7. Belgard-Seminar 2003

"Belgard und sein Militär"

vom 03. - 05.02.2003 an der Ost-Akademie in Lüneburg
In diesem Jahr bietet die Akademie für Ost-West-Kooperation - Ost-Akademie Lüneburg, Herderstraße 1-11, 21335 Lüneburg vom 23. bis 26. Februar 2004 ein Seminar zum Thema "Deutsch-polnische Beziehungen im 20. Jahrhundert: Seminar mit deutschen und polnischen Teilnehmenden zu den Kriegen und Kriegsfolgen am Beispiel der Entwicklung der Kreise Lüneburg und Belgard / Bialograd (Pommern)" an.

Leitung: Dr. Adalbert R. Lewandowski M.A., Ost-Akademie Lüneburg.

Dieses Seminar wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.



Montag, 03.02.2003

Anreise bis 13.00 Uhr

13.00 Uhr - Begrüßung und Einführung in das Seminar   Dr. A. R. Lewandowski

14.30 Uhr - Die Weltkriege des 20. Jahrhunderts und deren Auswirkungen auf die deutsch-polnischen Beziehungen in Pommern  Dr. A. R. Lewandowski

16.00 Uhr - Kaffeepause

16.30 Uhr - Militär und Gesellschaft - die Militarisierung in Pommern vor dem Zweiten Weltkrieg  Manfred Pleger, Laboe

18.00 Uhr Abendessen

19.00 Uhr - Die gesellschaftlichen Strukturen in Pommern am Vorabend des Zweiten Weltkriegs am Beispiel des Kreises Belgard  Dr. Harald Lutter, Erkrath

anschließend gemütliches Beisammensein



Dienstag, 04.02.2003

08.15 Uhr - Frühstück

09.00 Uhr - Die heutige Wojewodschaft Westpommern (Wojewodztwo zachodniopomorskie) im sowjetischen Sicherungssystem nach dem Zweiten Weltkrieg (die sowjetischen Streitkräfte in Nordwestpolen)  N.N., Bialogard

10.30 Uhr - Kaffeepause

11.00 Uhr - Wirtschaft und Umwelt - zur Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen in der Wojewodschaft Westpommern - Kreis Bialogard und im Kreis Lüneburg  N. N., Bialogard / Dr. A. R. Lewandowski

12.30 Uhr - Mittagessen

13.30 Uhr - Abfahrt nach Bleckede / Landkreis Lüneburg

14.00 Uhr - Die Natur- und Kulturlandschaft "Flusslandschaft Elbe" als Beispiel einer gelungenen Umwelt- und Konversionspolitik in einer strukturschwachen Region  N.N., Natur- und Umweltzentrum Elbtal-Haus, Bleckede

16.30 Uhr - Rückfahrt

17.30 Uhr - Abendessen

18.30 Uhr - Ergebnissicherung und Aussprache  Dr. A.R. Lewandowski



Mittwoch, 05.02.2003

08.15 Uhr - Frühstück

09.00 Uhr - Berichte und Aussprache über die deutsch-polnische Zusammenarbeit in der Wojewodschaft West-Pommern und in Niedersachsen  Leitung: Dr. A. R. Lewandowski

10.30 Uhr - Kaffeepause

11.00 Uhr - Fortsetzung der Berichterstattung

12.00 Uhr - Auswertungsgespräch  Dr. A. R. Lewandowski

12.30 Uhr - Mittagessen

anschließend Abreise





Generalthema war diesmal "Belgard als Soldatenstadt". Wir hatten 30 Teilnehmer zu verzeichnen. Wir freuten uns, dabei aus Belgard begrüßen zu können: Den neuen Landrat, Herrn Baginski, und den neuen Vorsitzenden des Stadtrats, unseren Herrn Swirko. Daneben begrüßten wir alte Bekannte: Herrn Cwirko aus Körlin, als neuen Vorsitzenden des Kreistages, und Herrn Bartmann aus Denzin als Kreisdeputierten. Erstmals waren die Herren Szykowny, Stadtratsmitglied und Veterinär, und Rudzinski als Dolmetscher bei uns sowie als jüngste Teilnehmerin Frau Marta Swirko, eine Studentin (die Tochter Herrn Swirkos).

Das einleitende Referat von Herrn Dr. Lewandowski befaßte sich mit den politischen Rahmenbedingungen der Situation im Belgard der Nachkriegszeit. Eine Fülle wichtiger Zahlen verdeutlichte den Vortrag. Besonders bemerkenswert, daß nach der amtlichen polnischen Volkszählung von 1948 in Belgard nur 21,7 % der Bevölkerung von "hinter dem Bug" stammten, aus den nach 1945 wieder russisch gewordenen Gebieten. 63 % kamen aus dem eigentlichen Polen.

