| 8. Belgard-Seminar 2004 "Belgard und seine Schulen" vom 23. - 26.02.2004 an der Ost-Akademie in Lüneburg |
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| Seit mehreren Jahren werden in der Ost-Akademie Lüneburg
Begegnungsseminare mit deutschen und polnischen Teilnehmern mit dem regionalen
Schwerpunkt Belgard / Bialogard" durchgeführt. In diesem
Jahr bietet die Bundeszentrale für politische Bildung, Dienststelle
Lüneburg in Verbindung mit der Akademie für Ost-West-Kooperation
- Ost-Akademie Lüneburg, Herderstraße 1-11, 21335 Lüneburg
vom 23. bis 26. Februar 2004 ein Seminar zum Thema Deutsch-polnische
Beziehungen im 20. Jahrhundert: Seminar mit deutschen und polnischen Teilnehmern
zum Bildungswesen im ländlichen Raum am Beispiel der Entwicklung der
Kreise Lüneburg und Belgard / Bialogard (Pommern / Wojewodschaft West-Pommern)"
an. Leitung: Dirk Hansen, Bundeszentrale für politische Bildung, Dienststelle Lüneburg; Dr. Adalbert R. Lewandowski M.A., Ost-Akademie Lüneburg Montag, 23.02.2004 Anreise bis 15.00 Uhr 14.30 Uhr - Imbiss 15.00 Uhr - Eröffnung, Begrüßung und Einführung in das Seminar Dirk Hansen / Dr. A. R. Lewandowski 16.00 Uhr - Das deutsche Schulwesen im 20. Jahrhundert Dr. Wendelin Sroka, Lüneburg 18.00 Uhr - Abendessen 19.00 Uhr - Die Schulen als Instrument politischer Indoktrination in der Zwischenkriegszeit Dr. Harald Lutter, Erkrath Dienstag, 24. 02.2004 08.00 Uhr - Frühstück 09.00 Uhr - Das Schulwesen im Pommern 1918 - 1945 am Beispiel des Landkreises Belgard Moderation: Dr. A. R. Lewandowski: - Die Dorfschulen Heinz Ott, Reinfeld - Die städtischen Volksschulen Günter Beilfuß, Göttingen - Die höheren Schulen Barbara Haverland, Soest / Kurt Henke, Norden - Die berufsbildenden Schulen Manfred Pleger, Laboe 10.30 bis 11.00 Uhr - Kaffee- und Teepause 12.30 Uhr - Mittagessen 14.30 Uhr - Fortsetzung: Das Schulwesen in Pommern 1918 - 1945 16.00 Uhr - Kaffee- und Teepause 16.30 Uhr - Das polnische Schulwesen 1945 - 2004 Dr. A. R. Lewandowski 18.00 Uhr - Abendessen Mittwoch, 25. 02.2004 08.00 Uhr - Frühstück 09.00 Uhr - Das Schulwesen in Pommern (Wojewodschaft West-Pommern) 1945 - 2004 am Beispiel des Landkreises Bialogard Moderation: Dr. A. R. Lewandowski: - Die städtischen und ländlichen Grundschulen N.N., Bialogard - Die höheren Schulen N.N., Bialogard - Die berufsbildenden Schulen N.N., Bialogard 10.30 bis 11.00 Uhr - Kaffee- und Teepause 12.30 Uhr - Mittagessen 14.00 Uhr - Berufliche Fort- und Weiterbildung im ländlichen Raum, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen Raums an ausgewählten Beispielen im Landkreis Lüneburg Leitung: Dr. A. R. Lewandowski 19.00 Uhr - Abendessen Donnerstag, 26. 02.2004 08.00 Uhr - Frühstück 09.00 Uhr - Berichte und Aussprache über die deutsch-polnische Zusammenarbeit in der Wojewodschaft West-Pommern Moderation: 10.30 Uhr - Kaffeepause 12.00 Uhr - Auswertungsgespräch Dirk Hansen / Dr. A. R. Lewandowski 12.30 Uhr - Mittagessen anschließend Abreise Die einzelnen Referate sollen nicht länger als 20 Minuten dauern, so daß ausreichend Zeit für Diskussionen vorhanden sein wird. Kleinere Exkursionen werden das Ganze zusätzlich beleben. Zum Schulthema wird unser Freund Günter Beilfuß Bilder präsentieren und an einem der Abende neueste Bilder von Frau Haverland über Belgard zeigen. Speziell für unsere polnischen Partner sollen daneben Tourismusfragen