10. Belgard-Seminar 2006

"So redeten wir damals zu Hause"
Gedichte, Geschichten und Redensarten


vom 23. - 26.03.2006 an der Ostsee-Akademie in Travemünde
Wie schon in Celle erklärt und begonnen, wollen wir uns dieses Mal, dem zehnten (!) Treffen, mit der Sprache und auch der Kultur unserer Heimat befassen. So redeten wir damals zuhause heißt diesmal unser Thema. Denn wie wir reden, wie wir uns artikulieren, das unterscheidet uns von andern, das bildet unsere Identität. Ob wir nun zuhause Platt gesprochen haben oder das regional gefärbte Hochdeutsch der Umgangssprache, wer ein Ohr für so etwas hat, der hört das. Wenn wir schümpfen und in die Kürche gehen, wenn wir mannich oder kisätsch sagen, dann sind wir daran zu erkennen: als Hinterpommern.... immer noch, auch wenn unsere Mundart langsam ausstirbt.... mit uns. Denn in Vorpommern spricht man nun doch recht anders.

Mit Hilfe eines Greifswalder Wissenschaftlers vom Pommerschen Wörterbuch wollen wir unserer Sprache ein bißchen auf den Grund gehen und dann gemeinsam sprachliche Besonderheiten unserer Heimat aus der Erinnerung zurückholen. Ich bitte dabei einen jeden um seine Mithilfe!

Wenn unsere polnischen Partner einiges zur regionalen Entwicklung von Sprache und Kultur im Raum des heutigen Bialogard erzählen, wird das eine Bereicherung der Veranstaltung sein.

Grundsätzliche Fragen können und werden wir sicher auch in den das Seminar begleitenden Gesprächen berühren. Insbesondere auch, ob und wie wir den anderen Bereichen des alten Kreises Belgard näher kommen können, sprich mit den Bad Polzinern und den Schivelbeinern (jeweils nebst Umland). Wir hatten das schon in Celle angesprochen. Und es geht in diesem Zusammenhang auch um die Betreuung und schließlich Bewahrung unseres Heimatarchives; denn der Landkreis Celle ist ja nur unser lieber Pate. Es wäre darum gut, eine förmliche Rechtspersönlichkeit als verantwortlichen Träger unserer Heimatgemeinschaft zu schaffen, der notfalls einspringen kann, wenn eines Tages der Kreis Celle nicht mehr imstande oder willens sein sollte, uns weiterhin zur Seite zu stehen. Ein solcher Verein bzw. Freundeskreis sollte darum möglichst auch die anderen alten Kreisteile umfassen.

Auch unsere Beziehungen zu Bialogard gehören zum Thema. Beim letzten Seminar zeigten sich Meinungsverschiedenheiten. Das war und ist im Grunde ganz natürlich. Denn beide Seiten sehen die Stadt und die Region, um die es geht, mit jeweils anderen Augen. So reden wir vom alten Belgard und die, die dort nach 1945 geboren wurden, von ihrem Bialogard. Ich bin ganz sicher, daß wir trotz dieser Sicht weitere Fortschritte werden verzeichnen können, und daß demnächst auch über die Vergangenheit der Stadt tatsachengerecht geredet und geschrieben wird ....auch in den offiziellen Prospekten von Stadt und Kreis.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist mit der inoffiziellen Eröffnung des regionalen Heimatmuseums gemacht worden. Die von Herrn Dudzicz zusammengetragenen Exponate, die dort als erstes ausgestellt sind, lassen hoffen. Schön ist auch, daß Herr von Kleist dort eine Ausstellung über seine Familie repräsentieren kann. Leider gibt es noch keinen Verantwortlichen für das Museum. Wir wünschen sehr, daß es dem Geschick von Bürgermeister und Landrat bald gelingt, eine entsprechende Stelle zu schaffen und dann mit einer kundigen Persönlichkeit zu besetzen. Wenn man dann an uns herantreten sollte, werden wir bzw. der Heimatkreis gerne bereit sein, aus unseren Beständen kopierte Materialien zu überlassen. Interessant dürfte es auch sein, wenn wir Nachdrucke bzw. Kopien alter Tageszeitungen zur Verfügung stellen können. In Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald bemühe ich mich darum; ich hatte schon zuvor darüber berichtet.