Manfred Pleger behandelte die Entwicklung Belgards als militärischer Standort. Von der ersten festen Garnison 1721 bis zu den Kasernenbauten des letzten Jahrhunderts wurde alles mit einer Fülle von Details angesprochen.... selbst die Mohren, die einst zum Musikkorps der berittenen Truppe gehörten, wurden nicht vergessen.

Harald Lutter befaßte sich ergänzend mit der Rolle des Offizierskorps in unserem Raum. Es bestand bis 1918 fast ausschließlich aus Adligen, die bei uns seinerzeit die unumschränkte Herrschaft in Wirtschaft, Verwaltung und Militär in ihren Händen hatten. Anhand einiger Fälle aus den Jahren von 1919 bis 1933 wurde das Zusammenspiel ihrer Repräsentanten und der mißbräuchliche Einsatz der Reichswehr im skrupellosen Kampf gegen die ihnen verhaßte Demokratie aufgezeigt.

Frau Marta Swirko ging dann auf die Zeit nach 1945 ein und beschrieb aus polnischer Sicht die Schwierigkeiten beim Aufbau einer polnischen Verwaltung infolge der alles dominierenden Rolle der sowjetischen Militärverwaltung. Die Rote Armee führte ein Eigenleben und nahm wenig Rücksicht auf polnische Bedürfnisse. Erstaunlich für deutsche Ohren waren dabei die Äußerungen über eine Bevorzugung der Deutschen, auch darüber, daß sie im Bereich der sowjetischen Staatsgüter keiner polnischen Kontrolle unterlagen. Erst nach 1956 sei es zu halbwegs geregelten Beziehungen gekommen. Die letzten sowjetischen Truppen verließen Belgard am 24.06.1992. Sie ließen verwüstete Kasernen und Wohnhäuser zurück, das Übungsgelände war verseucht. Absurd klingende Erfahrungen aus den Zeiten der 47 Jahre währenden Besetzung wurden uns geschildert.

Herr Baginski sprach darauf über die ökologischen Gefährdungen des Persante-Gebietes. Das Trinkwasser entspreche nicht den gültigen Normen. Doch gehörten Persante und Radue samt ihren Zuflüssen zur Reinheitsklasse 1; beide beherbergten stattliche Lachse. Besondere Gefahren gingen in der Region von Restbeständen alter Pflanzenschutzmittel aus. Hinzu kämen ungezählte wilde Deponien. Auch der Sondermüll aus der Erdölindustrie wie auch der Großmolkerei bereite Sorgen. Doch der Kreis bemühe sich, der Gefahren Herr zu werden.

Thematisch passend besuchten wir anschließend das ganz idyllisch gelegene Elbschloß Bleckede mit seinem Informationszentrum der Elbtalaue. Private wie staatliche Bemühungen zur Erhaltung einer natürlichen Flußlandschaft wurden uns erläutert bis hin zu den damit verbundenen touristischen Möglichkeiten von Boots- und Kutschfahrten wie einer Storchen-Safari. Auf Frage erklärte sich die Leitung des Hauses bereit, auch in Sachen Störche beim Aufbau ähnlicher Einrichtungen behilflich zu sein. Ein erster Kontakt mit einer polnischen Arbeitsgruppe könnte erwachsen, wenn Vertreter der neuen Gemeinde Belgard (= die das Umland der Stadt umfassende Großgemeinde) ihre Partnergemeinde Dömitz an der Elbe im Frühjahr besuchen werden.

Landrat Baginski bedankte sich zum Abschluß des Seminars seitens der polnischen Teilnehmer für dieses Erlebnis. Er erklärte sich übermannt von der freundlichen Atmosphäre der gesamten Begegnung. Es war in der Tat wieder eine gelungene Veranstaltung. Doch wird es bei unseren begrenzten Möglichkeiten nicht leicht sein, diese Partnerschaft stetig tatkräftig mit Leben zu erfüllen. Doch wir tuen unser Bestes.

Die neuen Vorsitzenden werden die Arbeit in der bisherigen Weise fortzusetzen. Unserer Frau Haverland sei auch nochmals für ihre ersten Initiativen gedankt und gratuliert: Zu ihrer Tüchtigkeit und dem Eifer, mit dem sie sich für die alte Heimat eingesetzt hat und dies weiter tut. [....]

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