14. Belgard-Seminar 2010

Ein Seminar des Historischen Vereins
der Lande Belgard, Schivelbein und Bad Polzin

vom 16. - 19.3.2010
an der Ostsee-Akademie im Pommern-Zentrum in Travemünde
An alle Vereinsmitglieder,
an Aktive und Interessierte

Einladung zur Teilnahme am 14. Seminar

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Heimatfreunde,

ich lade hiermit ein zur Teilnahme an unserem 14. Seminar von Dienstag, dem 16. bis Freitag, dem 19. März 2010, in die Ostsee-Akademie in Travemünde (einige der Appartmenterwerber haben ihr Appartment an die Ostsee-Akademie vermietet, so daß es mit den Betten im Gästehaus möglich ist, alle Seminarteilnehmer im Pommernzentrum unterzubringen).


Programmfolge

1. Dienstag, den 16. März 2010

Anreise bis 14.00 Uhr

15.00 Uhr - Begrüßung und Erfrischung in der Cafeteria

16.30 Uhr - Eröffnung des Seminars, Besprechung der Programmfolge
Dr. Harald Lutter: Belgard und die Hanse

18.00 Uhr - Abendessen

20.00 Uhr - Kleines geselliges Beisammensein


2. Mittwoch, den 17. März 2010

8.00 Uhr - Frühstück

9.15 Uhr - Dr. Harald Lutter: Die Hanse: Ein Sündenfall für die preußische Geschichtsschreibung

11.30 Uhr - Mittagsessen

12.30 Uhr - Abfahrt nach Plön bzw. Bosau

13.30 Uhr - Besuch der Kirche Bosau, Empfang von Frau Pastorin Heike Bitterwolf; Bosau hat eine der ältesten Kirchen in Schleswig-Holstein; die Kirche hat insoweit auch Bedeutung für die pommersche Geschichte, als sie eine Drehscheibe der Ostkolonisation im Mittelalter war.

14.00 Uhr - Vortrag von Herrn Eberhard Rauch über die Slawenchronik (Chronik Slavorum); die Chronik wurde hier von dem Pfarrer Helmold von Bosau um 1167 in lateinischer Sprache geschrieben. Allein aus ihr wissen wir vom Leben der Slawen.

15.30 Uhr - Kaffeetafel in Bosau im reizvoll gelegenen Hotel am See, danach Rückfahrt

19.00 Uhr - Abendessen

20.00 Uhr - Geselliger Abend, evtl. Filmvortrag mit Hans-Georg Ziburski


3. Donnerstag, den 18. März 2010

8.00 Uhr - Frühstück

9.30 Uhr - Jahreshauptversammlung

10.45 Uhr - Erfrischung in der Cafeteria

11.00 Uhr - Hauptreferat von Prof. Dr. Dr. Ulrich Matthée: Der Versailler Vertrag

12.00 Uhr - Mittagessen

14.00 Uhr- Fortsetzung des Referats

18.00 Uhr - Abendessen

20.00 Uhr - Geselliger Abend, evtl. Filmvortrag mit Hans-Georg Ziburski


4. Freitag, den 19. März 2010

8.00 Uhr - Frühstück

9.30 Uhr - Fortsetzung der Jahreshauptversammlung

11.00 Uhr - Rückblick auf das Seminar, Themenvorschläge für das nächste Seminar

12.00 Uhr - Mittagessen


Teilnahme:
Der Preis beträgt 185 EUR bei Unterbringung im Doppelzimmer, der Zuschlag für ein Einzelzimmer 20 EUR. Zahlung zu Beginn des Seminars. Im Preis enthalten sind die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und das Programm im Pommernzentrum. (Die Kosten für Führung und Vortrag in Bosau sollen aus Vereinsmitteln bestritten werden. Das Kaffeegedeckt in Bosau muß ggf. jeder selbst bezahlen.) Gäst ohne Übernachtung zahlen 75 EUR; hierin sind enthalten das Programm und die Verpflegung ohne Frühstück. Gäste ohne Übernachtung und Verpflegung zahlen 40 EUR; für Einzelvorträge werden 5 EUR erhoben.


Anmeldung an:
Ostsee-Akademie im Pommernzentrum, Europaweg 3, 23570 Lübeck
Tel. 04502 803203, eMail: office@ostseeakademie.de
Internet: www.ostseeakademie.de

Anmeldeschluß ist der 10. März 2010
Bei Rücknahme der Anmeldung später als 3 Tage vor Beginn der Tagung bleibt der Tagungsbeitrag zur Zahlung fällig.

Personen, die dem Historischen Verein nicht angehören, sind ebenfalls zu dem Seminar herzlich willkommen

Manfred Pleger

Mühlenstraße 20
D-24235 Laboe
Tel. 04343 8357


[2. Dezember 2009]





Bericht über das 14. Seminar des Historischen Vereins für die Lande Belgard, Schivelbein und Bad Polzin vom 16. - 19.3.2010 an der Ostsee-Akademie im Pommern-Zentrum in Travemünde:


Der Freundeskreis veranstaltete in der Zeit vom 16. bis 19. März 2010 das 14. Seminar. Hatten wir uns in den früheren Seminaren vorrangig mit der Geschichte und Kultur unserer Stadt und unseres Kreises beschäftigt, so waren jetzt überregionale Themen gefragt. 17 Teilnehmer waren erschienen, der Vortrag von Prof. Dr. Dr. Ulrich Matthée sprengte dagegen mit ungefähr 60 Zuhörern alle Erwartungen, ein Indiz dafür, daß das Thema "Die 5 Pariser Vorortverträge 1919/20 und der Umbruch Europas 1919/20: Versailles - St. Germain en Laye - Trianon - Neilly - Sevres" nach 90 Jahren noch immer als gegenwärtig empfunden wird.