Ein Teil von uns war im Sommer ja wieder in der alten Heimat, hat mit Freude den fertig gewordenen Neubau des Museums besucht und am Empfang des Herrn Landrates wie des Herrn Bürgermeisters teilgenommen.



Donnerstag, 23. März 2006

bis 15.30 Uhr - Anreise

15.30 Uhr - Begrüßungskaffee

16.00 Uhr - Begrüßung und Einführung in die Tagung  Lutter / Pleger

16.30 Uhr - Sprache und nationale bzw. regionale Identitätsbildung
Bader

17.30 Uhr - Von pommerscher Musik und Literatur  Lutter

18.30 Uhr - Abendessen

20.00 Uhr - Neue Bilder aus dem Lande Belgard  Beilfuss



Freitag, 24. März 2006

08.00 Uhr - Frühstück

08.30 Uhr - Besuch der Buchhandlung und der Bibliothek der Akademie

09.00 Uhr - Vom Niederdeutschen zum Platt des Persante-Raumes
Bader
10.00 Uhr - Kaffeepause

10.30 Uhr - Das mundartliche Umgangssprache Hinterpommerns  Bader
Mit Beispielen rund um Essen und Trinken

12.00 Uhr - Mittagessen

14.00 Uhr - Besuch Lübecks (Stadtführung / Haus Stettin / Cafe Niederegge)

18.30 Uhr - Abendessen

20.00 Uhr - Mitgliederversammlung des Freundeskreises

21.00 Uhr - Gespräche am Kamin



Sonnabend, 25. März 2006

08.00 Uhr - Frühstück

08.30 Uhr - Schriftsteller und Dichter aus dem alten Kreise Belgard
Pleger  unter Mitwirkung der Herren Beilfuß, Ott und Ziburski

10.00 Uhr - Kaffeepause

10.30 Uhr - Fortsetzung

12.00 Uhr - Mittagessen

14.00 Uhr - Strandspaziergang

15.30 Uhr - Kaffeepause

16.00 Uhr - Redensarten und Ausdrücke des Persante-Raumes  Ott

17.00 Uhr - Beiträge aus dem Teilnehmerkreis

18.30 Uhr - Abendessen

20.00 Uhr - Heimatliches Singen mit Herrn Ziburski im Kaminzimmer



Sonntag, 26. März 2006

08.00 Uhr - Frühstück

08.30 Uhr - (Hinter-) Pommersches Selbstverständnis einst und jetzt
Lutter

09.30 Uhr - Regionalspezifisches Selbstverständnis in der Region BialogardN.N.

10.30 Uhr - Kaffeepause

11.00 Uhr - Literatur und Volkskultur in der Wojewodschaft  N.N.

12.00 Uhr - Abschlußgespräch   Lutter / Pleger

12.30 Uhr - Mittagessen und Abreise



So wollen wir uns auf unserem zehnten Seminar der Sprache annehmen, die wir einst sprachen: vom mundartlich gefärbten Hochdeutsch zum Plattdütsch. Wir werden von unseren heimischen Dichtem berichten und versuchen, den sprachlichen Witz der alten Heimat wieder aufleben zu lassen. Erfreuen wollen wir uns an alten Ausdrücken und Lebensarten. Dazu bitten wir auch um ergänzende Beiträge der Teilnehmer, seien es kleine Geschichten oder auch Lieder. In lockerer Weise wollen wir so noch einmal in die Sprache unserer Kindheit eintauchen. Besonders freuen würden wir uns, wenn wir nicht nur Teilnehmer aus dem Raum Belgard, sondern auch aus Bad Polzin, Schivelbein und Umgebung begrüßen könnten.

/ Laboe





10. Seminar des Belgarder Freundeskreises für Stadt
und Land Belgard-Schivelbein


Der Freundeskreis veranstaltete in der Zeit von Donnerstag, dem 23. März, bis Sonntag, dem 26. März, im Pommernzentrum in Travemünde ein weiteres Seminar mit dem Thema: "So redeten wir damals zu Hause: Gedichte, Geschichten und Redensarten".

