebung der Altstadt führen. Es geht hierbei vorab um die planerische Gestaltung des gesamten Geländes innerhalb der alten Stadtmauer, um die Verbesserung der kommunalen Infrastruktur dieses Raumes und hauptsächlich um den Wiederaufbau sowie die Modernisierung der alten Bausubstanz anhand jährlicher Handlungsprogramme. In Ergänzung dessen ist auch an Bildungs-, Kultur- und Touristikveranstaltungen gedacht. Nach der zu erwartenden gerichtlichen Bestätigung des Gründungsaktes sollen die Organe der Stiftung bestellt werden: ein Präsident sowie ein Stiftungsrat und ein Programmrat. Der Freundeskreis nahm diese Nachricht erfreut zur Kenntnis, auch wenn der Landkreis entgegen den ursprünglichen Absichten nun doch nicht mit Träger der Stiftung ist. Man wartet einstweilen ab, welche konkreten Planungen seitens der Stadt vorgelegt werden. Die intensiven, in freundschaftlichem Geist geführten Gespräche mit Landrat und Bürgermeister haben die Beziehungen zwischen den einstigen und den jetzigen Bewohnern des Belgarder Landes weiter merklich verbessert. So wurden auch verschiedene konkrete Projekte diskutiert, über die wir zu gegebener Zeit ausführlich berichten werden. Die nächsten Arbeitsgespräche im alten Belgarder Kreishaus anläßlich unserer Pfingstfahrt mit Frau Haverland nach Belgard werden zeigen, ob und wie verschiedene Gedanken verwirklicht werden können. Das gilt auch für das Bemühen um eine würdige Plazierung der noch vorhandenen Grabdenkmäler. Wir bemühen uns darum. |
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