Nach der Eröffnung und Begrüßung der Teilnehmer am Mittwoch vom Vorsitzenden Manfred Pleger referierte Dr. Harald Lutter über das Thema "Die Hanse", ein nie endenwollendes Thema. Auch die damals kleine Stadt Belgard profitierte von der mehr als 200jährigen Blütezeit der Hanse; denn wie hätte die Stadt sonst diese bauliche Entwicklung in Jahrzehnten gewinnen können!

Der folgende Donnerstag führte uns auf einer kleinen Exkursion nach Bosau am Plöner See. Da jahreszeitlich noch früh, schied leider eine Schifffahrt über den reizvollen Großen Plöner See aus. Wir besuchten zunächst die ev. St.-Petri-Kirche. Bekannt ist Bosau vor allem durch die 1151/52 erbaute St.-Petri-Kirche. Sie entstand im Rahmen der Christianisierung des slawisch besiedelten Ostholsteins. Der Missionar Vicelin wurde 1149 von Heinrich dem Löwen zum Bischof von Oldenburg in Holstein ernannt und erhielt Bosau als vorläufigen Amtssitz, wo er 1151/52 die Kirche erbauen ließ. Vicelin erlitt 1152 einen Schlaganfall und starb 1154 in Neumünster. Der Pfarrer Helmold von Bosau berichtet davon in seiner Slawenchronik. Bosau war im Mittelalter eine Drehscheibe der Ostkolonisation. Hier unterbrachen die Kolonisten, die in der Regel mit Pferd und Wagen, mit Kuh und Kleinvieh von weit hergekommen waren, ihre Reise, erholten und reinigten sich und zogen dann gestärkt und mit den Notwendigkeiten von der Kirche versorgt ihres Weges weiter nach Osten, besonders nach Pommern. Wenn auch die Gegenstände in der Kirche Jahrhunderte alt sind, so werden sie doch nicht zur Zeit, als Kolonisationsströme Bosau berührten, bestanden haben. Was indessen vorhanden war, war die Kirche, so wie wir sie noch heute sehen. Und die Kolonisten werden das Heilige Abendmahl an dem Taufstein aus Granit empfangen haben, denn dieser Stein ist uralt, er soll schon aus der heidnischen Zeit stammen, als Bosau Wallfahrtsort war.

Herr Eberhard Rauch, pensionierter Bundeswehroffizier, führte uns durch die Kirche. Anschließend sprach er im Gemeindesaal der Kirche über die Slawenchronik. Für die spannenden, alle Hörer in den Bann ziehenden Vorträge danke ich Herrn Rauch. Die Chronica Slavorum (Slawenchronik), von Helmold von Bosau verfasst, beschreibt die Ostsiedlung und die Missionierung der Slawen, vor allem ab Otto I. Sie befasst sich vorrangig mit der Herrschaftsbildung, Siedlung und Mission in Ostholstein, Mecklenburg und Pommern, aber auch in Brandenburg und Skandinavien. Dabei beschreibt Helmold recht genau die Religion, Kultur und Gesellschaft der heidnischen Stämmme östlich der Elbe, die in der modernen Forschung als Elb- und Ostseeslawen bezeichnet werden. Bei der Unterscheidung zwischen den Stämmen an der Ostsee hebt er im ersten Kapitel die Pruci/Pruzzen, die er irrtümlich für Slawen hält, wegen ihrer "Tugenden" hervor; sie dienen ihm als Projektionsfläche für Kritik an den Christen. Der Schwerpunkt seiner Chronik (108 Kapitel) beschäftigt sich mit den geschichtlichen Ereignissen im slawischen Gebiet zwischen Kiel (Wagrier) über Mecklenburg (Obotriten) und Rügen (Ranen) bis Stettin (Pomoranen), das etwa der Billunger Mark entspricht, und zwar in der Zeit von Karl dem Großen bis 1168, Stammesgebiet der Wagrier, Obotriten, Ruganen und Pomoranen um das Jahr 1000. Als Quellen verwendete Helmold vor allem Adam von Bremen, die Viten Willehads und Ansgars, ergänzt um mündliche Überlieferung und eigene Erfahrung. Helmolds Slawenchronik gilt als bedeutendste Schriftquelle Niederdeutschlands des 12. Jahrhunderts. Arnold von Lübeck setzte die Chronik (Arnoldi Chronica Slavorum) von 1171 bis 1209 fort. Ernst von Kirchberg übertrug sie 1378/79 in hochdeutsche Reimform. Die älteste Ausgabe wurde von Schorkel (Frankfurt 1556) herausgegeben.

Anschließend ließen wir uns ein Kännchen duftenden Kaffees und ein großes Stück köstlicher Torte in Stauers Hotel am See mit Blick auf den Großen Plöner See schmecken.

Am Donnerstag galt die Aufmerksamkeit ganz dem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Dr. Ulrich Matthée, geboren in Memel, heute wohnhaft in Kiel.

Die Abende gestaltete Hans-Georg Ziburski. So sahen wir einen Film über Preußen und einen weiteren Film "Der Katzensteg" von Hermann Sudermann.

Donnerstagabend bot Hans-Georg Ziburski Döntjes und spielte auf dem Akkordeon bekannte Volks- und Wanderlieder, die wir mitsangen. Der Abend endete mit "Wenn in stiller Stunde ...."

Manfred Pleger


Der Beitrag über den Versailler Vertrag, der diesem Beitrag folgen sollte, mußte leider aus Raumgründen in den im März erscheinenden Schulteknüppel Nr. 62 verschoben werden.