Der Vorsitzende Dr. jur. Harald Lutter hatte eingeladen. Mit 34 Teilnehmern, darunter 6 polnischen Honoratioren aus Belgard, war es zufriedenstellend besucht. Angesichts der Bemühungen, auch der zahlreichen Einladungen, die versandt worden waren, hätte man allerdings mehr Heimatfreunde erwartet. Die Polen trafen „in letzter Sekunde ein" - unerwartet, denn sie hatten auf die Einladung nicht geantwortet. So fehlte der Dolmetscher, und das führte vorübergehend zur Verstimmung. So gut es eben ging, fungierte dankenswerterweise in einigen Beiträgen unser Heimatfreund Walter Baehr.

Schwerpunkt war unser pommersches Platt, so wie wir Pommern es sprachen; auch das spezifische Platt im Persantetal - also unser ureigenes Platt - wurde intensiver Aussprache gewürdigt. Und natürlich kam auch unser Heimatdichter Otto Graunke aus Schivelbein zu Wort.

Für die wissenschaftlichen Vorträge hatte Herr Dr. Ulf-Hermann Bader von der Universität Greifswald, selbst Pommer / Stettiner und plattsprechend, gewonnen werden können. Herr Hans-Georg Ziburski aus Muttrin, Kreis Belgard, der platt spricht und schreibt, ergänzte die so gewonnenen Erkenntnisse und bereicherte mit eigenen plattgeschriebenen Döntjes aus Muttrin und Damen, unserer engeren Heimat. Dieser Teil des Seminars zunächst als schwierig erwartet, gelang glänzend; und was wir feststellten, man kann sich in den Klang eben dieser eigenen Sprache (sie ist m. E. kein Dialekt, sondern eine eigene Sprachschicht des Deutschen) hineinhören. Für alle, die sich dem Platt verbunden und verpflichtet fühlen, war dieser Exkurs ein gelungenes Experiment und eine kleine Wiederbelebung unserer untergehenden pommerschen plattdeutschen Sprache. Dr. Harald Lutter ergänzte die Palette der Vorträge mit eigener Akzentsetzung die Frage stellend, welcher Art der Kultur in Pommern blühte und welchen Stand sie zu erreichen imstande war.

Ein weiterer Schwerpunkt war die neuhochdeutsche Literatur der alten Dichter unseres Heimatkreises. Lesungen besonders aus Seydlitz als Kornett in Belgard von dem früheren Bürgermeister Belgards, Dr. jur. Edmund Trieschmann, boten gute Lektüre und Unterhaltung. Dr. Trieschmann hat darin nicht nur Garnisonsgeschichte geschrieben, sondern auch Kultur aus dem Belgarder Land aufgelesen. Namentlich wegen dieser Kulturbeiträge hat Manfred Pleger mit Unterstützung von Günter Beilfuss und Rudolf Trapp das Werk neu herausgegeben und mit der Belgarder Garnisonsgeschichte verbunden. Aufmerksamkeit fand das dokumentarische Werk von Frau Annemarie Sondermann, die in ihrem Buch Bittersüße Pom(m)eranzen über ihre und ihrer Familie Erlebnisse 1945 in Pommern berichtet. Sie bringt darin das Vermächtnis ihres Vaters, Pastors Boeters, der verschleppt, sterbenskrank entlassen - die eigene Haustür der Familie nicht mehr erreichen sollte. Beeindruckend auch der Bericht über die Tätigkeit ihrer Mutter als Pfarrfrau 1945 in Petershagen nahe der Grenze zu Schivelbein, wo sie als Pastorin wirkte und den Menschen Trost spendete und Hoffnung zusprach.

Anerkennung fanden die Gedichtbände von Oskar Schrod, früher Ballenberg im Kreis Belgard, so Unvergessene Heimat - Pommern - Gedichte, Verse, Lieder. Ihm und den Autoren sei hier für seine Aktivität gedankt und weiteres literarisches Schaffen gewünscht.

In Abendstunden unterhielt Günter Beilfuss die Gesellschaft mit heimatlichen Lichtbildvorträgen. Als trefflicher Photograf erfreute er mit bezaubernden Bildern und Ansichten.