angesprochen werden, so das bei uns beliebte Projekt "Ferien auf dem Bauernhof". Wir hoffen, daß die Bialogarder wieder kommen werden. Wir sind neugierig, was sie über die jüngsten Entwicklungen im Lande Belgard werden berichten können: Was tut sich in der Altstadt, wie läuft das mit dem Alten Rathaus, wie ist die wirtschaftliche Lage? Und wie haben sich die verschiedenen Partnerschaften angelassen, so mit Rügen und auch seitens der Gemeinde Bialogard mit Dömitz an der Elbe? Wieder liegen ein Belgard-Seminar sowie die Mitgliederversammlung hinter uns. Beide Veranstaltungen waren mit Überraschungen verbunden. Lassen Sie mich dazu berichten: Nach einer bildungspolitischen Einführung in das deutsche Schulwesen durch Herrn Dr. Sroka beschäftigte sich Harald Lutter mit der Rolle der Schulen als Instrumente politischer Indoktrination. Heinz Ott erzählte anhand seiner Erfahrungen an der Schule in Roggow mit liebevollen Details von den einstigen Dorfschulen unseres Kreises. Günter Beilfuß ergänzte dies mit genauen Angaben über die städtischen Volksschulen. Barbara Haverland berichtete über die Entwicklung der einstigen Töchterschule bis hin zum Lyzeum und dann der Oberschule für Mädchen. Kurt Henke behandelte das aus der einstigen Lateinschule heraus erwachsene Gymnasium, zuletzt Oberschule für Jungen. Manfred Pleger schließlich ging auf das Berufsschulwesen ein und auf die ehemalige Landwirtschaftsschule; in dankenswerter Weise hob er dabei die oft unterschätzte wirtschaftspolitische Bedeutung dieser Einrichtungen hervor. Alle Referenten konnten zur Freude der alten Belgarder mit einer Menge von Daten und vielen persönlichen Erinnerungen aufwarten, was natürlich zu angeregten Diskussionen herausforderte und manche neuen Aspekte aufzeigte. Als Kontrast zu den Berichten über die Vergangenheit führte später Herr Die sechsjährige Grundschule besteht als Pflichtschule vom 7. bis zum 13. Lebensjahr. Sie ist in Belgard dreifach vorhanden: neben der alten Schule in der Kirchstraße, dann das neue Gebäude in der Trieschmannstraße und die umgebauten Trakte der alten Kaserne in der Körliner Straße. Gerade letztere Schule ist in ihrer Ausgestaltung perfekt und höchstmodern: funktionell, freundlich und mit Computern zur freien Nutzung für die Kinder bestückt. Ich kenne bei uns nichts Besseres. Die Schulpflicht wird weiter im dreijährigen Gymnasium absolviert, das ebenfalls von der Stadt getragen wird. Eine Fremdsprache ist obligatorisch: Englisch oder Deutsch. Das größere der beiden Gymnasien befindet sich hinter der Georgenkirche. Nach dem für alle Kinder verbindlichen neunjährigen Schulbesuch kann auf Wunsch fortführend eine höhere Schule besucht werden, etwa das Lyceum, das nach drei weiteren Jahren zum Abitur führt. Diese Schulart entspricht der deutschen gymnasialen Oberstufe; sie wird vom Kreis getragen. Diese Schule ist im Alten Gymnasium untergebracht. Die ersten Reifeprüfungen fanden bereits 1946 statt. Zu den Absolventen der Schule gehört auch Aleksander Kwasniewski, der jetzige Staatspräsident. Verschiedene Arten von Berufsschulen sind in der alten Hindenburgschule untergebracht. Im alten deutschen Lyzeum befinden sich eine private Handelsschule sowie ein ebenfalls privates Technikum. Referate wie die sich anschließenden Diskussionen waren lebhaft und informativ. So war unser Seminar wieder ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Bemerkenswert ist dabei auch, daß sämtliche Teilnehmer in oder bei Belgard geboren waren, auch die polnischen Freunde. Wir freuen uns auf die Fortsetzung unserer Seminare, zumal wir uns das nächste Mal mit der Erstellung des geplanten Reiseführers beschäftigen wollen. Nur.... und jetzt kommt der Wermutstropfen: Unser bisheriger Gastgeber, die Ost-Akademie, wird schließen, weil die erforderlichen Mittel von Bund und Land nicht weiter bereitgestellt werden.... trotz der großen Bedeutung dieser Einrichtung für Deutschlands Öffnung nach Osten. Den Mitarbeitern ist bereits gekündigt. Die Räumlichkeiten werden verkauft. Im Sommer ist Schluß! Zwar wird der dazu gehörige Verein Zentrum für Ost-West-Kooperation bestehen bleiben, doch wird er allein nicht viel bewegen können. Für uns bedeutet das, daß wir für unsere weiteren Treffen diesseits der Oder wieder ins Pommernzentrum nach Travemünde gehen werden. Für Herrn Dr. Lewandowski und seine Kollegen bedeutet das, daß sie jetzt arbeitslos sind. Wir hoffen für sie, daß sie bald eine ihren großen Fähigkeiten entsprechende neue Stelle finden werden. Mein Bericht war diesmal etwas lang. Vielleicht war es Ihnen trotzdem recht. Ich hoffe auf Ihr Interesse und Ihr Mitwirken am Belgarder Reiseführer. Wer einen Teilbereich mit bearbeiten möchte, melde sich bitte bei Herrn Pleger oder bei mir! Und wer vielleicht im Sommer (d.h. 9. bis 17. Juni) doch noch mit nach Belgard fahren will, melde sich bitte Frau Haverland, denn es sind noch einige Plätze frei. Private Autofahrer sollten sich mit Manfred Pleger absprechen. [....] und Przewodnik.... von Andrzej Swirko unter Mitarbeit von u.a. Waldemar Hynda. Touristischer und heimatkundlicher Reiseführer für das Land Belgard. 1. Auflage, Bialogard 2000 (162 Seiten mit vielen kleinen Fotos). I. Einleitung - S. 7 II. Geographische Aspekte - S. 9 1. Landschaftsbild S. 10 2. Klima - S. 11 3. Wassernetz - S.12 A. Flüsse - S. 12 B. Seen - S. 12 C. Moore - S. 13 4. Landwirtschaftliche Nutzung - S. 14 5. Natur- und Bodenschätze - S. 15 6. Staat und Landschaft (?!) - S. 15 III. Heimatkundliche Fahrten durch das Land Belgard - S. 17 1. Fußwanderungen - S. 18 A. Groß Tychow-Tour (Alt-Buckow / Gr. Tychow....) - S. 18 B. Die Alte Salzstraße (Kolberg / Rostin / Belgard / Polzin) - S. 18 C. Rund um Belgard-Tour (Lülfitz / Darkow / Klempin) - S. 20 D. Kleinbahn-Wanderung (Lenzen / Podewils....) - S. 20 E. Rund um Groß Tychow-Tour - S. 21 F. Groß Tychow-Tour - S. 21 2. Autotouren - S. 22 A. Parkanlagen, Rittergüter und Paläste (Lübchow / Natzow / Kamissow / Standemin / Lenzen / Grüssow / Naffin / Boissin / Dubberow....) - S.22 3. Radtouren - S. 28 A. Rings um Körlin (Lübchow / Kerstin / Natzow) - S. 28 B. Rings um Kamissow - S. 29 C. Auf den Spuren frühzeitlicher Siedlungen (Denzin / Roggow) - S. 29 D. Rings um Groß Tychow (Pobanz....Zarnekow) - S. 30 4. Kanufahrten - S. 33 A. Persante-Tour (Damen / Wutzow / Denzin) - S. 33 B. Auf Radue und Krummem Wasser (Tietzow / Bulgrin....) - S. 35 5. Fotografisch interessante Ziele (Themen wie Architektur....) - S. 37 IV. Ortsbeschreibungen - S. 39 1. Belgard - S. 41 (Stadtwappen S. 41 / Stadtgeschichte S. 41 / Kirchen und Kasernen S. 48 / Nachkriegsjahre S. 49 / Typische Bauwerke S. 52 / Baudenkmäler S. 52 / Beachtenswerte Gebäude S. 57 / Parkanlagen S. 59 / Geschichtliche Daten S. 