Eine Stadtführung in Lübeck mit der Fremdenführerin Ingrid Habrecht mit einem Besuch des Doms, der historischen Gassen der Stadt und der Marienkirche war willkommne Abwechslung; den köstlichen Abschluss dieses erlebnisreichen lehrreichen Tages bildete der Besuch des Niederecker-Cafe's.

Herr Ziburski bereicherte die Veranstaltung wissenschaftlich und literarisch; auch dass er mit Gesang, auf dem Schifferklavier begleitet, für Unterhaltung und Stimmung sorgte, machte ihn zu einem liebenswürdigen Mittelpunkt. Und dass er dann am Schluss erklärte, er träte als Mitglied dem Freundeskreis bei, hob ihn als besonders geschätzten und geachteten Heimatfreund hervor. Frau Barbara Haverland trat als 3. Vorsitzende zurück, und so wurde als Nachfolger - wer wohl? - Herr Ziburski gewählt. Wir freuen uns über diesen fördernden Zuwachs. Frau Barbara Haverland herzlichen Dank für ihre Arbeit in all den Jahren, beachtlich, was sie durch Tatkraft, Umsicht und Beharrlichkeit erreichte.

Mitwirkende in der Lesung waren auch Günter Beilfuß und Manfred Pleger.

Unserem Vorsitzenden, Herrn Dr. Harald Lutter, sagen wir besonderen Dank für Planung, Vorbereitung und Durchführung des Seminars - eines anspruchsvollen Seminars, das (wohl) alle als gelungen betrachteten.




[Dai Schulteknüppel Nr. 53, S. 60-61]






Unser Belgard-Seminar sollte sich dieses Mal mit der Sprache befassen, die wir einst zuhause sprachen.

Überrascht waren wir, als wir von unseren polnischen Partnern, die wir wie immer förmlich eingeladen hatten und von denen keine Anmeldung vorlag, dann doch unerwartet derer Sieben begrüßen konnten. Sie bereicherten das Seminar mit ihren sachlichen und musikalischen Beiträgen. Die einfühlsame Dolmetscher-Hilfe durch Frau Eva Grieger aus Stettin erleichterte das.

Nachdem ich eröffnend alle von unserem lieben Pastor Zitzke grüßen durfte, führte Herr Dr. Bader von der Universität Greifswald in die Thematik ein. Er war für Frau Prof. Herrmann-Winter eingesprungen, der u.a. die Herausgabe und Fortführung des Pommerschen Wörterbuchs obliegt. Sein erstes Referat befaßte sich mit der Sprache als Faktor einer regionalen Identitätsbildung. Wir lernten, wie sich ganz Norddeutschland umgreifend einst das Neu-Niederdeutsche als Platt zur Sprache der Bauern und Kleinbürger entwickelte, die bis in die hochdeutsch geprägte Umgangssprache ausstrahlte. In Pommern führte die unterschiedliche Herkunft der zugewanderten Deutschen dazu, daß sich dialektale Differenzierungen herausbildeten, die zu einer sprachlichen Dreiteilung des Landes führten.

All dies wurde am nächsten Tage fortgeführt, als Herr Bader anhand von Sprachbeispielen auf die Besonderheiten des Persanteraumes einging.... bis hin zum die Kinder ängstigenden Mummatsch, der aus dem alten Wendischen übernommen worden war. Seine um Essen und Trinken sich rankenden Ausdrücke unserer einstigen Umgangssprache erfreuten die Teilnehmer ganz besonders. Da kamen die Erinnerungen hoch! Ebenfalls als Heinz Ott sprachliche Besonderheiten unserer engeren Heimat zu Gehör brachte.

Mein Thema des ersten Tages bezog sich auf Pommersche Musik und Literatur. Dabei sollte das alte geflügelte Wort widerlegt werden, wonach die Pommern amusisch seien (Pomerania non cantat!). Wie viele Künstler lassen sich da doch stolz nennen. Nur gab ich zu bedenken, daß nicht alles, was sich da als Kunst ausgeben mag, auch tatsächlich diesem Anspruch gerecht werde. Das gelte nicht zuletzt bei Werken mit religiösen oder heimatbezogenen Themen. Auch dort solle man sich vor Schwulst und hohlem Pathos hüten.

Am dritten Tage stellte Manfred Pleger Heimatliche Autoren vor, u.a. Otto Graunke und Bernhard Trittelvitz, die unsere Heimat in so vielen zu Herzen gehenden Werken besungen hatten. Auch deren plattdütsche Arbeiten fanden unser Gefallen.

Die geselligen Abende waren für uns alle wieder besonders schön. Am ersten Tag zeigte uns Günter Beilfuß seine gut komponierten neuen Aufnahmen von zuhause. Die vielen Einzelgespräche im Kaminzimmer brachten uns einander näher, auch Deutsche und Polen. Der gemeinsame Gesang tat das Seine dazu. Und so war es wahrlich erhebend, als wir gemeinsam - Polen wie Deutsche - am Sonnabend alle Hand in Hand das Pommernlied sangen und Herr Hynda dazu die Klampfe schlug.

Außerordentlich informativ war am Sonnabend der von unseren polnischen Gästen eingebrachte Filmbeitrag über die v. Kleist-Ausstellung im Alten Rathaus und über deren offizielle Eröffnung durch Herrn Bürgermeister Strzalkowski. Auch die Einführungsrede Herrn Heinrich v. Kleists wurde in vollem Wortlaut gebracht, wo er u.a. stolz davon berichtete, daß seine Familie in Hinterpommern an die 60 Güter besessen habe. Ein weiterer Film zeigte ihn sich vor dem alten Familiensitz in Positur stellend.

Herr Podgorski, ein Mitarbeiter Herrn Swirkos, der die Filme für das lokale Fernsehen gedreht hatte, war offensichtlich verwundert, als er neben höflichem Beifall auch hören mußte, daß diese Darstellung des Adels für den Belgarder Raum nicht repräsentativ sei. So machte Manfred Pleger darauf aufmerksam, daß die Kleistens ihre mächtige Stellung erst nach 1648 mit dem berüchtigten Bauernlegen gewonnen hatten. Immerhin sei rund die Hälfte des Grundbesitzes im Kreis in der Hand freier Bauern gewesen. Deren Rolle komme zu kurz.

Das hatte Nachwirkungen. So führten meine die Gemüter beruhigenden nächtlichen Gespräche dazu, daß Herr Podgorski am nächsten Tage von sich aus vorschlug, schon im Sommer gelegentlich unseres nächsten Besuches einen weiteren Film über die normale Bevölkerung in Stadt und Land Belgard zu drehen. Hierfür bat er um konkrete Vorschläge. Daneben begann er, etliche Seminarteilnehmer filmisch zu interviewen. Nur: Auf meine Schreiben an Herrn Swirko mit der Angabe der Namen derer, die bereit waren, an der Dokumentation mitzuwirken und auch Fotos und Dokumente zur Verfügung zu stellen, habe ich keine Antwort erhalten. Auch von den abendlichen Interviews sahen und hörten wir nichts, auch im Sommer nicht.

Am letzten Tag des Seminars ging es um das regionale Selbstverständnis: der einstigen deutschen wie der heutigen polnischen Belgarder. In meinem Referat sprach ich davon, wie unser altes Pommern, nachdem es an Brandenburg bzw. Preußen gefallen war, viel von seiner Eigenart und seinem eigenständigem Bewußtsein verloren hatte. Durch den Einfluß von Krone und Kirche war es zu einer Art Verpreußung des Landes gekommen. Das wirke bis heute fort.

Herr Lipnicki, der Bürgermeister der Gemeinde Bialogard, dort geboren, ist seiner Heimat offenbar in gleicher Weise verbunden, wie wir es waren und sind. Nicht ohne Stolz berichtete er so über die Bemühungen der Neubürger, im neuen Lande heimisch zu werden und sich kulturell zu verankern. Er sprach von den literarischen Wettbewerben der Stadtbibliothek, von dem kulturellen Eifer in den Schulen und von heimischen Künstlern. So erwähnte er den aus Litauen stammenden Sänger Niemen und den Schriftsteller Kurjata, der auch ein Buch über die Familie v. Kleist geschrieben habe.

Ausführlich sprach er dann über diverse kommunale Vorhaben und Probleme bis hin zum Rückgang der Einwohnerzahlen gerade im ländlichen Bereich und der Abwanderung gut ausgebildeter junger Leute. Auf Frage nach einem spezifischen regionalen Selbstverständnis, das über den Heimatort hinausgeht, hörten wir wieder den Bezug zur Wojewodschaft.