60-63) Kürzer bei Körlin, beschränkt auf wenige Zeilen oder eine Seite bei den anderen Orten. Doch stets mit Angabe des alten deutschen Namens, der Umstände der Gründung, der Namen der einstigen Grundherren, auch zur Architektur zumindest dem Alter der Kirchen und der Gutshäuser sowie die Namen deren Erbauer. Auch historische und wirtschaftspolitische Daten. Die Ortsbeschreibungen beziehen sich nur auf die Ortschaften des neuen Kreises mit den Gesamtgemeinden Belgard, Groß Tychow und Körlin. Es sind dies für die neuen Gesamtgemeinden Belgard und Gr. Tychow diese Orte: Bergen, Boissin, Buchhorst, Bukow, Bulgrin, Burzlaff, Butzke, Damen, Darkow, Denzin, Dimkuhlern, Döbel, Drenow, Dubberow, Forst, Forstkolonie, Gissalk, Groß Tychow, Grünhof, Grüssow, Heidekrug, Johannisberg, Kamissow, Karshof, Kieckow, Kiefheide, Klempin, Komet, Kösternitz, Kowalk, Krähenkrug, Krausenkatchen, Krössin, Latzig, Lenzen, Lülfitz, Muttrin, Naffin, Nassow, Natztow, Neuendorf, Neuhof, Panknin, Pobanz, Podewils, Posthaus, Pumlow, Pustchow, Rarfin, Rauden, Redlin, Reichow, Rettow, Ristow, Roggow, Rostin Gr. Saatspe, Sager, Schinz, Schlennin, Schmenzin, Schönfelde, Siedkow, Silesen, Springkrug, Standemin, Strelitz, Tarpenow, Tietzow, Vetzow, Warnin, Wiesenhof, Woldekow, Wutzow, Zadtkow, Zarnefanz, Zarnekow. Bei den kursiv gesetzten Namen, die so als alte deutsche Namen dem Führer entnommen sind, habe ich Zweifel an der Richtigkeit. Zum Teil mag es sich um unselbständige Ortsteile handeln. Wer hier helfen kann, den bitte ich um Klarstellung! Bei der Gesamtgemeinde Körlin geht es im einzelnen um diese Orte: Darsow, Dumzin, Garchen, Jestin, Karwin, Kertsin, Koseeger, Kowanz, Kruckenbeck, Kuhhagen, Lübchow, Mallnow, Marin, Pobloth, Putzernin, Rümelsdorf, Schwartow, Zürkow. Jetzt unsere Bitte an Euch alle: Die Herausgabe eines deutsch-polnischen Reiseführers für das Land Belgard ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Er wird mit helfen, daß die Jahrhunderte alte deutsche Geschichte unserer Heimat nicht in Vergessenheit gerät. Darum bitten wir Euch alle sehr herzlich, daran mitzuwirken, daß das Unternehmen erfolgreich wird. Wer von Euch bereit ist, für einen oder mehrere Teile die deutsche Bearbeitung zu übernehmen, oder wer jemanden kennt, der das könnte, der möge sich bitte bei Manfred Pleger oder bei mir melden. Wir werden beide versuchen, den deutschen Anteil an der gemeinsamen Arbeit zu steuern. Doch ohne Eure ernsthafte Mithilfe geht es nicht. Wer sich meldet, erhält dann Kopie der jetzigen polnischen Fassung des Abschnittes, den er bearbeiten will. Aus unserem blauen Kreisbuch und aus anderen Unterlagen läßt sich zudem viel an Fakten zusammenfinden. Das Problem ist aber, den vorliegenden Text aus dem Polnischen erst einmal ins Deutsche zu übersetzen. Denn wir müssen ja wissen, wozu wir Stellung nehmen und was an etwaigen Irrtümern zu korrigieren sein mag. Wir appellieren hier zuerst an unsere Freunde, die das Polnische beherrschen. Für Übersetzungen von Teilabschnitten "aus dem Handgelenk" (unter Verzicht auf Genauigkeit) wären wir sehr dankbar! Ihr lieben Baehrs und Walter Lassahn, könntet Ihr helfen?! und Aus dem Polnischen [in Klammern gefaßte Worte wurden eingefügt]: [Buchtitel:] Touristisch-Landeskundlicher Führer durch das Land Belgard. Praca zbiorowa pod red. Andrzeja Swirko [d. h. durch den heutigen Landkreis Bialogard