So war unser letztes Seminar. Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten, die vor allem sein musisches Element dankbar hervorhoben: so etwa das Lied vom Bualala und die Riemels von Herrn Ziburski.

Besonders die guten Gespräche, die einige von uns mit den polnischen Partnern führten, waren etwas sehr Positives. So denke ich auch an eine lange und mir nützlich scheinende Unterhaltung mit Herrn Hynda über die Beziehungen unseres Freundeskreises zu Stadt und Kreis.

Natürlich hatte ich dann für unseren Verein nicht nur an die Universität Greifswald wegen Dr. Baders Erscheinen, sondern auch wieder an die Herren Bürgermeister und Landrat meine Dankschreiben geschickt. Besonders bedankte ich mich für das Engagement im Heimatmuseum mit den Ausstellungen über die Familie v. Kleist und über die alten Kirchen des Kreises. Auch schrieb ich dankend an die Herren Hynda und Lipnicki.

Herrn Swirko (der diesmal nicht am Seminar teilgenommen hatte) schrieb ich mehrfach an und ließ ihm aufgrund einer Bitte seines Herrn Podgorski auch Material für ein in Planung befindliches Buch zukommen. Und dann nannte ich ihm - wie schon oben angesprochen - Namen, um die ich für die neue Filmdokumentation gebeten worden war. Für die Stadt benannte ich die Herren Henke und Zitzke, für den ländlichen Bereich die Herren Pleger und Trapp. Auch dazu gab es bis heute keinerlei Reaktion. Einzig Herr Vize-Landrat Hynda reagierte mit einem freundlichen Brief.

Dann kam im Sommer schließlich unsere traditionelle Belgard-Fahrt. Herr Struck hat in der Pommerschen Zeitung unlängst so freundlich über die Erlebnisse einer der beiden Reisegruppen berichtet. So erwähnte er auch den Empfang im Kreishaus; ergänzend füge ich hinzu, daß die vielschichtigen Bemühungen Bürgermeisters Strzalkowskis um seine Stadt gar dazu geführt haben, daß er in der Wojewodschaft den Ehrentitel des Europäers des Jahres erhalten hatte! Ich beglückwünschte ihn dazu und brachte erfreut zur Sprache, erfahren zu haben, daß das alte Falksche Gesellschaftshaus zur Renovierung anstünde und demnächst wie einst Festsaal der Stadt sein würde. Ich erinnerte dabei an die einstige Bedeutung der Räumlichkeiten für die sog. bürgerliche Gesellschaft aber auch für deren dort agierenden sich vaterländisch nennenden Verbände. Für die weitere Nutzung drückte ich meine Hoffnung aus, daß hier künftig ähnlich wie im gesamten Ostseeraum eine Stätte der Begegnung entstehen möge, und wir bereit seien, uns auch dort mit einzubringen.

Beim Besuch des neuen Museums konnte ich in Erfahrung bringen, daß es organisatorisch bis jetzt nur eine unselbständige Abteilung der Stadtbücherei darstellt. Die ausgestellten Gegenstände sind sämtlich Eigentum Privater (vor allem Herrn Dudzicz'), die der Stadt nur als Leihgabe zur Verfügung gestellt worden sind. Über die künftige Gestaltung der Einrichtung vermochte Herr Direktor Florek noch keine Erklärungen abzugeben. Auch insoweit wird man die Kommunalwahlen zu Ende des Jahres abwarten müssen.

Was unsere Gedenkstätte auf dem Friedhof anbelangt, haben meine Gespräche im Rathaus ergeben, daß die hinzugefügten neuen Grabsteine der Stadt zugegangen und sie von der tüchtigen Leiterin des Friedhofsamtes aufgestellt und fixiert worden waren. Neue Überlegungen erbrachten, daß die seinerzeit auf Veranlassung der Stadt von Frau Haverland eingegangenen Verpflichtungen keinen Bestand mehr haben können, da die Unterhaltspflicht für die Anlage allein der Stadt obliegt. Ich werde dem weiter nachgehen. [....]