im Jahre 2000] Debczyno, Gemeinde Bialogard [Belgard], früher Denzin Lage: Schulzendorf, etwa 4 km südlich von Belgard, an einer Nebenstraße Geschichte: Durch die Verschiebung kleiner germanischer Volksstämme im Einzugsbereich der Oder ausgelöste Veränderungen in Kultur und Siedlungswesen Pommerns fanden ihre Spiegelung im Entstehen einer neuen kulturellen Gruppierung, der Denziner Gruppe. Dies geschah zu Anfang der Spätzeit römischer Einflüsse im 3. und 4. Jh. und etwas später durch die Wanderung der Goten und Gepiden und mit ihnen verbündeter Stämme in das Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres. Wahrscheinlich waren es Volksstämme aus dem Elbegebiet und aus Skandinavien. In der Besiedlung Pommerns stellte die Ballung von Siedlungen und Gräberfeldern um Denzin eine Ausnahme dar, sie wird als eine Art wirklicher Agglomeration angesehen. Die im 1. Viertel des 16. Jh. beginnende Ausdehnung der junkerlichen Gutsherrschaft brachte eine rapide Verschlechterung der Rechte der Dorfbewohner im Persantegebiet, das zu den wirtschaftlich am weitesten entwickelten Gebieten Hinterpommerns zählte. Der Zuwachs von Gutsbetrieben geschah auf Kosten der bäuerlichen Ländereien. Davon zeugen Eingaben der Bauern aus Denzin von 1599 und 1609, die Klage führen gegen die Wegnahme ihrer besten Äcker durch das entstehende Gut Ackerhof. Um die Wende vom 15. zum 16. Jh. gründeten die letzten Greifenherzöge die Domänenämter mit Administratoren an der Spitze. Die Ämter waren Eigentum der Herzöge. Zu den 18 herzöglichen Ämtern in Hinterpommern gehörte auch das Amt Belgard. Unter den 1782 zugehörigen Dörfern war auch Denzin. Vor wie auch nach dem 2. Weltkrieg war und ist Denzin ein Dorf von Einzelbauern. Bodendenkmäler: Von obengenannter Geschichte zeugen: Das in die Denkmalsliste des Bezirks Köslin eingetragene Gräberfeld am Abhang der sandigen Erhebung am Westufer der Muglitz, ca. 150 m östlich vom Feldweg nach Naffin [das Gräberfeld nahe der Roggower Mühle am Möhlenweg von Lenzen nach Roggow]. Die hier geborgenen reichen archäologischen Funde datieren das Gräberfeld in die spätrömische Kaiserzeit. Wegen seiner Seltenheit ist der Bereich dieses historischen slawischen Friedhofs unter Denkmalschutz gestellt. Ebenfalls in der Denkmalsliste: Eine offene Siedlung am Westufer der Muglitz, nördlich eines Feldweges ca. 500 m nordöstlich vom Weg nach Naffin. Die Funde datiert wie oben ein Beleg für dörfliche slawische Siedlung. [Damit dürfte der Fischberg hinter Fuchskaten gemeint sein.] Mitten im Dorf der nicht mehr benutzte evangelische Friedhof aus der Mitte des 19. Jhs. Praktische Hinweise: Denzin erreicht man von Belgard her mit Fahrrad oder Auto. Auch zu Fuß über einen Holzsteg über die Persante, der den Weg zur Polziner Chaussee verkürzt. Bushaltestelle, Klubraum mit Billard, Sportplatz, 2 Läden; Postleitzahl: 75-200 Bialogard. [Übersetzt aus dem Polnischen von Martin Lassahn aus Klempin, heute Berliner Straße 7, 48231 Warendorf. Vielen Dank lieber Martin Lassahn] Anmerkungen zur vorstehenden polnischen Beschreibung Denzins Die polnische Beschreibung enthält einige Merkwürdigkeiten, die möglicherweise daraus entstanden sind, daß dem Verfasser der Zugang zur alten Literatur erschwert war. Zunächst sei festgestellt: Denzin ist heute keine selbständige Gemeinde, keine Rechtspersönlichkeit mehr, sondern nur noch ein "Dorfwesen" niederen Rechts. Die um Belgard liegenden Gemeinden sind heute zur Gemeinde Belgard zusammengefaßt und werden mit der Stadt Belgard von der Stadt verwaltet. Die Germanen, "Träger der nordischen Kultur" sollen Pommern bereits in der jüngeren Steinzeit 3000 - 2000 vor Christi besiedelt haben. Später dann haben Goten, Gepiden, Burgunder, Rugen usw. Pommern nicht nur z. Z. der Völkerwanderung durchzogen, sondern vielmehr Jahrhunderte vorher in unserer Heimat gelebt. So reichte das Siedlungsgebiet der Völkerfamilie der Goten in seiner größten Ausdehnung von der unteren Weichsel westlich bis an die Persante; östlich von der Persante siedelten später die zunächst nur südlich der Warthe ansässigen Burgunder. Daß das Persantegebiet zu den wirtschaftlich am weitesten entwickelten Gebieten Pommerns gehört habe, schmeichelt uns Persantekindern zwar, ist aber nicht nachvollziehbar. Da war Kolberg mit dem Kolberger Land durch den Seehandel, den lohnenden Fischfang, den Salzsalinen und den fruchtbaren Wiesen und Äckern, der Pyritzer Weizacker mit seinen fetten, ertragreichen Böden usw. unseren mittleren, im Süden des Kreises Belgard schlechteren Böden wirtschaftlich (doch wohl) überlegen, wenngleich auch die Stadt Belgard in der Hansezeit eine blühende Stadt gewesen sein muß. Daß das Vorwerk, d. h. das Amt, den Denziner Bauern um 1600 fruchtbare Äcker zugunsten des Ackerhofs genommen haben soll, ist mir neu, auch sind mir die Schreiben der Bauern von 1599 und 1609 unbekannt. Die bedeutenden pommerschen Geschichtsschreiber Brüggemann (1784) und Berghaus (1867), die die Gemeinden Pommerns beschreiben und immer auch bedeutende Grenzverträge und Grenzstreitigkeiten nennen, sagen nichts darüber. Die Amtministration des Alten Amtes Belgard wurde nicht erst um 1600 geschaffen. So wird als Ministerieller bereits im Jahre 1289 Klest de Densin (Kleist zu Denzin) genannt (siehe bitte unseren Rundbrief Nr. 46 Ostern / Pfingsten 2003). In der polnischen Beschreibung wird das uns bekannte germanische Gräberfeld, das 1936 von Bauer Reinhold Kruggel in Denzin entdeckt und erstmals im Jahre 1937 unter Leitung des Archäologen Hans Jürgen Eggers aus Stettin geöffnet und ausgewertet wurde, als slawischer Friedhof bezeichnet. Die nachfolgenden Seiten geben Aufschluß über das Ergebnis der Ausgrabungen 1937 und bewerten die Funde als germanisch. So heißt es z. B. zu Tongefäßen: "Sie zeigen eine stilistische Entwicklungsstufe, die etwa den elbgermanischen Urnen aus dem Gräberfeld von Dahlhausen in der Prignitz entspricht." Die Aussage, daß am oder auf dem Fischberg hinter Fuchskaten (Wegekreuzung Lenzen-Roggower Möhlenweg / Weg Denzin-Naffin) eine slawische Siedlung bestanden habe, mag sein, die Funde indes auf dem Fischberg sind auch hier germanischer Kultur. Die Gräberfelder in Denzin sind bedeutend, sie stellen aber in Pommern keine Ausnahme dar. Das Land Belgard und Pommern sind von prähistorischen und historischen Funden geradezu übersät und bestätigen die dichte germanische Besiedlung einst unserer Provinz. Mir geht es nicht darum, das Slawische (für uns: Wendische) zu bestreiten, um so weniger als wir Pommern deutsch-wendischen Bluts sind, doch meine ich, daß wir Darstellungen in der polnischen Literatur ernst nehmen und kritisch lesen dürfen. [Dai Schulteknüppel Nr. 48, S. 25-26] |
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